"Berg-Karabach ist ein integraler Bestandteil Aserbaidschans" - Mark Hauptmann, MdB (Exklusives Interview)

  28 Juni 2019    Gelesen: 7262
 "Berg-Karabach ist ein integraler Bestandteil Aserbaidschans" - Mark Hauptmann, MdB (Exklusives Interview)

Berlin - Der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann (CDU) hat dem aserbaidschanischen Nachrichtenportal AzVision am 24. Juni 2019 ein exklusives Interview gegeben.

Mark Hauptmann (* 29. April 1984 in Weimar) ist seit 6 Jahren Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages. Er vertritt den Wahlkreis Südthüringen als direkt gewählter Abgeordneter für die CDU/CSU Bundestagsfraktion. Hauptmann ist Vorsitzender der Jungen Gruppe innerhalb der Unionsfraktion, und in dieser Funktion vor allem zuständig für die Belange der jüngeren Generation. Außerdem engagiert er sich im internationalen Bereich und insbesondere in den deutsch-asiatischen Beziehungen, unter anderem als Berichterstatter für Außenwirtschaft, sowie als Vorsitzender der Deutsch-Belarussischen Parlamentariergruppe.

1) Sie haben im letzten Jahr den 1. Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsdialog in Berlin ins Leben gerufen. Wie wichtig sind die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur Republik Aserbaidschan?

Mark Hauptmann: Zuallererst ist natürlich Deutschland ein exportorientiertes Land, ein Land das nach Außen blickt, da der Wohlstand in Deutschland im Ausland mit erwirtschaftet wird, insbesondere durch die vielen Firmen, die im Ausland tätig sind. Innerhalb der Region Kaukasus ist Aserbaidschan ein ganz wesentlicher Partner für uns. Wir erwirtschaften ungefähr Zweidrittel unseres Handelsvolumens im Kaukasus mit Aserbaidschan. Das restliche Drittel entfällt zusammen auf Georgien und Armenien. Wir wollen die Wirtschaft in Aserbaidschan unterstützen, durch Investitionen, aber auch als Produktionsstandort für deutsche Firmen. Wir wollen eine Brücke zwischen beiden Ländern bauen und schauen, wie wir den wirtschaftlichen Austausch, auch diversifiziert von Öl und Gas, in anderen Bereichen noch vertiefen können.

2) Einer der Teilnehmer des von China unterstützten Projekts "The Belt and Road Initiative (BRI)" ist Aserbaidschan. Aber wie stehen die europäischen Kreise zu Pekings Initiative?

Mark Hauptmann: Die „Belt and Road Initiative“ oder Projekt Seidenstraße, wie es in China heißt, ist ein chinesisch angelegter Plan, die Welt mit China zu verknüpfen und alte Handelswege im 21. Jahrhundert neu zu beleben. Das Ganze soll auf dem See- und auf dem Landweg erfolgen. Der Endpunkt der neuen Seidenstraße ist der Duisburger Hafen in Deutschland. Das Projekt bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten für alle Länder, die zwischen China und Deutschland liegen, beispielsweise als Transport- und Logistik-Standort, aber auch als Standort für Handel und Investitionen. Von daher ist es gut sich die Chancen, die sich aus der „Belt and Road Initiative“ ergeben, anzuschauen, zu schauen wie kann man sich einbringen und partizipieren und auch als Umschlagplatz für Waren fungieren. Deshalb ist die neue Seidenstraße für Aserbaidschan interessant. Zudem ist es auch für die 150 deutschen Firmen in Aserbaidschan als Partner interessant.

3) Welche Rolle wird das Projekt "Südlicher Gaskorridor" bei der Gewährleistung der Energiesicherheit in Europa spielen?

Mark Hauptmann: Der Südliche Gaskorridor ist ein ganz wesentliches Projekt für Europa und Deutschland. Wir sind im Bereich des Gashandels sehr stark mit Russland verbunden. Hier gibt es eine langjährige Tradition, die bereits mit der Sowjetunion existiert hat. Die Pipelines Nord Stream 1- und Nord Stream 2 durch die Ostsee befinden sich im Bau. Die Überlegung Europas ist jetzt im Zuge dieser Abhängigkeit von russischem Gas, die Gaslieferungen zu diversifizieren. Hier ist der Südliche Gaskorridor, also Gas aus dem Kaspischen Meer über Aserbaidschan, Georgien und die Türkei nach Europa, eine ganz wesentliche Brücke. Aber eben auch ein wichtiges Verbindungsstück, um Gas aus dem Kaspischen Meer nach Europa zu führen und einen Mix mit Gas anderen Bereichen, beispielsweise LNG-Gas aus Übersee herzustellen.

4) Die Berg-Karabach-Region ist nach internationalem Recht als Territorium Aserbaidschans anerkannt. Aber mit sieben umliegenden Regionen ist es seit 26 Jahren von Armenien besetzt. Wie bewerten sie den Konflikt?

Mark Hauptmann: Es kann einem leidtun, dass der Berg-Karabach-Konflikt bis heute, nach so vielen Jahren, noch nicht friedlich gelöst werden konnte. Eine friedliche Lösung würde dazu beitragen hat, dass einerseits Frieden und Stabilität in der Region herrscht und  man andererseits die völkerrechtliche Situation von Aserbaidschan berücksichtigt, denn völkerrechtlich ist die Lage um in der Region Berg-Karabach unumstritten. Es gibt mehrere Aufforderungen der Vereinten Nationen, das Gebiet an Aserbaidschan zurückzugeben. Es ist ein integraler Bestandteil Aserbaidschans. Unser Interesse, das wir auch im Minsk-Prozess über die OSZE unterstützen ist, dass es einen friedlichen Prozess gibt, dass es keine Toten oder Verletzten mehr im einem gegenseitigen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan gibt und dass man eine Lösung dafür findet, dass Berg-Karabach in Zukunft wieder, Aserbaidschan zugehörig, ein Anlaufpunkt sein kann für die vielen Menschen, die aus der Region vertrieben wurden.

5) Sie haben Aserbaidschan bereits mehrmals besucht. Wie würden Sie das Land für einen deutschen Touristen, der noch nie dort war, kurz beschreiben?

Mark Hauptmann: Ich glaube, erstens ist Aserbaidschan ein Land im Aufbruch. Aserbaidschan ist ein Land, das die Verbindung zum Ausland sucht, zum Beispiel über den Tourismus, aber auch indem es Veranstaltungen internationaler Art organisiert, ob das die Formel 1 ist oder der Eurovision Song Contest. Man sucht aktiv den Austausch, man lädt in das Land ein. Baku hat sich in den letzten dreißig Jahren enorm verändert. Es gibt unglaublich viel zu sehen. Es hat sich vieles an der baulichen Substanz der Stadt verändert. Zudem macht man sich auch über die Diversifizierung der Wirtschaft Gedanken - weg vom reinem Öl- und Gasgeschäft, über erneuerbare Energien, eine Diversifizierung der Wirtschaft, die auch internationale Kontakte sucht, und die  uns seine einladende Hand ausstreckt, um zu investieren und sich das Land anzuschauen und nach Möglichkeiten zu schauen, wie man in Aserbaidschan vor Ort produzieren kann. Insofern kann ich nur empfehlen sich das Land anzuschauen, egal ob unter einem wirtschaftlichem Gesichtspunkt oder als Tourist, denn dass das im Kaukasus gelegene Aserbaidschan sehr schön ist, das ist wohl unumstritten.

Zaur Bandaliyev


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