Bislang unbekanntes Amri-Video vom Tatort wirft Fragen auf

  23 Auqust 2019    Gelesen: 381
Bislang unbekanntes Amri-Video vom Tatort wirft Fragen auf

Bereits im März 2018 wollte der Amri-Untersuchungsausschuss ein Video vom Tatort des Weihnachtsmarkt-Anschlags in Berlin einsehen. Doch erst jetzt liegen die Aufnahmen vor. Ausschussmitglied Konstantin von Notz übt Kritik.

Es sind verwackelte Bilder, Sekunden nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz entstanden. Aufnahmen direkt von dem Tatort eines Terroranschlags, doch der dafür zuständige Untersuchungsausschuss hat sie erst jetzt zu sehen bekommen.

Das berichten exklusiv der Sender RBBund sein Politikmagazin „Kontraste“, denen die Aufnahmen vorliegen. Das 34 Sekunden dauernde Video in schlechter Aufnahmequalität wurde bereits im März 2018 vom Untersuchungsausschuss angefordert, so wie andere Beweismittel auch. Doch erst seit Anfang August dieses Jahres haben die Abgeordneten die Möglichkeit, dieses und weitere Videos einzusehen.

Das bestätigte den Sendern unter anderem der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Amri-Untersuchungsausschusses. Er kritisiert in dem Zusammenhang denn auch ausdrücklich die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden mit dem Bundestagsuntersuchungsausschuss.

„Dass das erst jetzt kommt, irritiert maximal“

Im Interview erklärt von Notz: „Wir haben die Videos und anderes Beweismaterial bereits vor langer Zeit eingefordert. Dass das erst jetzt kommt, irritiert maximal.“

Die Aufnahmen stammen von einem Handy und zeigen den Tatort am 19. Dezember 2016, kurz nachdem der Lkw zum Stillstand gekommen und Anis Amri geflohen ist. Aufgenommen wurden sie offenbar vom gegenüberliegenden Bikini-Haus, einem Einkaufszentrum. Der RBB hat sie im Internet auf Twitter veröffentlicht. Den Sicherheitsbehörden ist es bereits seit Dezember 2016 bekannt. Zu sehen sind sowohl Personen, die sich im unmittelbaren Umfeld des Lkw befinden, als auch weitere Personen, die sich schnellen Schrittes Richtung Bahnhof Zoologischer Garten bewegen.

Das Bundeskriminalamt hat bislang von einer technischen Aufbereitung der Aufnahmen abgesehen, wie die Bundesanwaltschaft dem RBB auf Anfrage mitteilte. Die Aufnahmequalität sei zu schlecht, bedingt „durch die schwachen Lichtverhältnisse zum Zeitpunkt“, und eine wie auch immer geartete „Verbesserung oder Aufbereitung“ nicht möglich. Auch hätten sich aus den Aufnahmen „keine wesentlichen verfahrensrelevanten Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze ergeben“.


Von Notz fordert derweil eine kriminaltechnische Aufarbeitung der vorliegenden Aufnahmen. „Wir haben den Eindruck, dass man vonseiten der Ermittlungsbehörden versucht, so wenig Steine wie möglich umzudrehen, weil man Sorge hat, was man darunter finden kann“, wird er zitiert.

Quelle : welt.de


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