Astronomen entdecken erstmals eingewanderten Asteroiden

  21 Mai 2018    Gelesen: 628
Astronomen entdecken erstmals eingewanderten Asteroiden

Ein Asteroid nahe des Jupiter umkreist unsere Sonne wie ein Geisterfahrer. Nun glauben Forscher, seine Herkunft entdeckt zu haben - er kommt aus einem anderen Sonnensystem.

Im All ist der Brocken mit der Katalognummer 2015 BZ509 ein spezielles Objekt. Statt sich auf seiner Umlaufbahn rechtläufig zu bewegen, wie es Planeten, Zwergplaneten und Asteroiden eigentlich tun, ist BZ509 eine Art kosmischer Geisterfahrer. Er kreist in entgegengesetzter Richtung zu fast allen anderen Himmelsobjekten unseres Systems.

Solche Asteroiden mit einer sogenannten retrograden Umlaufbahn sind eine Seltenheit - von Zehntausenden ziehen gerade einmal ein paar Dutzend ihre Kreise andersrum. BZ509 ist jedoch der einzige, der dies nahe der Bahn eines großen Planeten tut.

Seit seiner Entdeckung im Jahre 2015 beobachten Astronomen den großen Brocken von drei Kilometern Durchmesser recht intensiv. Doch woher der Asteroid kommt, der ungefähr auf der Umlaufbahn des Riesenplaneten Jupiter um unsere Sonne kreist, war bisher unklar.

Nun sind sich Fathi Namouni vom Observatorium der Cote d'Azur in Frankreich und Helena Morais von der Staatlichen Universität São Paulo in Brasilien sicher: Er ist in unser Sonnensystem eingewandert. Damit hätten die Forscher erstmals einen dauerhaft in unser Sonnensystem immigrierten Asteroiden identifiziert.

Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher den ersten bekannten interstellaren Asteroid "Oumuamua" beim Durchflug durch unser System beobachtet. Er kam aus einem fernen Sonnensystem. Der Asteroid war nach seiner Stippvisite wieder in die Unendlichkeit entschwunden. 2015 BZ509 ist dagegen das erste bekannte Beispiel für ein Himmelsobjekt aus einem anderen Sonnensystem, das von unserer Sonne eingefangen worden ist, schreiben die Forscher im britischen Fachblatt "Monthy Notices of the Royal Astronomical Society: Letters".

"Wie der Asteroid dazu kam, sich auf Jupiters Umlaufbahn in diese Richtung zu bewegen, war bislang ein Rätsel", berichtete Namouni in einer Mitteilung der Royal Astronomical Society. "Wenn 2015 BZ509 ursprünglich aus unserem System stammen würde, sollte er dieselbe Originalrichtung besitzen wie alle anderen Planeten und Asteroiden, vererbt von der Gas- und Staubwolke, aus der sie entstanden sind."

Namouni und Morais hatten die Bahn Geisterfahrer-Asteroiden mit Simulationsrechnungen in die Vergangenheit zurückverfolgt. Die Analyse zeigt, dass sich bis zur Entstehung unseres Sonnensystems keine Konstellation ergibt, bei der sich die Bewegungsrichtung des Brockens in die heute beobachtete Richtung hätte drehen können. 2015 BZ509 muss also aus einem anderen Sonnensystem stammen und eingefangen worden sein, folgerten die Wissenschaftler.

spiegel


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