Südkorea meldet sprunghaften Anstieg von Coronavirus-Fällen

  21 Februar 2020    Gelesen: 561
Südkorea meldet sprunghaften Anstieg von Coronavirus-Fällen

In China starben weitere 118 Menschen – und auch in Südkorea verschärft sich die Krise um das Coronavirus: Die Regierung erklärte eine Millionenstadt zur Sonderzone und sprach von einer "Notfall-Phase".

Daegu liegt im Südosten von Südkorea, etwa 2.5 Millionen Menschen leben dort. Inzwischen hat sich die Stadt zum Zentrum der Coronavirus-Krise in Südkorea entwickelt. Wie die Regierung in Seoul am Freitag mitteilte, stieg die Zahl der registrierten Neuinfektionen zuletzt sprunghaft um 52 auf 156. Südkorea ist damit der am stärksten von der Epidemie betroffene Staat außerhalb Chinas. Allein 41 dieser neuen Ansteckungen entfallen auf Daegu und Umgebung. In der Stadt hatte es auch den ersten Toten durch die aus dem Virus entstehende Lungenkrankheit (Covid 19) gegeben.

Als Reaktion erklärte Seoul die Stadt nun zur "Sondermanagement-Zone". Es sei zu befürchten, dass das Virus das Gesundheitssystem in der Region an seine Grenzen bringen könnte, hieß es weiter. Laut den Behörden wurde ein großer Teil der neuen Fälle in Daegu bei Mitgliedern der Shincheonji Church of Jesus festgstellt. Die Verbreitung des Virus in der Sekte ging nach Angaben der Behörden von einer 61-jährigen Anhängerin der Religionsgemeinschaft aus, die Virustests zunächst verweigert hatte und weiter zu Gottesdiensten gegangen war. Die Shincheonji-Gemeinschaft hat wegen des Virus landesweit ihre Einrichtungen geschlossen.

Premierminister Chung Se-kyun erklärte: "Einen Monat nach dem Ausbruch sind wir nun in einer Notfall-Phase." Bisher habe man sich bemüht, das Virus aus dem Land herauszuhalten, so der Politiker weiter: "Ab sofort ist die Aufgabe, eine Verbreitung des Virus in unserer Gesellschaft zu verhindern." Die Regierung musste erstmals einräumen, dass es sich bei den Neuinfektionen nicht nur um Einreisende aus China oder deren Kontaktpersonen handelt.

Der Bürgermeister von Daegu rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. Sei dies nicht möglich, müssten unbedingt Schutzmasken getragen werden.

Zahlen aus China sind kaum noch vergleichbar
In China, wo das Virus Ende 2019 zuerst aufgetreten war, wurden am Freitag 889 neue Infektionen gemeldet. Das wäre deutlich weniger als etwa an zahlreichen Tagen der vergangenen Woche. Allerdings machen es wiederholte Veränderungen in der Zählweise der Behörden schwierig, belastbare Vergleiche zu ziehen. So werden klinische Diagnosen der Covid-19-Lungenkrankheit in der besonders betroffenen Region Hubei nicht mehr als Infektionen gezählt. Künftig muss die Ansteckung wieder durch einen DNA-Test im Labor bestätigt werden.

Die Gesamtzahl der Infektionsfälle liegt damit nun bei 75.465, wobei eine hohe Dunkelziffer vermutet wird. 118 neue Todesfälle lassen hier die Gesamtzahl auf 2236 steigen. Auch aus verschiedenen anderen Ländern gibt es Meldungen über Todesopfer: neben Südkorea aus Iran und Japan.

Chinas Regierung rechnet für Ende April mit der klinischen Erprobung eines ersten Impfstoffs gegen das Coronavirus. Das sagte der Vizeminister für Wissenschaft und Technologie, Xu Nanping.

Zahlreich Deutsche kehren zurück - und müssen in Quarantäne
Mehr als ein Dutzend Rückkehrer aus der schwer von der Epidemie betroffenen Elf-Millionen-Stadt Wuhan in Zentralchina werden am Freitag in Stuttgart erwartet. Sie kommen zunächst mit anderen Europäern in einer französischen Maschine nach Paris. Nach ihrer Ankunft am Vormittag auf dem Flughafen Stuttgart sollen die Reisenden zunächst untersucht und dann in eine Quarantäne-Station im Landkreis Esslingen gebracht werden. Die Rückkehrer werden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betreut.

Die letzten sechs an Bord des unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" in Japan verbliebenen Deutschen werden am Freitag mit einem italienischen Flugzeug nach Berlin ausgeflogen. Es seien auch zwei Berliner an Bord, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Geplant sei, sie zunächst für 14 Tage zu Hause zu isolieren. Diejenigen, die nicht in der Bundeshauptstadt wohnen, werden demnach zunächst von DRK-Mitarbeitern in ihre Heimatorte gebracht.

spiegel


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