Als Trump am Mittwochabend dann endlich die heiß erwarteten Gewinner seines „Fake News Award“ verkündete, war die Enttäuschung groß. Tatsächlich handelt es sich offenbar gar nicht um einen offiziellen Preis, wie etwa den Freedom Award, den Freiheitspreis, den Ronald Reagan einst ausgelobt hatte.
Stattdessen präsentierte Trump nur eine Liste, die in einem Blog auf der Webseite der republikanischen Partei versenkt wurde. Und kurz nachdem Trump das Ganze auf Twitter verkündet hatte, brach der Link auch noch zusammen und war nicht erreichbar. „Und darauf haben wir nun so lange gewartet“, witzelten manche Journalisten auf Twitter.
Als die Webseite sich dann stabilisiert hatte, wurde klar: Unter den 10 plus 1 (dazu später mehr) Preisträgern befanden sich weitgehend die üblichen Verdächtigen – Trumps Lieblingsfeinde also, die er seit Amtsantritt mit nie ermüdender Rachsucht verfolgt hat. Allen voran CNN mit vier Nennungen, die „New York Times“ mit zwei sowie ABC, „Time Magazine“, „Washington Post“ und „Newsweek“ mit jeweils einer Nennung.
Meinung ist Meinung
Der Gewinner auf Platz eins ist „New York Times“-Kolumnist Paul Krugman. Und damit machte Trump klar, dass er trotz all seiner Erfahrung mit Fake News schlicht nicht verstanden hat, wie Medien funktionieren.
Denn Krugman, der Wirtschaftsnobelpreisträger, schreibt Meinungskolumnen, und keine „News“, keine Nachrichten oder Berichte. Zwar ist es einigermaßen peinlich für Krugman, dass er sich bei der Wahl Trumps so sehr getäuscht hat. Schließlich hatte er am Tag nach Trumps Wahlsieg verkündet, die Märkte würden sich nie davon erholen.
Tatsächlich feiert die Börse unter Trump jedoch inzwischen neue Höchststände und scheint sich in Feierlaune zu befinden. Aber Meinung ist eben Meinung, und weder Nachricht noch Bericht. Besonders in den USA, wo es eine feste Firewall zwischen Berichterstattern und Meinungsjournalisten gibt. Wer so wenig Ahnung hat vom Journalismus, der macht sich nur lächerlich, wenn er glaubt, Noten vergeben zu können.
welt.de
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