Russland weiht schwimmendes AKW ein

  19 Mai 2018    Gelesen: 561
Russland weiht schwimmendes AKW ein

Das Atomkraftwerk befindet sich an Bord eines Schiffes und könnte eine Stadt von rund 200.000 Einwohnern mit Energie versorgen. Doch dafür ist es nicht gedacht. Kommenden Sommer soll es sein Ziel erreichen: russische Bohrinseln in der Arktis.

Russland hat das weltweit erste schwimmende Atomkraftwerk eingeweiht. Die in St. Petersburg gebaute "Akademik Lomonossow" ging für die Zeremonie im Hafen von Murmansk vor Anker und wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort wird die im Auftrag des staatlichen russischen Konzerns Rosatom gebaute Anlage mit Brennstoff befüllt, bevor sie an ihren Standort in Ostsibirien verlegt wird.

Auf dem 144 mal 30 Meter großen Schiff befinden sich zwei Reaktoren mit einer Leistung von 35 Megawatt. Ihre Leistung entspricht etwa der von Antriebsreaktoren von atomar angetriebenen Eisbrechern. Mit seinen Reaktoren kann das Kraftwerk eine Stadt von rund 200.000 Einwohnern mit Energie versorgen.

Greenpeace warnt: "Tschernobyl auf Eis"


Das 21.000-Tonnen-Schiff soll im Sommer kommenden Jahres an seinem Standort im Hafen Pewek in der Region Tschukotka rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises festmachen. In Pewek leben rund 5000 Menschen. Es ist die nördlichste Stadt Russlands. Die neue Atomanlage soll aber vor allem russische Bohrinseln mit Energie versorgen. Russland dringt bei der Ausbeutung von Gas- und Ölvorkommen derzeit tiefer in den arktischen Raum vor.

Von der Idee, Kernreaktoren an Bord einer schwimmenden Plattform zu verbauen, versprechen sich die Ingenieure viele Vorteile: Die Energiegewinnung kann so schnell an jene Orte verlegt werden, an denen sie gerade gebraucht wird. Aufwändige Investitionen in Fernleitungen zum Stromtransport sind nicht erforderlich. Kühlwasser ist an den mittlerweile größtenteils eisfreien Küsten der Arktis und auf hoher See reichlich vorhanden.

Mit Blick auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 warnte die Organisation Greenpeace kürzlich, es drohe die Gefahr eines "Tschernobyl auf Eis". Die Russen, heißt es, hätten ursprünglich sogar vorgehabt, die Lomonossow noch im Hafen von St. Petersburg mit ihren radioaktiven Brennstäben auszustatten - in einer Entfernung von weniger als drei Kilometern vom Stadtzentrum. In Russlands zweitgrößter Metropole leben rund fünf Millionen Menschen. Die ernsten Bedenken aus den Ostsee-Anrainerstaaten sollen Rosatom schließlich dazu veranlasst haben, den Plan zu ändern und die Reaktoren erst in Murmansk mit radioaktivem Material zu beladen.

Quelle: n-tv.de


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