Selenskyj nennt Schröders Verhalten "widerwärtig"

  04 Auqust 2022    Gelesen: 336
  Selenskyj nennt Schröders Verhalten "widerwärtig"

Der Kreml wolle den Krieg mit einer Verhandlungslösung beenden, sagt Altkanzler Schröder nach seinem Besuch in Moskau und wertet das als gute Nachricht. Das sieht man in der Ukraine anders. Die angebliche Gesprächsbereitschaft sei nichts als eine Nebelwolke, heißt es aus Kiew.

Die ukrainische Führung hält Aussagen von Altkanzler Gerhard Schröder für unglaubwürdig, wonach Kremlchef Wladimir Putin zu Friedensverhandlungen bereit sei. "Es gibt nichts Zynischeres als die Behauptungen der Putin-Anhänger, dass Russland bereit ist zu Verhandlungen", schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf seinem Twitter-Kanal. Die täglichen Beschüsse ukrainischen Territoriums sagten etwas anderes aus.

Der ukrainische Chefdiplomat verwies auf starken Artilleriebeschuss sowie Raketenangriffe gegen Zivilobjekte. Zudem beschuldigte er das russische Militär einmal mehr schwerer Kriegsverbrechen. "Russland bleibt auf den Krieg konzentriert - alles andere ist eine Nebelwolke", fügte Kuleba hinzu.

Ähnlich klang am Abend der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Der Kreml gaukle seine Verhandlungsbereitschaft nur vor, sagte er. Wäre Russland wirklich an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert, zöge es nun nicht weitere Reserven im Süden der Ukraine zusammen. In dem Zusammenhang kritisierte Selenskyj auch explizit Gerhard Schröder. "Es ist einfach widerwärtig, wenn ehemalige Führer mächtiger Staaten mit europäischen Werten für Russland arbeiten, das gegen diese Werte kämpft", sagte Selenskyj.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte am Mittwoch erklärt, dass Russland durchaus bereit sei zu einer diplomatischen Beilegung des "Problems" - allerdings nur zu russischen Bedingungen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar gab es kurzfristig Bemühungen um eine diplomatische Lösung. Die letzte Verhandlungsrunde fand Ende März in Istanbul statt. Dabei kam es zu einer Annäherung, doch es gab anschließend kein weiteres Treffen mehr. Die letzten Telefongespräche zwischen den Unterhändlern wurden im Mai gemeldet. Beide Seiten setzen offenbar darauf, zuvor mit militärischen Mitteln, ihre Verhandlungsposition zu verbessern.

Quelle: ntv.de, ino/dpa


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