Deutschland droht "akute Rezessionsgefahr"

  12 September 2019    Gelesen: 535
  Deutschland droht "akute Rezessionsgefahr"

Die deutsche Industrieproduktion strauchelt. Wie ein "Ölfleck" breite sich diese Schwäche auf andere Wirtschaftszweige aus, prognostiziert das Ifo-Institut. Auch andere Experten sehen ein sehr hohes Rezessionsrisiko. Das liegt nicht zuletzt am Brexit und an Handelsstreits.

Zwei Wirtschaftsinstitute haben vor einer Rezession in Deutschland gewarnt und auf die derzeit schwache Industrieproduktion verwiesen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte seinen aktuellen Konjunkturindikator, der ein Rezessionsrisiko von 59,4 Prozent aufwies. Im August waren es hingegen nur 43 Prozent. Das sei der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/2013. Es bestehe eine "akute Rezessionsgefahr".

Indikatoren für dieses Szenario seien rückläufige Zahlen für Produktion und Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt und eine "gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft", erklärte das Institut. Grund dafür sind demnach vor allem die außenwirtschaftlichen Risiken, also vor allem ein drohender harter Brexit und Handelsstreitigkeiten. Außerdem gebe es strukturelle Schwächen in einigen Branchen, etwa der Automobilindustrie. Gefragt sei daher die Wirtschaftspolitik in Deutschland. Außerdem erhöhe sich der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Geldpolitik weiter zu lockern.

Schwache Industrie schade anderen Wirtschafszweigen

Auch das Münchner Ifo-Institut geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 0,1 Prozent schrumpft - zusammen mit dem Minus von ebenfalls 0,1 Prozent im zweiten Quartal wäre das eine technische Rezession. Wegen des Wachstums zum Jahresbeginn und einer erwarteten Erholung am Jahresende rechnet das Ifo unter dem Strich für 2019 trotzdem mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Zuvor waren die Forscher allerdings noch von 0,6 Prozent ausgegangen.

"Die Schwäche in der Industrie breitet sich wie ein Ölfleck nach und nach in andere Wirtschaftszweige aus", warnte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Konjunkturschwäche habe zudem mittlerweile "ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen". Die Arbeitslosigkeit steige bereits den vierten Monat in Folge und immer mehr Unternehmen meldeten Kurzarbeit an.

Am Mittwoch hatte bereits das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erklärt, dass es von August bis Ende September eine Rezession erwartet. Das IfW geht sogar von einem Minus von 0,3 Prozent im dritten Quartal aus.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP


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