Iraks Atomprogramm vor Wiederaufleben? Bagdad bittet um Unterstützung bei Reaktorbau

  24 September 2017    Gelesen: 304
Iraks Atomprogramm vor Wiederaufleben? Bagdad bittet um Unterstützung bei Reaktorbau

Der irakische Außenminister Ibrahim al-Dschafari hat in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York die Atommächte um Unterstützung beim Bau eines Atomreaktors in seinem Land gebeten.

„Der Irak bittet die Nuklearmächte, ihm beim Bau eines Atomreaktors für friedliche Zwecke und beim Erhalt einer Nukleartechnologie zu helfen“, sagte Al-Dschafari.

Der Minister nahm Bezug auf den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (Atomwaffensperrvertrag), laut dem jedes Land friedliche Projekte im Bereich der Atomenergie entwickeln darf.

Der Vertrag, der 1968 geschlossen wurde und seit 1970 gilt, besagt, dass nur fünf Staaten – die Sowjetunion, die USA, Großbritannien, Frankreich und China – Atomwaffen besitzen dürfen, und verbietet das Auftauchen neuer Nuklearmächte. Die „Atom-Fünfer-Gruppe“ hat sich verpflichtet, keine Nuklearwaffen an dritte Länder zu übergeben und keine Hilfe bei der Schaffung solcher Waffen zu leisten. Die übrigen Vertragsteilnehmer dürfen keine Atombomben annehmen bzw. bauen.
Der Irak hat den Atomwaffensperrvertrag im Jahr 1969 ratifiziert.

Bagdad versuchte in den 1960er bis 1970er Jahren, ein eigenes „friedliches Atomprogramm“ zu entwickeln. 1968 wurde ein sowjetischer Forschungsreaktor im irakischen Tuwaitha in Betrieb genommen, der 1978 modernisiert wurde.
Der Irak unterzeichnete 1975 ein Abkommen mit Frankreich über den Bau eines Reaktors mit der Codebezeichnung Osirak. 1979 wurde das Schiff, in dem die Energieanlage in den Irak transportiert werden sollte, im französischen Hafen Toulon von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad in die Luft gesprengt.

Danach lieferte Paris einen neuen Reaktor dieses Typs nach Bagdad. Dieser wurde 1980 in Betrieb genommen. Trotz des Gutachtens der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), wonach Bagdad das Nichtverbreitungsregime für Nuklearwaffen eingehalten hat, beschuldigte Israel den Irak, den Atomwaffensperrvertrag zu verletzen. Im Juni 1981 wurde der irakische Osirak-Kernreaktor von der israelischen Luftwaffe zerstört. Seitdem hat Bagdad keinen Versuch unternommen, sein Atomprogramm wieder in Angriff zu nehmen.

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