Polizei geht mit Razzien gegen Neonazis vor

  09 Oktober 2019    Gelesen: 751
  Polizei geht mit Razzien gegen Neonazis vor

Unbekannte bedrohen Moscheen und Parteizentralen mit Sprengstoffanschlägen. Die E-Mails sind mit den Namen einschlägig bekannter Neonazi-Gruppierungen unterschrieben. Bei Razzien in vier Bundesländern werden sechs Menschen vorläufig festgenommen.

Bei den Durchsuchungen in vier Bundesländern wegen rechtsextremer Drohschreiben gibt es insgesamt sieben Beschuldigte. Sechs Menschen seien vorläufig festgenommen worden, teilte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann mit. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen seien die sechs Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der siebte Beschuldigte sei bislang noch nicht angetroffen worden.

In mehreren Bundesländern waren Einsatzkräfte zu Razzien gegen Rechtsextremisten ausgerückt. Insgesamt sieben Objekte wurden seit dem Morgen in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern durchsucht, wie die Generalstaatsanwaltschaft München und das bayerische Landeskriminalamt mitteilten. In Bayern erfolgten drei Durchsuchungen: jeweils eine in Oberbayern, Niederbayern und Oberfranken. In Baden-Württemberg fanden die Aktionen in zwei Objekten statt, in Sachsen-Anhalt und Thüringen gab es jeweils eine Durchsuchung. Nähere Angaben zu den durchsuchten Objekten machten die Behörden zunächst nicht.

Anlass für die Durchsuchungen sind Ermittlungen der Behörden und der bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus gegen die mutmaßlichen Urheber von insgesamt 23 Drohschreiben, die zwischen dem 8. Juli und dem 23. Juli bundesweit an verschiedene Institutionen verschickt wurden. Davon betroffen waren unter anderem Ankerzentren in Bayern, islamische Zentren, Moscheen, Parteizentralen und Presse- und Medienagenturen.

SEK an Razzien beteiligt

Die Verfasser drohten mit Sprengstoffanschlägen auf diese Einrichtungen. Unterschrieben waren die Schreiben mit "Volksfront", "Combat 18" oder "Blood and Honour (trotz Verbot sind wir nicht tot)". Weitere Angaben zu den Razzien wurden zunächst nicht gemacht. Das Neonazi-Netzwerk "Blood & Honour" (Blut und Ehre) ist verboten. Die gewaltbereite rechtsextreme Organisation "Combat 18" gilt als bewaffneter Arm von "Blood and Honour" und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv.

"Combat" steht im Englischen für Kampf. "18" gilt als Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H - die Initialen von Adolf Hitler. Die "Volksfront" ist eine ursprünglich aus den USA stammende rechtsextreme Organisation. Offiziell hatte sie sich 2012 aufgelöst.

Beteiligt seien an den Durchsuchungen rund 120 Beamte, sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts. In Bayern gebe es drei Durchsuchungen: jeweils eine in Oberbayern, Niederbayern und Oberfranken. Die Ermittler werden von Spezialeinsatzkräften und der örtlichen Polizei unterstützt. Neben der Generalstaatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt in Bayern ist auch die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) an den Ermittlungen beteiligt.


Quelle: n-tv.de


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