Greenpeace-Studie simuliert Atomangriffe

  05 Auqust 2020    Gelesen: 360
  Greenpeace-Studie simuliert Atomangriffe

Auch 75 Jahre nach den Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki besitzen viele Länder Atomwaffen. Um die Diskussion über eine atomwaffenfreie Welt anzuregen, spielt Greenpeace drei Szenarien für Deutschland durch: Egal wo, egal welche Atomwaffe - die Ergebnisse sind verheerend.

Bei einem Atomangriff auf deutsche Großstädte würden Hunderttausende Menschen sofort ums Leben kommen, Zehntausende müssten mit Langzeitfolgen wie einer Krebserkrankung rechnen - das ist das Ergebnis einer Studie, in der Greenpeace mehrere Atomangriffe auf Deutschland simuliert. Die Physikerin Oda Becker hat für die Untersuchung im Auftrag der Umweltorganisation eine Software namens Nukemap verwendet, die die Folgen eines Atombombenabwurfs für einen bestimmten Ort berechnen soll. Die Simulation sei als Beitrag gedacht für "die notwendige Diskussion über eine atomwaffenfreie Welt", sagt Greenpeace.

In der Studie werden drei Szenarien behandelt. Das erste handelt von einem Angriff auf das politische Zentrum in Berlin mit einer eher kleinen Atombombe, die eine Explosionsenergie von 20 Kilotonnen hat. Das entspricht einer Explosionskraft von 20.000 Tonnen TNT. Den Ergebnissen zufolge würden rund 145.000 Menschen unmittelbar nach der Detonation sterben. Davon entfielen den Angaben zufolge 25.000 auf die Auswirkungen der Druck- und Hitzewelle sowie 120.000 auf die Fallout-Strahlung in einem größeren Umkreis. "Dazu kommen noch mehr als 50.000 spätere Todesfälle durch eine Krebserkrankung", heißt es in dem Bericht.

Im zweiten Szenario wurde ein Angriff auf das Frankfurter Finanzzentrum mit einer schweren Atombombe von 550 Kilotonnen berechnet. Hier ermittelte das Programm aufgrund der Daten für die durchschnittliche Umgebungsbevölkerung insgesamt rund 500.000 Todesfälle, darunter 206.080 aufgrund der Druck- und Hitzewelle und der Sofortstrahlung. Das für die Simulation verwendete Modell könne allerdings nicht alle Umstände berücksichtigen, erklärte die Autorin: "Die Zahlen könnten also zu hoch sein. Sie könnten auch zu niedrig sein."

Hiroshima und Nagasaki als Warnung

Drittes Szenario ist eine Explosion auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel, wo nach offiziell nicht bestätigten Informationen US-Atomwaffen mit einer Sprengkraft von jeweils 170 Kilotonnen lagern sollen. Für diesen hypothetischen Fall kam die Software auf insgesamt 130.000 unmittelbare Todesfälle, davon 107.000 durch die Fallout-Strahlung.

Weltweit wurden bisher zwei Atomwaffen eingesetzt, beide von den USA: Sie warfen vor 75 Jahren zuerst eine Atombombe auf Hiroshima ab, um die japanische Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu erzwingen. Von den 350.000 Bewohnern starben schätzungsweise mehr als 70.000 Menschen sofort. Vier Monate später, im Dezember 1945, war die Zahl der Toten doppelt so hoch.

Am 9. August zündeten die USA über Nagasaki eine zweite Atombombe. Bis Dezember 1945 kamen dort etwa 70.000 Menschen um. Die genaue Opferzahl lässt sich bis heute nicht ermitteln, weil viele Menschen erst an den Spätfolgen der Strahlung starben.

Quelle: ntv.de, chr/dpa


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