Ältere Kinder haben häufiger Antikörper gegen SARS-CoV-2

  22 Juni 2020    Gelesen: 615
Ältere Kinder haben häufiger Antikörper gegen SARS-CoV-2

Im Rahmen einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) werden 6000 gesunde und chronisch kranke Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren auf die Häufigkeit und Schwere einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus untersucht. Rund sechs Wochen nach dem Studienstart liegen nun erste Zwischenergebnisse der Studie vor.

„Erste Auswertungen zeigen, dass nur 1,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen Antikörper gebildet haben und wir weit von einer Herdenimmunität entfernt sind“, sagt Prof. Dr. Ania C. Muntau, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE.

Kein Kind aktuell infiziert, nur bei 1,5 Prozent Antikörper
Bei 36 von 2436 Kindern konnten Antikörper im Blut nachgewiesen werden, dies entspricht bei Berücksichtigung der Genauigkeit des Tests und der Größe der Studienkohorte 1,2 bis 1,5 Prozent. Keines der bis zum 6. Juni untersuchten 3107 Kinder hatte einen positiven Nasen-Rachen-Abstrich, somit lag bei keinem der Teilnehmenden eine akute Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vor.

„Daraus können wir schlussfolgern, dass die Lockdown-Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen in Hamburg erfolgreich waren“, erklärt Prof. Muntau.

Je älter, desto mehr Antikörper

Auffällig ist, dass die positiv getesteten Kinder im Schnitt älter als der Durchschnitt der Studienkohorte sind. Wenn man die Kohorte in zwei Gruppen teilt, ergeben sich in der Altersgruppe von 0 bis 9 Jahren 1 Prozent positive Antikörpernachweise und in der Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren 2 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, einen positiven Antikörpertest zu haben, steigt bei den Kindern der C19.CHILD Hamburg-Studie mit zunehmendem Alter, und zwar mit jedem Lebensjahr um 8 Prozent.

Erst die Hälfte der Studie ausgewertet
Für eine erste Studienphase im Zeitraum vom 11. Mai bis 5. Juni wurden zunächst Daten zur Häufigkeit von COVID-19-Infektionen bei gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Bei den Kindern und Jugendlichen wurde ein Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt, um festzustellen, ob eine akute Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vorliegt. Außerdem wurde eine Blutentnahme zur Bestimmung von Antikörpern gegen das Virus angeboten, um zu prüfen, ob der Proband sich bereits mit dem Virus auseinandergesetzt hat. Bisher wurde etwa die Hälfte in der Studie vorgesehen 6000 Tests ausgewertet. Für die Zwischenergebnisse wurden 3107 Nasen-Rachen-Abstriche und 2436 Antikörperbefunde analysiert.

Die Studienteilnehmer stammen aus allen Hamburger Stadtteilen und setzen sich aus 46,4 Prozent weiblichen und 53,6 Prozent männlichen Probanden aller Altersgruppen zusammen. Im Schnitt sind die Teilnehmenden 7,4 Jahre alt.

Umfeld der positiv Getesteten wird untersucht

Die positiv getesteten Kinder werden nun in einer Follow-up-Phase über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitet. Bei den 36 positiv getesteten Kindern und Jugendlichen wurden die Untersuchungen auf 15 Geschwisterkinder und 91 erwachsene Personen aus dem gleichen Haushalt ausgeweitet, um mögliche Übertragungswege nachzuvollziehen. Ebenso sollen im weiteren Studienverlauf die immunologischen und biochemischen Folgen der Interaktion des Virus mit dem kindlichen Immunsystem erforscht sowie Risikogruppen unter chronisch kranken Kindern identifiziert werden.

Die Studie läuft noch bis Ende Juni an allen Hamburger Kinderkliniken.

sputniknews


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