SWR-Veteran: Darum machen sich die Briten keine Sorgen um ihre Agenten in Russland

  16 März 2018    Gelesen: 1017
SWR-Veteran: Darum machen sich die Briten keine Sorgen um ihre Agenten in Russland

Ein Veteran der russischen Auslandsaufklärung SWR hat unter Bedingungen der Anonymität den mutmaßlichen Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal gegenüber Sputnik kommentiert.

„Natürlich ist das eine absichtliche Provokation seitens britischer Sicherheitsdienste.“ Mit diesen Worten bewertete der Veteran die Vorwürfe der britischen Premierministerin Theresa May gegenüber Russland.

Er betonte, dass Skripal den russischen Militärnachrichtendienst GRU 1999 verlassen hatte und deswegen keine „operativen und wirkungsvollen Informationen über Russland“ haben konnte. Die Tatsache, dass Skripal mit drei weiteren westlichen Spionen gegen zehn vom FBI verhaftete russische Agenten ausgetauscht wurde, beweise das. „Das heißt, dass er für Russland in diesem Moment keine Gefahr dargestellt hat“.

Außerdem werden solche Agenten wie Skripal von lokalen Sicherheitsdiensten überwacht und „wenn auch jemand ihn vernichten wollte, wäre niemand ein solches Risiko eingegangen“.

„Es entsteht ein Gefühl, dass die Amerikaner einfach keine anderen Vorwände für das Verhängen neuer Sanktionen (gegen Russland – Anm. d. Red.) hatten. Deshalb haben sie ihre strategischen Verbündeten darum gebeten, mit denen sie buchstäblich alle wichtigen Probleme, nämlich den Irak, Nordkorea, Syrien und so weiter, besprechen. Es ist jedoch zweifelhaft, dass ihre eigenen Profis in den Sicherheitsdiensten das glauben“.

Dass London sich für die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten als „Antwort“ auf Moskaus angebliche Verwicklung in die Attacke auf Skripal entschied, erklärt der SWR-Veteran mit der Absicht, die russische Mission in Großbritannien zu schwächen.

„Die russischen Diplomaten bekommen Informationen aus Gesprächen, ihre Kennerschaft und Professionalität sind in der Regel viel höher als bei ihren Kollegen aus anderen Ländern. Die englischen Residenten führen ihrerseits fast keine operative Arbeit in ihrer Botschaft in Moskau durch. Sie haben offensichtlich Angst, hier etwas zu unternehmen“.

Auch haben die Briten keine Angst vor russischen Gegenmaßnahmen. „Ein Abschwächen ihres (des britischen – Anm. d. Red.) Apparats in Moskau beunruhigt sie nicht, weil sie sich meistens im Ausland mit Agenten aus Russland treffen oder moderne technische Mittel benutzen, wie etwa das Internet oder Signalmittel (gewöhnlich etwas Alltägliches, beispielsweise Uhren)“, so der Veteran.

Der Veteran bewertet das Verhängen von UN-Sanktionen gegen Russland als unwahrscheinlich, da Russland über ein Vetorecht verfügt. Jedoch seien einseitige und illegitime Sanktionen wie in der Situation um die Ukraine möglich. Darauf könnte Russland mit der Ausweisung von ungefähr 20 britischen Diplomaten antworten, was einen Abbruch der gegenseitigen Beziehungen nach sich ziehen könnte, die sowieso „minimal“ seien.

Die Vergiftung Skripals

Sergej Skripal, einst Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, war 2004 als Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 entlarvt und von einem Militärgericht wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Jahre später wurde Skripal gegen russische Agenten ausgetauscht.

Am 4. März dieses Jahres wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen. Medienberichten zufolge sollen 21 Personen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, darunter auch ein Polizist.

Die britischen Behörden vermuten einen Anschlag. Die genauen Umstände sind noch unklar. Doch Premierministerin May äußerte am Montag, dass hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag „höchstwahrscheinlich“ Russland stehe.

Am Mittwoch hatte May Maßnahmen gegen Russland angekündigt, darunter die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten aus London. Zudem stelle Großbritannien alle bilateralen Kontakte zu Russland ein und ziehe die Einladung für den russischen Außenminister, Sergej Lawrow, nach London zurück. Zugleich hob May hervor, dass ein völliger Bruch der Beziehungen zwischen beiden Ländern „den nationalen Interessen zuwiderläuft“, der Dialog aber nicht im bisherigen Modus weitergeführt werden könne.
Russland weist die Vorwürfe zurück und erklärte sich bereit, an Ermittlungen teilzunehmen. London verweigert Moskau ohne Angabe von Gründen den Zugang zu Ermittlungsmaterialien. Außenminister Sergej Lawrow rief Großbritannien auf, den Verpflichtungen aus der Chemiewaffenkonvention nachzukommen.

Quelle : sputnik.de


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