Zehn Menschen sterben bei Protesten in Chile

  21 Oktober 2019    Gelesen: 1010
  Zehn Menschen sterben bei Protesten in Chile

Die gewaltsamen Unruhen in Chile spitzen sich immer weiter zu: Die Zahl der Todesopfer steigt, Demonstranten stecken Gebäude in Brand und plündern Supermärkte. Präsident Piñera verlängert den Ausnahmezustand. Sein Land stehe "einem unversöhnlichen Feind" gegenüber.

Bei den anhaltenden Unruhen in ganz Chile sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Fünf Leichen wurden am Sonntag in einer geplünderten und in Brand gesetzten Kleiderfabrik in Santiago de Chile geborgen, teilt die Feuerwehr mit. Am Sonntagmorgen waren in zwei Supermärkten der Hauptstadt zwei Frauen und ein Mann ebenfalls bei Bränden nach Plünderungen umgekommen. Zwei weitere Tote wurden in der ausgebrannten Halle einer Baumarktkette im Süden Santiagos aufgefunden, teilte Bürgermeisterin Karla Rubilar mit.

Die Regierung hat daraufhin den Ausnahmezustand ausgeweitet. Der zunächst für die Hauptstadt Santiago de Chile geltende Notstand wird auch in mehreren Städte im Norden und Süden des Landes verhängt, wie Innenminister Andrés Chadwick sagte. Die Gewalteskalation werde organisiert, um Chile zu schaden. In der chilenischen Hauptstadt hielten nach Beginn der Ausgangssperre die Kundgebungen an. Am Flughafen Santiago fielen hunderte Flüge aus.

"Wir befinden uns im Krieg gegen einen mächtigen, unversöhnlichen Feind", sagte Präsident Piñera. Der Gegner sei bereit, grenzenlos Gewalt und Kriminalität einzusetzen. Alle Chilenen müssten sich jetzt zusammenschließen.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief Chile-Reisende zu besonderer Vorsicht auf. Weitere Ausschreitungen in größeren Städten seien nicht auszuschließen. Reisende sollten deswegen öffentliche Plätze und Menschenansammlungen meiden, den Anweisungen der örtlichen Sicherheitskräfte folgen und sich in lokalen Medien informieren, erklärte das Ministerium.

Plünderung in 60 Supermärkten


Rund 9400 Soldaten waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Einsatz. Am Sonntag wurden 17 Polizisten verletzt. Insgesamt  sind während der Protestwelle nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1554 Menschen festgenommen worden. Über 60 Supermärkte wurden in verschiedenen Städten geplündert und mindestens sechs in Brand gesetzt. Es ist das erste Mal seit dem Ende der Diktatur unter General Augusto Pinochet 1990, dass in der chilenischen Hauptstadt das Militär patrouilliert.

Die gewaltsamen Proteste waren nach einer Fahrpreiserhöhung der U-Bahn in Santiago ausgebrochen und weiteten sich rasch über das ganze Land aus. Die landesweite Erhöhung der Stromtarife um durchschnittlich zehn Prozent heizte ebenfalls den Unmut an. Chiles Präsident Sebastián Piñera rief am Freitagabend den Ausnahmezustand aus. Tags darauf machte er die Tariferhöhung der U-Bahn rückgängig.


Quelle: n-tv.de


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