USA zogen offenbar Topspion aus Russland ab

  10 September 2019    Gelesen: 500
 USA zogen offenbar Topspion aus Russland ab

Ein US-Geheimdienst hat Berichten zufolge vor zwei Jahren einen Topinformanten aus russischen Regierungskreisen abgezogen. Mögliche Gründe: eine drohende Enttarnung - und Donald Trumps Umgang mit heiklen Informationen.

Als sich Donald Trump im Mai 2017 im Oval Office mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow traf, wurde dieser Termin sehr genau beobachtet. Noch aufmerksamer wurde registriert, dass der US-Präsident wenige Tage später einräumte, geheime Informationen an den Gast aus Russland weitergegeben zu haben. Dazu habe er jedes Recht, polterte Trump damals auf Twitter.

In den US-Geheimdiensten lösten diese Vorgänge laut einem Bericht des Senders CNN hektische Betriebsamkeit aus. Die bange Frage: Was könnte der Präsident noch alles weitererzählen? Laut CNN-Quellen, die nach Angaben des Senders direkt mit den Entscheidungen befasst waren, beschloss man kurz nach dem Lawrow-Termin, einen Top-US-Spion aus Russland abzuziehen.

Auch die "New York Times" ("NYT") berichtet umfangreich über den Fall. Allerdings stellt die Zeitung den Grund für den Abzug etwas anders dar. Demnach hätte die CIA bereits Ende 2016, also vor dem Lawrow-Treffen, erwogen, ihre Quelle außer Landes zu bringen. Grund waren demnach immer mehr Spekulationen der US-Medien, warum die Geheimdienste derart detailreich über die russische Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 Bescheid wussten. Solche Details, so der Schluss, könnten nur Quellen liefern, die sehr nah am Kreml sind. Mit Blick auf diese Berichte wuchs bei den Entscheidern der Geheimdienste offenbar die Sorge, dass die Quelle enttarnt werden könnte.

Sowohl CNN als auch "NYT" berichten, dass sich der Spion auf einem relativ hohen Level im russischen Regierungsapparat befunden habe - wenn auch nicht im engsten Kreis des Präsidenten. Laut "NYT" lieferte die Person über Jahrzehnte Informationen, die mit ihrer fortschreitenden politischen Karriere immer wertvoller geworden seien.

Schließlich wollten die Verantwortlichen in den USA aber offenbar nicht mehr für die Sicherheit der Quelle garantieren. In einer geheimen Mission sei er oder sie außer Landes gebracht worden. Offenbar hatte der Informant eine Ausreise zunächst abgelehnt - aus familiären Gründen. So schreibt es die "NYT". Bei den Diensten habe dies die Sorge geweckt, dass man es hier möglicherweise mit einem Doppelagenten zu tun habe. Letztlich sei die Person aber doch ausgereist. Identität und derzeitiger Aufenthaltsort des Spions werden demnach weiter geheim gehalten. Der Präsident sei über den Abzugsplan informiert gewesen, so CNN.

"So jemanden zu verlieren, ist eine große Sache"

CNN beruft sich in seiner Enthüllung auf fünf namentlich nicht genannte Quellen, die in der Trump-Regierung, dem US-Kongress und den Geheimdiensten tätig sein oder gewesen sein sollen. Das Weiße Haus und die CIA haben der Darstellung des US-Senders widersprochen. Die "New York Times" nennt ebenfalls keine Namen, erwähnt aber als Quelle umfangreiche Gespräche mit aktiven oder ehemaligen hochrangigen Regierungsvertretern.

Für die Geheimdienste dürfte der Verlust der Quelle einen erheblichen Rückschritt bedeutet haben. Diese Einschätzung vertritt auch John Sipher, der 28 Jahre lang auf hohem Level in der CIA gearbeitet hat.

Auf Twitter schreibt er: "Eine Quelle an einer Schlüsselposition anzuwerben, ist extrem schwierig. So was kann nur einmal in einer Generation passieren, wenn überhaupt. Ihn oder sie zu schützen, bedeutet eine große Herausforderung. Und so jemanden zu verlieren, ist eine große Sache."

Quelle : spiegel.de


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