Duesmann soll Audi-Krise beenden

  17 November 2019    Gelesen: 760
Duesmann soll Audi-Krise beenden

Die Erwartungen an den Neuen sind riesig, weil die Probleme beim Autobauer Audi gewaltig sind. Ex-BMW-Manager Duesmann soll die VW-Tochter mit den vier Ringen wieder in die Spur bringen. Absatz und Werksauslastung sind eher mau. Die Konkurrenz ist davongezogen.

Der ehemalige BMW-Manager Markus Duesmann wird neuer Audi-Chef. Der 50-Jährige werde den erst zu Jahresbeginn berufenen Vorstandsvorsitzenden Bram Schot im kommenden April ablösen, teilten VW und Audi nach einer Aufsichtsratssitzung mit. VW-Konzernchef Herbert Diess, der auch den Audi-Aufsichtsrat leitet, hatte seinen ehemaligen Mitarbeiter Duesmann zwar schon im Juli 2018 - kurz nach der Verhaftung des damaligen Audi-Chefs Rupert Stadler - aus dem BMW-Vorstand abgeworben. Die Münchner gaben ihn aber erst jetzt aus seinem Vertrag frei. Schot hatte Audi zunächst kommissarisch geführt und war im Januar dieses Jahres zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden. 


Der VW-Konzernchef lobte Duesmann als "exzellenten Ingenieur" und dankte Schot: "Er hat die Führung der Audi AG in einer schwierigen Zeit übernommen, die Geschäfte sehr erfolgreich geleitet und wichtige Veränderungen angestoßen." Der Audi-Gesamtbetriebsratschef und Vize-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Mosch sagte: "Von Markus Duesmann und seinem Vorstandsteam erwarten wir eine stabile Auslastung der Werke und mehr Mut zu Vorsprung durch Technik."

Maschinenbau-Ingenieur Duesmann kommt aus dem Münsterland, hatte seine Karriere bei Mercedes-Benz gestartet und war ins Formel-1-Team von BMW gewechselt. Als Leiter der BMW-Motorenentwicklung arbeitete er mit Diess zusammen, der bis 2014 BMW-Entwicklungsvorstand gewesen war. Duesmann, der auch als Experte für Fahrerassistenzsysteme gilt, war 2016 in den BMW-Vorstand berufen worden und sorgte als Einkaufschef für Schlagzeilen mit einem Milliardenvertrag mit dem größten chinesischen Batteriezellenbauer CATL, der nun ein Werk in Thüringen baut.

Hilferuf an Merkel

Bei Audi warten enorme Aufgaben auf ihn. Die VW-Tochter ist seit der Aufdeckung des Dieselskandals 2015 auf Talfahrt und deutlich hinter die Konkurrenten Daimler und BMW zurückgefallen. Der Skandal kostete Milliarden und band Kapazitäten. Sechs Entwicklungschefs hatte Audi in den vergangenen sieben Jahren, die Autos verkaufen sich immer schlechter. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm sind wenig ausgelastet, Verhandlungen über Stellenabbau laufen. Duesmann soll Audi wieder profitabler machen, enger mit Porsche und VW zusammenarbeiten und bis 2025 auch 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen.

Die Stimmung in Ingolstadt selbst verdeutlicht ein Brief von CSU-Oberbürgermeister Christian Lösel sowie den Betriebsratsvorsitzenden von Audi und Airbus auf Initiative der IG Metall an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie fordern unter anderem Investitionen, um Arbeitsplätze in der Region zu halten.

Der VW-Aufsichtsrat beschloss am Freitag auch, Duesmann zum neuen Mitglied des Konzernvorstands zu bestellen. Zu seinen Aufgaben sollen die Verantwortung für Konzernforschung und -entwicklung gehören, die aktuell beim Vorstandsvorsitzenden liegt. Im Gegenzug werde die Zuständigkeit für den Konzernvertrieb zu Diess wechseln.

Derweil ist offen, ob und wann der frühere Audi-Chef Stadler vor Gericht kommt. Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage wegen Betrugs durch den Verkauf von Autos mit unzulässiger Abgasreinigung erhoben, erwartet die Entscheidung des Landgerichts aber erst nächstes Jahr.


Quelle: n-tv.de


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