Impfkampagne soll Zehntausende Leben retten

  22 April 2019    Gelesen: 307
 Impfkampagne soll Zehntausende Leben retten

Alle zwei Minuten stirbt der Weltgesundheitsorganisation zufolge ein Kleinkind an Malaria. Eine große Offensive soll die Krankheit eindämmen - doch die Wirkung des Impfstoffs ist begrenzt.

Malaria ist heilbar, dennoch sterben jedes Jahr in Afrika 250.000 Kinder an der von Stechmücken übertragenen Krankheit. Am Dienstag startet nun eine Impfkampagne, die Impfstoff gegen Malaria erstmals in großem Maßstab einsetzen will.

Im Rahmen eines Pilotversuchs sollen zuerst in Malawi, später auch in Ghana und Kenia bis 2022 insgesamt jedes Jahr rund 360.000 Kleinkinder gegen die gefährliche Krankheit geimpft werden. "Die Impfung hat das Potenzial, das Leben von Zehntausenden Kindern zu retten", sagt Mary Hamel, Koordinatorin des Malaria-Impfprogramms bei der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die Krankheit wird durch Anopheles-Mücken übertragen, die vor allem nachts zustechen. Malaria verursacht Fieber, Blutarmut und neurologische Probleme und kann unbehandelt rasch tödlich verlaufen. Einen Impfstoff gegen die widerstands- und anpassungsfähigen Parasiten zu entwickeln, gilt als wesentlich schwieriger als Impfstoffe gegen Viren - wie zum Beispiel jene, die Masern oder Ebola auslösen.

Der von GlaxoSmithKline entwickelte Impfstoff "RTS,S" wirkt gegen den in Afrika verbreiteten und gefährlichsten Malaria-Erreger "Plasmodium falciparum". Drei Jahrzehnte lang hatte der britische Arzneimittelkonzern an dem Impfstoff gearbeitet.

Dessen Schutzwirkung ist allerdings begrenzt. In der größten klinischen Studie mit rund 15.000 Kindern hat der Impfstoff rund 40 Prozent der Erkrankungen und etwa 30 Prozent der schweren Malaria-Fälle verhindert.

Für eine volle Wirksamkeit müssten Kleinkinder zudem vier Spritzen bekommen. Die ersten drei Impfungen sollen im Alter von etwa fünf bis neun Monaten stattfinden, die vierte etwa im Alter von zwei Jahren. Nicht alle Impfungen fallen mit anderen Routineimpfungen zusammen. Es wird daher eine Herausforderung für den Pilotversuch, sicherzustellen, dass Eltern ihre Kinder tatsächlich zu allen vier Impfterminen bringen, vor allem in abgelegenen Gebieten.

Studienergebnisse zeigten auch, dass die Wirkung des Impfstoffs mit der Zeit nachlässt- eine Impfung reicht also nicht aus, um Kinder lebenslang vor der Malaria-Gefahr zu schützen. Darüber müssen die Eltern informiert werden, damit sie nicht plötzlich auf andere Präventionsmittel wie Moskitonetze verzichten.

Auch mit Insektizid behandelte Moskitonetze böten nur teilweise Schutz, schränkt Pedro Alonso, der Direktor des Malaria-Programms der WHO, ein. "Der Kampf gegen Malaria ist einer, in dem wir unvollkommene Werkzeuge nutzen. Die beste Wirkung können wir nur haben, wenn wir sie kombinieren", so Alonso.

Nach Jahren des Fortschritts ist die Zahl der Erkrankungen weltweit zuletzt wieder gestiegen. 2017 stiegen die dokumentierten Malaria-Fälle im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwei Millionen auf 219 Millionen Fälle an. 435.000 Menschen starben an Malaria. Gut 90 Prozent aller Erkrankungen ereignen sich in Afrika.

spiegel


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