Netanjahu fordert Pläne für Rafah-Evakuierung an

  09 Februar 2024    Gelesen: 500
  Netanjahu fordert Pläne für Rafah-Evakuierung an

Israel bereitet sich auf einen umfassenden Militäreinsatz im südlichen Gazastreifen vor. In der Stadt Rafah halten sich mehr als eine Million Flüchtlinge auf. Nun bombardiert Israel auch diese Stadt. US-Präsident Biden kritisiert das Vorgehen scharf. Dennoch befiehlt Israels Premier die Erstellung von Evakuierungsplänen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach eigenen Angaben das Militär angewiesen, einen Plan zur Evakuierung der Bevölkerung von Rafah im Gazastreifen auszuarbeiten. Netanjahu sagte, in Rafah sei ein umfassender Militäreinsatz erforderlich. Er habe Sicherheitsvertreter aufgefordert, einen Plan vorzulegen, der die Evakuierung von Zivilisten aus der Stadt und eine Militäroperation zur Zerschlagung der verbliebenen militanten Hamas-Einheiten vorsehe.

Israel gibt an, Rafah sei die letzte verbliebene Hochburg der militant-islamistischen Hamas. Es müsse Truppen entsenden, um seine Kriegsziele zu vollenden. Auf der Flucht vor Kämpfen in anderen Teilen des Gazastreifens sind jedoch schätzungsweise 1,5 Millionen Palästinenser in die Stadt an der Grenze zu Ägypten geströmt. International war zuvor Kritik an dem Plan Israels laut geworden, in die dicht besiedelte Stadt einzurücken.

Bereits in der Nacht hatte das israelische Militär laut Augenzeugen erneut Rafah bombardiert. "Wir hörten das Geräusch einer riesigen Explosion in der Nähe unseres Hauses", sagte ein 60-jähriger Bewohner der Stadt an der Grenze zu Ägypten, in der sich schätzungsweise 1,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge aufhalten.

Biden: Israels Vorgehen ist "überzogen"

US-Präsident Joe Biden übte deutliche Kritik am Vorgehen der israelischen Armee. Der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde zufolge wurden in der Nacht im Gazastreifen mehr als hundert Menschen getötet, darunter mindestens acht in der Stadt Rafah. Er sei der Meinung, dass Israels Vorgehen im Gazastreifen "überzogen" sei, sagte Biden vor Reportern im Weißen Haus. "Es gibt viele unschuldige Menschen, die hungern, viele unschuldige Menschen, die in Schwierigkeiten sind und sterben. Das muss aufhören."

Weiter betonte der US-Präsident, er habe sich sowohl in Ägypten als auch in Israel für die Einfuhr weiterer humanitäre Hilfe in den Gazastreifen eingesetzt. Der mittlerweile vier Monate andauernde Krieg hat die humanitäre Krise im Gazastreifen dramatisch verschärft. Hunderttausende Menschen flohen vor den Kämpfen in den Süden des Palästinensergebiets, der nun ebenfalls unter Beschuss steht. Erst vor wenigen Tagen hatte Netanjahu nach eigenen Worten eine Ausweitung des Militäreinsatzes auf die südliche Stadt Rafah angeordnet.

"Wir können nirgendwo hin"

Laut einem Mitarbeiter des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) ziehen derzeit viele Menschen aus Sorge vor einem Bodenangriff von Rafah in Richtung Meer. Sollte Israel die Stadt stürmen, "sterben wir in unseren Häusern", sagte ein Bewohner. "Wir können nirgendwo hin."

Am 7. Oktober hatte die Terrororganisation Hamas Israel überfallen und zahlreiche Massaker verübt. Sie töteten israelischen Angaben zufolge etwa 1160 Menschen, darunter viele Zivilisten. Rund 250 Menschen wurden zudem als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion auf den Angriff startete Israel einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen. Nach jüngsten Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seitdem mehr als 27.900 Menschen getötet.

Quelle: ntv.de, mes/AFP/AP


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