Achleitner bleibt bestbezahlter Aufsichtsratschef im Dax

  29 April 2019    Gelesen: 805
Achleitner bleibt bestbezahlter Aufsichtsratschef im Dax

Nach der gescheiterten Fusion mit der Commerzbank steht Paul Achleitner in der Kritik. Als Aufsichtsratschef zahlte ihm die Deutsche Bank laut einer neuen Studie zuletzt doppelt so viel wie andere Chefaufseher im Schnitt verdienten.

Die Deutsche Bank   hat ihrem Aufsichtsratschef Paul Achleitner im vergangenen Jahr eine höhere Entlohnung gezahlt als jedes andere Unternehmen im deutschen Leitindex Dax  . Mit 858.000 Euro liegt der ehemalige Investmentbanker an der Spitze der Rangliste für das Jahr 2018. Im Schnitt verdienten die Chefaufseher laut einer Studie der Vergütungsberatung hkp 424.000 Euro - knapp vier Prozent mehr als im Jahr davor und ein neuer Höchstwert.

Achleitner steht derzeit in der Kritik, weil er sich für die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank stark gemacht hatte. Mit drei Aufsichtsratsposten im Dax (Deutsche Bank, Bayer, Daimler) kommt er insgesamt auf 1,25 Millionen Euro. In Summe verdient Achleitners ehemaliger Allianz-Kollege Michael Diekmann noch besser. Er strich für die Mitgliedschaft in vier Dax-Aufsichtsgremien (Allianz, Siemens, BASF und Fresenius) insgesamt 1,4 Millionen Euro ein.

Der ehemalige Merck-Chef Karl-Ludwig Kley landet mit 1,16 Millionen Euro hinter Achleitner auf dem dritten Platz. Er führt mit Lufthansa und E.on gleich zwei Kontrollgremien und sitzt zusätzlich im Aufsichtsrat von BMW.

Trotz zunehmender Aufgaben liegt die Vergütung der Aufsichtsratschefs weiterhin deutlich unter denen der Vorstandsvorsitzenden der von ihnen kontrollierten Konzerne. Nach hkp-Zahlen kletterte 2018 die durchschnittliche Vergütung der Dax-Vorstandschefs, die das ganze Jahr im Amt waren, um 3,6 Prozent auf 7,5 Millionen Euro.

Hkp-Expertin Regine Siepmann hält die Aufsichtsratschefs in Deutschland für zu schlecht bezahlt. Während die Spitzenverdiener angemessen entlohnt würden, bestehe am Ende der Rangliste Nachholbedarf, sagte sie. Dass die Aufsichtsratschefs im Schnitt 15-mal weniger verdienen als die Dax-Vorstandschefs, passe nicht zur Aufgabenfülle und den gestiegenen Haftungsforderungen. "Die Vergütung sollte so ausgelegt sein, dass sich Vorstandschef und Aufsichtsratschef auf Augenhöhe begegnen." Ein angemessenes Niveau sei es, wenn ein Aufsichtsratschef etwa fünf Mal weniger verdiene als ein Vorstandschef.

Besonders groß war im vergangenen Jahr die Schere bei Beiersdorf. Mit 228.000 Euro erhielt Reinhard Pöllath die geringste Vergütung eines ganzjährig amtierenden Dax-Aufsichtsratschef. Dagegen bekam der ehemalige Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich vor allem dank langfristiger Vergütung 23,4 Millionen Euro - so viel wie kein Dax-Chef jemals zuvor.

spiegel


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