Kiew nimmt Trump in Schutz

  22 September 2019    Gelesen: 424
Kiew nimmt Trump in Schutz

Joe Biden könnte bei der nächsten Präsidentschaftswahl Donald Trumps Gegenkandidat werden. Dieser soll schon im Vorfeld versucht haben, Material für eine Schlammschlacht zu sammeln und dafür auch beim Staatschef der Ukraine nachgefragt haben. Nun kommen beschwichtigende Botschaften aus Kiew.

Nach dem Vorwurf gegen US-Präsident Donald Trump, dieser habe vom ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj kompromittierende Informationen über den Sohn des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden verlangt, hat Kiew versucht zu beruhigen. Der ukrainische Außenminister Wadim Pristaiko versicherte in einem am Freitagabend aufgezeichneten Fernsehinterview, bei dem fraglichen Telefonat zwischen den beiden Staatschefs habe es sich um ein "langes und freundschaftliches Gespräch" gehandelt.

"Ich weiß, worüber sie gesprochen haben, und ich denke, dass es keinen Druck gab", sagte Pristaiko dem ukrainischen Sender Hromadske. Es sei um "viele Fragen" gegangen, "auf die in bestimmten Fällen sehr ernste Antworten gegeben werden mussten". Die Forderung nach der Veröffentlichung des Gesprächsprotokolls wies der ukrainische Chefdiplomat zurück. Die Ukraine habe als unabhängiges Land das Recht, Staatsgeheimnisse zu bewahren, hob er hervor.

US-Medien hatten berichtet, Trump habe am 25. Juli mit dem ukrainischen Präsidenten telefoniert und diesen aufgefordert, kompromittierende Informationen über Bidens Sohn Hunter zusammenzutragen. Joe Biden, der im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten Favorit ist, forderte daraufhin, den Wortlaut des brisanten Gesprächs umgehend zu veröffentlichen.

"Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann kennt die Bereitschaft von Präsident Trump, seine Macht zu missbrauchen und unser Land zu demütigen, keine Grenzen", erklärte Biden am Freitag. Der ehemalige US-Vizepräsident sprach von "klarer Korruption". Das Mindeste sei es, dass Trump "sofort die Mitschrift des betreffenden Anrufs veröffentlicht, damit das amerikanische Volk selbst urteilen kann".

Militärhilfe an Ukraine ausgezahlt


Trump wehrt sich vehement gegen den Verdacht, im Gespräch mit einem ausländischen Staatenlenker ein unangemessenes und geheim gehaltenes "Versprechen" gegeben zu haben. Er nannte den Verdacht, der laut "Washington Post" von einem Geheimdienstmitarbeiter geäußert wurde, "lächerlich". Die Unterhaltung mit dem ausländischen Politiker, um die es gehe, sei nicht "heikel", sondern "völlig angemessen gewesen".

Das "Wall Street Journal" berichtete, Trump habe in dem betreffenden Telefonat "etwa acht Mal" versucht, Selenskyj auf die Aktivitäten von Hunter Biden anzusetzen. Dieser hatte  während Bidens Amtszeit als US-Vizepräsident seit 2014 für eine ukrainische Gasfirma gearbeitet. Zu diesem Zweck habe Trump Selenskyj aufgefordert, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zusammenzuarbeiten. In dem Gasunternehmen soll es Fälle von Korruption gegeben haben, Hunter Biden wurden aber nie persönlich Vorwürfe gemacht.

Die Kontroverse um das Telefonat wurde befeuert von der Tatsache, dass Washington Ende Juli Militärhilfe in Höhe von 250 Millionen Dollar für die Ukraine zurückhielt. Dieses Geld wurde vergangene Woche schließlich vom Weißen Haus freigegeben. Trump und Selenskyj sollen sich am Mittwoch am Rande der UN-Generaldebatte in New York treffen.


Quelle: n-tv.de


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