US-Weltraumstreitkräfte bedrohen die Sicherheit

  14 Auqust 2020    Gelesen: 570
US-Weltraumstreitkräfte bedrohen die Sicherheit

Die US-Weltraumstreitkräfte werden in der Lage sein, offensive Operationen durchzuführen und Ziele am Boden und im Cyberspace anzugreifen, heißt es in der Doktrin dieser neuen US-Teilstreitkraft. In einem Interview mit Sputnik wies der Experte auf die Gefahr einer solchen Position hin.

Im Dokument mit dem Titel Spacepower wird erklärt, was die „Space Force“ tun wird und warum die USA den Weltraum als einen Kriegsschauplatz betrachten. In der Doktrin werden militärische Operationen im Weltraum als ein eigenständiges militärisches Einsatzgebiet betrachtet und nicht als Kompetenzbereich anderer Teilstreitkräfte.

Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass US-Offensivoperationen durchgeführt werden können, „wenn dies gerechtfertigt ist“. Unter anderem um einem Gegner zu widerstehen, der Zugang zur Weltraumsphäre erhalten oder diese in seinem eigenen Interesse nutzen möchte. Offensivoperationen sind nach amerikanischer Sichtweise „unerlässlich, um die Vorherrschaft im All zu erlangen“. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Offensivoperationen nicht nur auf die Bekämpfung der Raketenabwehrsysteme des Feindes beschränkt sind, sondern auch in Bezug auf „das gesamte Spektrum des feindlichen Antisatellitenpotentials“ durchgeführt werden können. Dazu gehören Bodenziele und Objekte im Cyberspace.

Der Direktor des russischen Zentrums für militärpolitische Forschung, Doktor der Geschichte Alexej Podbereskin, erläuterte im Gespräch mit Sputnik, welche Bedrohung die Bestimmungen der amerikanischen Doktrin für die Sicherheit Russlands darstellen.

„Es geht um den Einsatz von Schlagwaffen im Weltraum: kinetische und Laserwaffen, elektromagnetische sowie andere Waffenarten. Es kann alles sein. Stellen Sie sich einmal vor: es fliegt ein Satellit mit einem Frachtraum, in den fünf bis sechs Kubikmeter Giftstoff hineinpassen. Irgendwann öffnet sich der Container und alles, was da drin ist, fällt auf unsere Köpfe. Das ist nur eine der Optionen, und es gibt viele davon. Wenn Weltraumangriffswaffen an Bord eines Satelliten eingesetzt werden, muss man verstehen, dass die Flugzeit zum Ziel dabei stark reduziert ist. Heute basiert das gesamte Verteidigungssystem auf der rechtzeitigen Erkennung von Raketenstarts und der Zerstörung der Rakete auf der Beschleunigungsstrecke. Wenn sich jedoch der Satellit über unserem Kopf befindet, ist die Flugbahn am kürzesten. Deshalb ist das eine reale Bedrohung für die Sicherheit der Russischen Föderation“, ist sich der Experte sicher.

Russland habe auch eine Gegenantwort, fügte er hinzu. Gleichzeitig stellte er fest, dass ein solcher „Wettbewerb“ nicht zu den friedlichen Zielen der Weltraumforschung beitragen wird, die sich die Menschheit bisher gesetzt hat.

„Natürlich müssen wir eine angemessene Antwort geben - wir entwickeln Antisatellitenwaffen. Es ist klar, dass solche Waffen das Hauptziel werden, auch für Weltraumwaffen. Eine andere Sache ist, dass es zum endlosen Wettstreit von Schild und Schwert wird, aber diesmal im All.“

Podbereskin kommentierte auch die Erklärung des Sonderbeauftragten des US-Präsidenten für Rüstungskontrolle, Marshall Billingsley. Der US-Beamte bezeichnete die russischen Projekte der Raketen „Burewestnik“ (NATO-Code: SSC-X-9 Skyfall)  und „Poseidon“ (NATO-Code: „Kanyon“) als „schrecklich“ und forderte deren Schließung. „Russland sollte diese Projekte ins Regal stellen. Eine große Geldverschwendung“, schrieb Billingsley auf Twitter.

„Die Sorge, dass wir ‘Geld verschwenden‘ für unsere Verteidigung, sieht gekünstelt, wenn nicht dumm aus. Die Amerikaner haben sich nie Sorgen gemacht, unsere Militärausgaben zu sparen“, merkte Podbereskin an. Seiner Auffassung nach machen sich die Amerikaner Sorgen um etwas anderes – den Wechsel der strategischen Kräfte zugunsten Russlands.

„Neue Waffensysteme, einschließlich ‘Burewestnik‘, verändern das Gleichgewicht der strategischen Kräfte merklich. Dementsprechend entwerten sie viele amerikanische Programme, die mit Versuchen verbunden sind, den Erstschlag zu führen. Die Burewestnik-Rakete hat eine unbegrenzte Flugreichweite. Dies bedeutet, dass die Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsysteme, die die Vereinigten Staaten in den letzten 25 Jahren geschaffen haben, und für die zig Milliarden Dollar ausgegeben wurden, an Wert verlieren. Also wird die Motivierung für einen Präventivschlag bedeutend schwächer“, urteilte der Militärexperte.
Der russische Senator Alexej Puschkow reagierte scharf auf die Forderung der USA, Russland solle die Entwicklung nuklearer Raketen einstellen: Washington sollte sich auf neue Mechanismen zur Kontrolle von Atomwaffen konzentrieren und Moskau nicht sagen, woran es „arbeiten soll oder nicht“, zitierte RIA Nowosti den Politiker. Puschkow machte dabei darauf aufmerksam, dass die Vereinigten Staaten vom INF-Vertrag zurückgetreten seien, sich von START III zurückziehen und stets daran arbeiten würden, ihr nukleares Potenzial weiter zu stärken.

START III bleibt der einzige geltende Waffenbeschränkungsvertrag zwischen Russland und den USA. Der Vertrag läuft im Februar 2021 aus. Russland hat die Vereinigten Staaten mehrmals aufgefordert, ihn zu verlängern, aber bisher hat die US-Regierung nicht angekündigt, ob sie dies beabsichtigt.

sputniknews


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