Warum die USA nur das Recht des Starken kennen

  24 April 2018    Gelesen: 1214
Warum die USA nur das Recht des Starken kennen

Es hat keinen Sinn, mit einem Erfolg in den Beziehungen und Verhandlungen mit einem Land und geschweige denn einem mächtigen Land zu rechnen, ohne seine historisch entwickelte politische Kultur und nationalen Eigenschaften zu berücksichtigen.

Die Politiker und Experten, die ständig von der Priorität der zu erreichenden Vereinbarungen mit der Russland bekämpfenden westlichen Koalition sprechen, befassen sich entweder mit einer bewussten Provokation oder sind einfach verantwortungslos und unbegabt. Sie verstehen nicht, was Verhandlungen prinzipiell sind und was Verhandlungen für die politische Kultur der USA bedeuten und was das überhaupt ist.

Die USA sind ein Land mit einer Kultur, die an der Stelle des von ihnen eroberten und vernichteten Kulturraums existiert. Ihre politische Kultur ist die Kultur der Eroberung und Vernichtung der Ungehorsamen.

Die Grundlage bildeten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Großbritannien ausgewanderte Protestanten. Damals wollte nach der Parlamentsauflösung 1630 sogar Oliver Cromwell aus Großbritannien auswandern. Die Umsiedler, die sich damals in die Kolonien begaben, waren ihm ähnlich – entschlossen, überzeugt, sie sahen keine Hindernisse auf ihrem Weg, solange ihnen kein Widerstand geboten wurde.

Sie hatten sehr viele Kriege mit einer ziemlich hoch entwickelten lokalen Bevölkerung und viele Verträge mit ihnen – alles endete damit, dass die Indianer fast völlig ausgelöscht und die Reste in Reservate getrieben wurden. Die Amerikaner schlossen mit ihnen nur Verträge, die für sie vorteilhaft waren. Gleichberechtigte Vereinbarungen mussten sie nach verlorenen Schlachten schließen und taten anschließend alles dafür, um sie zu brechen.

Sie waren von Anfang an davon überzeugt, dass sie gekommen waren, um eine neue, ausschließlich protestantische Welt aufzubauen – und dass sie mit dieser Mission das Recht auf alles haben.

Zudem waren sie von Anfang an Träger eines nicht kodifizierten, jedoch Präzedenzrechts. Das heißt, dass keine im Gesetz bzw. Vertrag festgeschriebene Norm absolute Bedeutung hat und gemäß neuen Umständen uminterpretiert werden kann.

Das US-amerikanische Justizsystem wurde von Anfang an von unten nach oben gebildet und nicht von oben nach unten (was in der Theorie nicht schlecht ist), doch in diesem Fall bedeutete das, dass der Richter jener war, den sie selbst als Richter bezeichneten, und das Gesetz so eingehalten werden sollte, wie sie es verstanden.

In der Kombination mit ihrem Weltverständnis sehen sie es als Axiom an, das auf ihrem Territorium nur ihr Recht gilt und kein Völkerrecht funktioniert und dementsprechend ihr Recht nicht nur auf ihrem Territorium, sondern auch auf dem Territorium der ganzen Welt funktioniert.

In ihrem Verständnis sind sie dazu bestimmt, eine neue Welt aufzubauen. Ihr Recht wird als absolutes Recht betrachtet.

In ihrer festen Überzeugung, dass ihre Macht von Gott ausgeht und absolut ist, ähneln die US-Amerikaner den despotischsten Herrschern Europas des 17. und 18. Jahrhunderts. So wie die Könige über ihrem Volk standen und das als Glück für die Untertanen betrachteten, gehen die USA davon aus, dass sie als göttlicher Absolut über allen restlichen Völkern stehen und das als Glück für alle diesen Völker betrachten.

Verhandlungen mit den USA sind kein Prozess der Abstimmung. Es ist ein Prozess der Gestaltung von Zugeständnissen seitens der Konkurrenten. Sie haben nicht das Ziel, eine Vereinbarung zur Beseitigung eines Konfliktes zu erreichen. Sie sind in der Regel nicht auf die Lösung eines allgemeinen Problems ausgerichtet, sondern auf die Implementierung ihres Willens.

Deswegen kann eine gleichberechtigte und gegenseitig vorteilhafte Vereinbarung mit ihnen nur dann erreicht werden, wenn das für sie äußerst notwendig und das Nicht-Erreichen einer Vereinbarung kritisch gefährlich ist.

Falls die USA tatsächlich dringend ein Abkommen erreichen wollen, werden sie die Initiator sein und das mit allen Kräften anstreben. Dabei scheuen sie sich nicht davor, ein bisschen zu betrügen. Wenn sie eine Vereinbarung zwar brauchen, aber auch ohne sie auskommen würden, werden sie versuchen, dem Partner neue Probleme zu bereiten, um für deren Beseitigung zusätzliche Zugeständnisse zu bekommen.

Wenn sie eine Vereinbarung nicht besonders brauchen, werden sie die andere Seite als Schwächling betrachten. Sie werden sicherlich ihre Forderungen und Vorteile für sich ausweiten. Jede Friedensstiftung wird als Schwäche betrachtet.

Wenn ein Vertrag mit den USA geschlossen wird, wird er nie als obligatorisch bezeichnet, sondern als vollstreckbar – solange er vorteilhaft bleibt.

Die Einhaltung eines Vertrags durch die USA kann nur mit einem Weg gewährleistet werden – man muss ständig eine reale Bedrohung gegen die USA in der Hand haben. Für die USA bedeutet ein Vertrag nichts, wenn Sie nicht stark genug sind, sie für die Verletzung des Vertrags zu bestrafen.

Jeder Versuch, eine Einigung mit den USA nicht aus der Position der Stärke zu erreichen, würde eine offene Bitte bedeuten, Sie zu betrügen.

Die USA haben die Mentalität eines Eroberers. Sie sehen darin ihr Schicksal. Jeder, der dem nicht zustimmt, löst Feindseligkeit aus.

Russland vorzuwerfen, dass es keine Vereinbarung mit den USA anstrebt, ist unfair, heuchlerisch und sinnlos. Moskau hat nichts dagegen. Es sind die USA, die keine Vereinbarung erreichen wollen.

Die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den USA in den 1940er Jahren und während der Entspannung sind Beziehungen von Starken. Das Verhältnis der USA zur Sowjetunion war damals das Verhalten gegenüber einem Starken, und in den 1970er Jahren gegenüber einem Stärkeren.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion verhielten sich die USA zu Russland wie zu einem Schwachen – in den 1990er Jahren wie zu einem schwachen und einschmeichelnden, in den 2000er Jahren wie zu einem schwachen, jedoch aufsässigen.

Die Mentalität der USA war angesichts ihrer Geschichte und den Bedingungen ihres Zustandekommens immer auf Respekt für Stärke, Glaube an sich und den eigenen Traum ausgerichtet.

Die Sowjetunion bzw. Russland, die auf den Kampf, ihre Ideale und Träume verzichteten, lösten deshalb Verachtung aus.

Früher nahm die USA die Sowjetunion als mutiger Bursche wahr, dann als starker Bursche. Unter Reagan als schlechter; unter Gorbatschow als dummer und anschließend als schwacher Bursche.

Die Frage besteht nur darin, dass die USA in Russland wieder einen Starken sehen sollten. Doch die frühere Erfahrung zeigt, dass das nur in einem einzigen Fall tatsächlich passiert – wenn sie das Klicken des Abzugs an ihrer Schläfe hören.

sputnik.de


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