USA genehmigen Behandlung mit Blutplasma

  24 Auqust 2020    Gelesen: 583
USA genehmigen Behandlung mit Blutplasma

Im Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten befinden sich Antikörper. Diese könnten anderen Erkrankten helfen, hoffen Forscher. Die USA haben die Therapie nun per Notfallgenehmigung erlaubt.

Die US-Regierung hat eine Notfallgenehmigung für die Behandlung von Covid-19 mit Blutplasma erteilt. Bei der sogenannten Immunplasma-Therapie bekommen Covid-19-Patienten Plasma von Menschen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 Antikörper gebildet haben. Die Behandlungsmethode wird in der Corona-Pandemie bereits seit längerem erprobt.

Der Chef der zuständigen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA), Stephen Hahn, sprach von begrenzten, aber bislang "vielversprechenden" Daten zur Wirksamkeit. US-Präsident Donald Trump, der zuletzt öffentlich Druck auf die Behörde gemacht hatte, um schnellere Fortschritte verkünden zu können, bezeichnete die Notfallgenehmigung als "sehr historischen Durchbruch". Trump dürfte die Ankündigung vom Sonntagabend (Ortszeit) sehr gelegen kommen: Am Montagabend beginnt der Parteitag der Republikaner, bei dem er diese Woche offiziell als Kandidat für die Wahl im November nominiert werden soll.

Die Behandlung mit dem sogenannten Rekonvaleszenten-Plasma hat folgenden biologischen Hintergrund: Im Verlauf einer Infektion bildet das Immunsystem eines Menschen unter anderem Antikörper, um den eingedrungenen Erreger zu beseitigen. Diese Antikörper bleiben nach einer Infektion zumindest eine Weile im Körper erhalten. Man kann also aus dem Blut Genesener die Antikörper gewinnen und diese dann akut Erkrankten verabreichen - damit sie auch bei ihnen das Virus bekämpfen und die Schwere der Erkrankung abmildern. Zu dem Verfahren laufen weltweit Studien, auch in Deutschland. Bislang gibt es aber keinen überzeugenden Nachweis, ob und wie sehr Plasma Covid-19-Patienten tatsächlich hilft.

In den USA wird die Behandlungsmethode bereits bei zahlreichen Covid-19-Patienten angewendet: Im Rahmen einer klinischen Sondergenehmigung haben bereits rund 70.000 Menschen Plasma erhalten, teilte die FDA mit. Die Notfallgenehmigung entspricht zudem keiner formellen Zulassung, für die wesentlich höhere Hürden gelten. Auch ist das Plasma-Angebot begrenzt, da es nur aus Blutspenden von Genesenen gewonnen werden kann.

Der Schritt der FDA mache vor allem den Handel mit Plasma einfacher und dürfte Herstellern helfen, ihre Kosten zu decken, sagte der frühere FDA-Chef Scott Gottlieb vorab dem Fernsehsender ABC. Es handle sich aber insgesamt nur um einen kleinen Schritt, sagte er. Von einem Durchbruch zu sprechen, scheint daher übertrieben.

Trump spricht von "unglaublicher Erfolgsrate"
In den USA haben Forscher Daten aus der Forschungsorganisation Mayo Clinic zu 35.000 zumeist schwer erkrankten Patienten erfasst. Ihre bislang unveröffentlichte Studie zeigt, dass Patienten, die drei Tage nach einer Covid-Diagnose eine Transfusion bekamen, eine etwas geringere Sterblichkeitsrate hatten als jene, die später behandelt wurden. Allerdings gab es bei der Studie keine Kontrollgruppe, die Ergebnisse sind also nur sehr begrenzt aussagekräftig. Weitere Studien, bei denen ein Teil der Probanden nur ein Placebo bekommt, laufen noch.

Trump wiederum sprach bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus von einer "wirkungsvollen Therapie" mit einer "unglaublichen Erfolgsrate". Seine Aussagen waren aber nicht von der schriftlichen Genehmigung der FDA gedeckt, die angesichts der bislang unzureichenden Datenlage vorsichtig von einer möglichen positiven Wirkung sprach.

Der US-Präsident war am Wochenende in die Kritik geraten, weil er Druck auf die FDA machte, Behandlungsmöglichkeiten und Impfungen möglichst schnell zu genehmigen. Trump hat wiederholt gesagt, er hoffe, dass es in etwa bis zur Wahl im November einen einsatzbereiten Corona-Impfstoff gebe. Derzeit laufen mehrere große klinische Studien zu Impfstoffen. Eine Verfügbarkeit vor nächstem Jahr gilt jedoch bei einer Prüfung unter Einhaltung der wissenschaftlichen Kriterien als unwahrscheinlich.

Die USA sind in der Corona-Pandemie weiterhin mit am stärksten betroffen. Die Behörden haben bisher rund 5,7 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. Fast 177.000 Menschen starben.

spiegel


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