Wie Donald Trump die OPEC das Fürchten lehrt

  06 Dezember 2018    Gelesen: 862
Wie Donald Trump die OPEC das Fürchten lehrt

Auf dem heutigen Treffen in Wien muss die OPEC ihre Handlungsfähigkeit beweisen. Das Kartell steht unter Druck, seine Macht schwindet von Tag zu Tag. Daran ist Donald Trump nicht ganz unschuldig.

Es ist ein Kurssturz, der seinesgleichen sucht: Zahlte man Anfang Oktober noch mehr als 86 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Rohölsorte Brent, waren Anfang Dezember nur noch gut 60 Dollar fällig. Der Ölpreis ist damit binnen nur zwei Monaten um rund 30 Prozent gefallen.

Das ist den in der OPEC organisierten Förderländern naturgemäß ein Dorn im Auge. Am heutigen Donnerstag trifft sich das Ölkartell in Wien, am Freitag kommen die kooperierenden Staaten hinzu (OPEC+).

Ohne Russland geht gar nichts

Ziel ist es, den Ölpreis zu stabilisieren. "Dafür müsste die OPEC die Ölproduktion um rund eine Million Barrel pro Tag reduzieren und gleichzeitig die mit ihr verbündeten Nicht-OPEC-Länder zu einer Kürzung um 300.000 Barrel pro Tag gewinnen", rechnen die Rohstoff-Experten der Commerzbank vor.

Das verdeutlicht einmal mehr: Die OPEC ist zunehmend auf die Unterstützung ihrer zehn Partnerländer, allen voran Russland, angewiesen. Es ist kein Geheimnis, die Bedeutung des großen Ölkartells schwindet.

Geschwächt durch Katar-Austritt

Erst zu Wochenbeginn musste die OPEC einen schweren Schlag hinnehmen: Nach fast sechs Jahrzehnten verkündete das Emirat Katar seinen Ausstieg aus dem Kartell. Es ist ein Austritt mit Symbolwirkung.

"Das war ein Paukenschlag", meint Rohstoffexperte Jan Edelmann von der HSH Nordbank. "Die Vorgehensweise deutet auf Differenzen mit Saudi-Arabien und anderen Mitgliedern hin."

Dabei liegen die größten Herausforderungen des Kartells gar nicht innerhalb, sondern außerhalb der eigenen Reihen. Denn einer der wesentlichen Auslöser für den stärksten Ölpreisverfall seit zwei Jahren ist Donald Trump. Der US-Präsident hat ein ureigenes Interesse an einem niedrigen Ölpreis, um seine Wählerschaft bei Laune zu halten.

Ölschwemme "made in USA"

So war es Trump, der im zeitlichen Umfeld der US-Midterms mit seinen großzügigen Ausnahmen bei den Iran-Sanktionen dafür sorgte, dass sich die Förderausfälle der Mullahs bisher in Grenzen halten. Zudem setzte der von ihm initiierte Handelskrieg gegen die Volksrepublik China die Konjunktur der zweitgrößten Ökonomie der Welt derart unter Druck, dass das Reich der Mitte deutlich weniger Öl nachfragt.

Vor allem aber schaffte der amerikanische Präsident im eigenen Land die regulatorischen Voraussetzungen, dass die US-Schieferölindustrie fördern kann, was das Zeug hält.

Der neue Ölmarkt – zu schnell für die OPEC?

Dank des Fracking-Booms stiegen die USA 2018 zur Öl-Supermacht auf, überholten sogar Russland als weltgrößten Ölproduzenten. Und die Schieferöl-Produktionsmenge wächst dank immer besserer Fördertechniken immer weiter. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) dürfte bis 2025 etwa die Hälfte des Wachstums bei Rohöl aus den USA stammen.

Kein Wunder. Während die Erschließung eines neuen Fracking-Feldes nur knapp ein halbes Jahr und wenige Million Dollar kostet, braucht es für die von der OPEC praktizierte konventionelle Erschließung neuer Ölfelder meist viele Jahre und mehrere Milliarden Dollar.

Machtgefüge auf dem Ölmarkt völlig aus den Fugen

Der jüngste Preisverfall bei Öl zeigt, dass das Kartell die Geschwindigkeit, mit der sich die Schieferölproduktion ausweitet, unterschätzt hat. Schon wieder. Wir erinnern uns: 2014 hatte ein durch den Fracking-Boom getriebenes massives Überangebot den Ölpreis zeitweise unter 30 Dollar fallen lassen. Erst 2016 gelang es dem Kartell, den Preis zu stabilisieren.

Gut möglich, dass sich die OPEC nun auf ihrem Treffen in Wien zu Förderkürzungen durchringt. Doch ob das Kartell wirklich noch die Macht hat, die Ölpreise in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken, muss sich weisen. Denn Donald Trump hat nicht nur die Weltpolitik, sondern auch die Entwicklung des Ölpreises völlig unberechenbar gemacht.

Quelle: boerse.ard


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