Experten sehen E-Scooter als Ärgernis: „Rücksichtlos, viele Unfälle und kaum Nutzen“

  29 Januar 2020    Gelesen: 375
Experten sehen E-Scooter als Ärgernis: „Rücksichtlos, viele Unfälle und kaum Nutzen“

Experten von Verkehrs-Verbänden wie dem „ADAC“ kritisieren aktuell E-Scooter. Die Elektro-Roller würden im Straßenverkehr „nicht zur Mobilitätswende beitragen“, „kaum Staus vermeiden“ und zu „vielen Unfällen“ führen. Außerdem besagen aktuelle Studien, dass E-Scooter-Nutzer „sehr rücksichtlos“ fahren.“ US-Unternehmen kauft Berliner E-Scooter-Firma.

„E-Scooter sind Tretroller mit einem Elektroantrieb: Wendig, klein und dank eines Klappmechanismus leicht zu transportieren“, heißt es in einer aktuellen Studie des „Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs“ (ADAC). „Mit der ‚Verordnung für Elektro-Kleinstfahrzeuge‘ gibt es nun eine gesetzliche Grundlage für die Verwendung dieser Elektroroller. Diese Verordnung gilt für Fahrzeuge mit Lenk- oder Haltestange, mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h und einer Straßenzulassung/Betriebserlaubnis.“

Doch: Viele Medien zitieren aktuell Verkehrs-Experten. Diese kritisieren viele Fahrer der E-Scooter, die sich in Deutschland nicht an die Verkehrsregeln halten würden. Viele E-Roller seien gar eine „gefährliche Unfallquelle“ im Straßenverkehr. „Rücksichtslose Fahrer, missachtete Verkehrsregeln, achtlos abgestellte Fahrzeuge, viele Unfälle, schwere Verletzungen – und kaum Nutzen für die Mobilitätsentlastung: Experten sehen E-Scooter zunehmend kritisch.“ Das berichtete die „Tagesschau“ am Mittwoch.

„Verkehrsregeln werden missachtet“

Auch der „Deutsche Verkehrssicherheitsrat“ mit Sitz in Bonn und Berlin bemängelt in einer aktuellen Stellungnahme, dass viele E-Scooter-Fahrer „die Straßenverkehrsordnung und weitere Regeln im Straßenverkehr missachten“ würden. „Sie fahren unerlaubt auf Gehwegen oder verursachen Unfälle durch Unachtsamkeit, Ablenkung, mangelndes Fahrkönnen oder gar Trunkenheit.“

Der ADAC beklagt weiterhin, „dass E-Scooter durch Fußgängerzonen rasen und sich durch penetrantes Klingeln freie Fahrt verschaffen“. Aus einer ADAC-Studie aus Herbst 2019 geht hervor, dass „ein Viertel von 4000 beobachteten Nutzern gegen die Straßenverkehrsordnung verstießen.“ Die Roller würden aufgrund ihrer Bauweise außerdem zu „Unfällen neigen“. Und: „Sie produzieren zusätzlichen Verkehr“. Dies widerspreche der allgemeinen Annahme, die Elektro-Roller würden Staus angeblich vermeiden helfen. Allerdings wird auch gesagt: „Wenn E-Scooter genutzt werden, um den Weg zum Wohnort zur Haltestelle des Öffentlichen Personennahverkehrs zu überbrücken, machen sie den ÖPNV attraktiver.“

Weitere Verkehrs-Verbände monieren, so die „ARD“, dass „E-Scooter keineswegs einen echten Beitrag zur Verkehrswende leisten, weil sie in Städten meist von Touristen genutzt würden, die ansonsten zu Fuß unterwegs wären.“ Auch viele in den Städten auf Gehwegen achtlos herumliegende E-Scooter seien für viele Menschen ein Ärgernis.

Alkohol auf Roller: „Ab 1,1 Promille ist es eine Straftat“

Zudem gebe es alkoholisierte E-Scooter-Fahrer zu beobachten. Dies sei ein häufiges Problem.

„Für Elektroroller-Fahrer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer“, so der ADAC. „Das heißt: Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und erhält einen Bußgeldbescheid: In aller Regel sind das 500 Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Eine Straftat liegt dann vor, wenn der Fahrer trotz einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,1 Promille mit dem E-Scooter unterwegs ist. Von einer Straftat kann aber auch schon ab 0,3 Promille die Rede sein, wenn der Fahrer alkoholbedingte Ausfallerscheinungen zeigt.“

US-Unternehmen übernimmt Berliner E-Scooter-Anbieter

Wie am Dienstag bekannt wurde, will der US-Branchenpionier im E-Scooter-Geschäft, „Bird“, jetzt groß in die deutsche und europäische Elektro-Roller-Branche einsteigen. „Bird kauft die Berliner Firma Circ, die aktuell in 43 Städten in zwölf Ländern aktiv ist“, berichtete „T-Online“. „Einen Preis nannten die Amerikaner am Montag in ihrer Mitteilung nicht.“

In Deutschland und Europa seien auch kleinere E-Scooter-Anbieter am Markt, so der Beitrag. „In der Branche selbst wurde schon länger mit einer Konzentration gerechnet. Circ-Manager hatten sich beim Deutschland-Start im Sommer noch überzeugt gezeigt, gegen die großen US-Rivalen wie ‚Bird‘ und ‚Lime‘ bestehen zu können.“ Doch nun sei es anders gekommen. „Bird“ wolle so in Europa zum Konkurrenten „Lime“ aufschließen, der in Deutschland „einen besseren Start“ erwischt habe, hieß es unter Berufung auf Brancheninsider.

Beide Firmen setzen zudem künftig „auf E-Tretroller aus eigener Entwicklung, die robuster und langlebiger sein sollen. Ein Problem der Branche in der Anfangszeit war die kurze Lebenszeit der Fahrzeuge, die die Kosten in die Höhe trieb.“ Auch an länger haltenden Akkus werde geforscht.

„E-Scooter bringen keine erhoffte Mobilitätswende“

„Als 2018 die ersten Elektro-Roller auftauchten, wurden sie als moderne urbane Mobilität und Hoffnung für die Verkehrswende angesehen“, meldete die Nachrichtenagentur DPA am Mittwoch. „Das Bild hat sich gewandelt. Vielen gelten die in Deutschland seit Juni 2019 offiziell zugelassenen E-Scooter inzwischen als Problem. Deshalb sind die E-Scooter beim Verkehrsgerichtstag in Goslar (läuft noch bis Freitag, Anm. d. Red.) ein zentrales Thema.“

Zudem benötige man für das Fahren der E-Scooter keinen Führerschein. „Der Fahrer benötigt weder eine Mofa-Prüfbescheinigung, noch einen Führerschein“, so der ADAC. „Das Mindestalter für das Fahren mit einem Elektro-Tretroller liegt bei 14 Jahren. Eine Helmpflicht besteht für Elektro-Tretroller nicht. Es ist aber empfehlenswert, sich mit einem Helm zu schützen.“

sputniknews


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