Bilder von der Front: Frauen in Roter Armee und die Kriegs-Fotografin Olga Lander

  23 Februar 2019    Gelesen: 685
Bilder von der Front: Frauen in Roter Armee und die Kriegs-Fotografin Olga Lander

Die sowjetische Fotografin Olga Lander hielt im Zweiten Weltkrieg weltbekannte Szenen für die Nachwelt fest. Dabei lichtete sie Pilotinnen, Flieger, aber auch alltägliche Familienporträts ab. „Olga Lander war eine außergewöhnliche Frau“, erklärte eine russische Historikerin am Dienstag im Berliner Deutsch-Russischen Museum. Sputnik war vor Ort.

Ungefähr 200 sowjetische Fotokorrespondenten durften Bilder von der Front im Zweiten Weltkrieg machen. Darunter nur fünf Frauen und Olga Lander (1909 – 1996) ist wohl die Bekannteste von ihnen. Ihre Fotografien zählen bis heute zum russischen Kulturgut. Am Dienstagabend versuchten russische und deutsche Historikerinnen die historische Figur Lander in einem Bilder-Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion im Deutsch-Russischen Museum in Berlin zu entschlüsseln. Darunter die russischen Forscherinnen Irina Tschepanova und Marina Tschertilina, Professorin Beate Fieseler von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie Margot Blank, Vize-Direktorin des Deutsch-Russischen Museums.

„Es dreht sich heute um die Ausstellung über Olga Lander, die wir hier aktuell zeigen“, sagte die stellvertretende Museumsdirektorin am Dienstag vor Ort gegenüber Sputnik. Die Ausstellung über Kriegsfotoreporterin Olga Lander und deren Fotografien ist noch bis Sonntag im Deutsch-Russischen Museumin Berlin-Karlshorst zu bewundern. Die Fotos habe Lander „als Kriegsfotografin ab 1943 gemacht hat. Aber es ging heute Abend vor allem um den Zusammenhang von Bildung, Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und Berufstätigkeit von Frauen in der jungen Sowjetunion der 20er und 30er Jahren und während der Kriegszeit.“

Die spannende Frage, die noch heute Historiker beschäftigt, sei, inwieweit der damalige „Kriegszustand als Katalysator (Beschleuniger, Anm. d. Red.) im Sinne der gleichberechtigten Rolle von Frauen gewirkt hat.“

Über 800.000 Sowjetbürgerinnen waren beteiligt am „Großen Vaterländischen Krieg“, so nennen die Russen noch heute den Krieg Nazideutschlands gegen die Sowjetunion. „Frauen haben einen großen Anteil am Krieg gehabt“, betonte Blank. „Sowohl hinter der Front als auch an der Front wie im Hinterland. In keiner anderen Armee sind Frauen als Kombattantinnen am Krieg beteiligt gewesen. Das war eine einzigartige Stellung von Frauen innerhalb der Roten Armee.“

Der überwiegende Teil der Rotarmistinnen – etwa eine halbe Million Frauen – habe im Sanitätsdienst gearbeitet. Dennoch waren nicht wenige sowjetische Frauen an der Front im Einsatz. Darunter die bis heute weltberühmte Fotojournalistin Olga Alexandrowna Lander. 

„Mitte der 30er Jahre erklärt die Sowjetunion das Ziel der Frauenemanzipation für erreicht. Die ‚Neue Sowjet-Frau‘ wird fortan zu einem der wichtigsten Symbole für die Modernität und Leistungsfähigkeit der UdSSR, sie soll die staatliche Politik nach innen legitimieren. Viele Frauen, vor allem die jüngeren, städtischen, gebildeten Frauen fanden diese Transformation unbestreitbar als Aufbruch.“ Sie befürworteten laut Fieseler mehrheitlich diese Änderungen. 

„Die Liberalisierung der Frauen stieß in der Sowjetunion aber nicht bei allen sowjetischen Frauen auf Gegenliebe“, betonte sie. „Insbesondere Bäuerinnen oder einfache Arbeiterinnen vom Land hatten Angst, dass die Familie als Hort der informellen Macht der Frau an Bedeutung verlieren könnte.“ Dazu kommentierte ihre russische Kollegin Tschertilina: „Der Zweite Weltkrieg war in der Tat ein Katalysator für die Stärkung der Frauenrechte in der Sowjetunion. Wenn auch ein Katalysator in der Not.“

sputniknews


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