Polizisten auf Knien

  01 Juni 2020    Gelesen: 651
  Polizisten auf Knien

In den USA gibt es bei Protesten nach dem Tod von George Floyd laut Amnesty Fälle überzogener Polizeigewalt - doch die Einsatzkräfte zeigen auch Solidarität mit friedlichen Demonstranten.

Da ist zum Beispiel Chris Swanson. Er ist Sheriff von Genese County in Michigan. Bei Protesten in der Stadt Flint trat er vor eine Gruppe Demonstranten und sagte: "Ich habe meinen Helm ausgezogen, meine Schlagstöcke abgelegt. Ich will, dass das hier eine Parade wird, kein Protest." Die Menge forderte ihn auf, mitzulaufen, wie CNN berichtet. 

Und das tat er.

Seit George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz starb, kam es überall in den USA zu Ausschreitungen. Wütende Demonstranten treffen auf eine Polizei, die hochgerüstet ist wie eine Armee. 

Immer wieder überschreiten die Einsatzkräfte offenbar ihre Kompetenz: Amnesty International beobachtet das Verhalten der Polizei mit Sorge. In immer mehr Städten sei überzogene Polizeigewalt zu beobachten, sagte eine Sprecherin dem Sender NBC.  Die Polizei werde ihrer Pflicht, friedliche Proteste zu ermöglichen, nicht immer gerecht.

Doch es geht auch anders. Sheriff Swanson ist nur einer von vielen Polizisten im Land, die ihre Solidarität mit friedlichen Demonstranten ausdrücken.

In Des Moines, Iowa, baten Demonstranten laut CNN Polizisten darum, zu knien. Die angesprochenen Einsatzkräften gingen demnach zwei Minuten in die Knie, für einen Moment der Solidarität.

In Fargo, North Dakota, gingen Polizisten und Demonstranten laut "New York Times" Hand in Hand.
Auch in Portland, Oregon, ging eine Gruppe Polizisten auf die Knie, wie ein Video der Zeitung “The Oregonian” zeigt. Demonstranten hatten sie zuvor darum gebeten.

In der Stadt Camden im US-Bundesstaat New Jersey nahmen mehrere Polizisten an einem von Geistlichen und Aktivisten organisierten Marsch teil, wie der "Philadelphia Inquirer" berichtet. Auch der Chef der örtlichen Polizei war dabei, Joe Wysocki.

Bilder zeigen ihn in der ersten Reihe, er hält ein Schild. "Ich wollte Geschlossenheit", sagte er in einem Interview. "Die Menschen müssen in der Lage sein, ihre Meinung zu sagen."

Auch der Chef der Polizeidirektion in Green Bay, Wisconsin, äußerte sich ähnlich. Als sich eine Gruppe Demonstranten vor seinem Gebäude versammelte, trat er laut einem Lokalsender vor die Menge und sagte: "Wer als Polizist von dem, was in Minneapolis geschehen ist, nicht angeekelt ist, der hat den falschen Beruf ergriffen."

  • Einen Kommentar zur Lage in den USA lesen Sie hier: Amerikas Wut, Trumps Versagen

  • Coronakrise, Massenarbeitslosigkeit, Polizeigewalt: Eine Analyse der Zusammenhänge finden Sie hier: Der Krisenverschärfer

  • Eine Übersicht über den Fall George Floyd und die Reaktionen im Land steht hier: Ein Land in Aufruhr

spiegel


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