Kosovo-Anerkennung: Reue der Ex-Chefanklägerin in Den Haag kommt zu spät – Experte

  08 November 2018    Gelesen: 184
Kosovo-Anerkennung: Reue der Ex-Chefanklägerin in Den Haag kommt zu spät – Experte

Die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Carla Del Ponte, hat eingeräumt, dass der Westen sich mit der Anerkennung des Kosovo wohl überstürzt hatte. Diese Reue, obwohl sie begrüßenswert ist, kommt für den serbischen Politologen Cvijetin Milivojevic zu spät.

In einem Interview für den albanischen TV-Sender Ora News am vergangenen Sonntag hatte Del Ponte die Anerkennung des Kosovo als unabhängigen Staat als übereilt bezeichnet. Der amtierende kosovarische Premierminister Ramush Haradinaj sei zudem vom Tribunal zu Recht verurteilt worden und habe es nicht verdient, Regierungschef zu sein.

„Für mich ist das Kosovo immer noch sehr fraglich“, sagte die Schweizer Juristin.

Dass ehemalige westliche Funktionäre in dieser Frage Reue zeigen, ist nichts Neues: Der Ex-Botschafter der USA in Belgrad, William Montgomery, hatte zuvor den westlichen Staaten vorgeworfen, Serbien nicht respektvoll behandeln zu wollen. Und dies trotz der Kompromissbereitschaft Serbiens, die es mit allen Mitteln zeige. Er sprach sich zudem gegen die Bildung einer kosovarischen Armee aus.

Der britische General Micheal Rose, der ehemalige Oberkommandierende der Uno-Friedensmission United Nations Protection Force (UNPROFOR) während des Bosnienkrieges 1992-1995, hatte seinerseits erklärt, es gebe keine Beweise, dass das Markale-Massaker in Sarajewo, bei dem 68 Zivilisten starben, auf das Konto von Serben gehe. Dabei könne es sich durchaus um eine Provokation seitens der Bosniaken gehandelt haben.

Im Gerichtsprozess um den bosnisch-serbischen General Ratko Mladic hatte Rose zudem eingestanden, dass die Serben im Bosnienkrieg immer für Verletzungen der Feuerpause „bestraft“ wurden, während die Bosniaken unbestraft handeln konnten. Er erzählte zudem, wie die Nato und die USA bosnische Muslime mit Waffen belieferten.

Der politische Analytiker Cvijetin Milivojevic steht solchen Erklärungen skeptisch gegenüber. Nach dem Abgang von ihren Posten, auf denen sie „loyal und mit übertriebener Energie antiserbische Politik“ betrieben hätten, seien diese Menschen jetzt auf einen finanziellen Vorteil aus.

So betreibe Montgomery derzeit Lobbyarbeit. Auch Carla Del Ponte finde Selbstbereicherung nicht unter ihrer Würde. Das finanzielle Interesse kann laut dem Experten einer der Gründe für den Sinneswandel einiger westlicher Funktionäre sein.

„Aber wenn man die Sache nüchtern betrachtet, nutzt diese verspätete Reue von Del Ponte gar nichts“, betonte der Politikwissenschaftler gegenüber Sputnik.

Die Chefanklägerin hätte damals in Den Haag etwas unternehmen können, um die Anerkennung des Kosovo zu beeinflussen, habe dies aber nicht getan.

„Man muss ein echter Masochist sein, um sich darüber zu freuen, dass Del Ponte plötzlich etwas sagt, was sie noch in der Zeit hätte sagen sollen, als ihre Worte noch etwas galten.“

Die Schweizer Juristin sei nach dem Tribunal eine „fruchtbare Autorin“ geworden. Auf den Seiten ihrer Bücher „berichtige“ sie ihre Fehler von damals: „Ich sehe keine andere Erklärung, außer dass sie sich jetzt als Lobbyistin in jemandes Vertrauen einschleichen will. Und ich glaube wirklich, dass sie Lobbyismus betreibt.“

Anstatt sich über solche Erklärungen zu freuen, sollten die Serben laut Milivojevic pragmatischer sein. „Worin besteht der politische oder irgendein anderer Nutzen für die serbische Seite, dass General Rose seine Meinung über uns geändert hat?“, fragt der serbische Experte.

Wie jedes andere Volk auch verspürten auch die Serben den Wunsch, dass jemand ihnen Recht gibt. Doch pragmatischer veranlagte Völker und Eliten machen laut Milivojevic alles dafür, um die entsprechenden Kräfte auf ihre Seite zu ziehen, während die wichtigen Entscheidungen getroffen werden, und nicht erst danach.

sputniknews


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