Israel ist auf alles vorbereitet

  18 Mai 2019    Gelesen: 327
Israel ist auf alles vorbereitet

Sowohl die USA als auch der Iran haben bekräftigt, kein Interesse an einem Krieg zu haben. Sollte es dennoch dazu kommen, wäre Israel mit großer Sicherheit ein Ziel iranischer Angriffe.

Mit Besorgnis schauen die Politiker dieser Welt derzeit wieder auf den Nahen Osten. Vor allem nach den Vorwürfen von Sabotageangriffen auf Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch durch einen Drohnenangriff auf eine saudische Pipeline durch die von Teheran unterstützten jemenitischen Huthi-Rebellen sowie die Entsendung von US-Kriegsschiffen und Bombern in die Region.

Seitdem US-Präsident Donald Trump vor einem Jahr das Atomabkommen mit dem Iran kündigte und kurze Zeit später ein Ölembargo verhängte, haben die Spannungen zwischen den beiden Ländern stetig zugenommen. Trump hofft, das Mullah-Regime entweder zu einem Deal zu zwingen oder seinen Zusammenbruch einzuleiten. Dennoch bekräftigten beide Seiten, sie seien nicht an einem Krieg interessiert.

Sollte es doch dazu kommen, durch Missverständnisse oder Fehleinschätzungen, würde der Iran mit großer Sicherheit auch Israel angreifen. "Die Drohgebärden aus Teheran werden in Israel sehr ernst genommen" sagt Shaul Drori, ein ehemaliger Mossad-Agent, der in seiner aktiven Zeit für iranische Angelegenheiten zuständig war. "Bei einem Treffen mit hohen Offizieren der israelischen Streitkräfte wurden mehrere Szenarien von einer bevorstehenden Konfrontation am Persischen Golf geprüft."

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu trägt Trumps Iran-Politik nicht nur mit, er hat sie maßgeblich beeinflusst. Durch seine publikumswirksame Aufdeckung des iranischen Atomprogramms bewog er den US-Präsidenten dazu, das Atomabkommen zu kündigen. Er überzeugte Trump davon, dass eine Kombination aus lähmenden Wirtschaftssanktionen und einer glaubwürdigen militärischen Bedrohung den Iran zwingen werde, einem neuen Atomabkommen zuzustimmen, das den Verzicht auf die regionalen Aktivitäten - vor allem in Syrien, aber auch im Jemen - einschließt.

Das allerdings ist nicht der Grund, warum Israel von Iran bedroht wird: Die Vernichtung des jüdischen Staates gehört für das Mullah-Regime zur Staatsräson. "Deshalb setzen einige Falken in Jerusalem auf eine Eskalation mit den Ayatollahs", sagt Drori.

Netanjahu selbst machte zwar stets deutlich, dass er eine iranische Militärpräsenz in Syrien nicht akzeptieren werde. Gleichzeitig erklärte der Ministerpräsident aber auch, Israel werde alle Schritte unternehmen, um sich aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran herauszuhalten. Netanjahu weiß, dass eine Konfrontation zwischen Washington und Teheran zu einem Flächenbrand werden könnte. Die pro-iranische Terrororganisation Hisbollah aus dem Libanon würde Tausende präzisionsgelenkter Raketen auf israelische Bevölkerungszentren abfeuern. Der Verlust an Leben und der Schaden für die Wirtschaft wären enorm.

Erst kürzlich feuerte der Islamische Dschihad, ein weiterer Verbündeter Teherans, aus dem Gazastreifen mehr als 600 Raketen auf Israel. Dies war wohl eine Art Täuschungsmanöver für iranische Operationen in Syrien und im Irak. "Der Iran versteht sich nicht als schwacher Staat, der keine andere Wahl hat, als vor US-Ultimaten zu kapitulieren, sondern als gleichberechtigter Rivale", sagt Galia Lavi vom Institut für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. "Die geopolitische Sphäre der Ayatollahs und ihre militärische Reichweite durch ihre Stellvertreter reicht mittlerweile über Bagdad und Damaskus bis Beirut."

Ob es wirklich zu einem Krieg kommt? Leutnant Yaron Duvdevani vom Nordkommando der israelischen Armee wiegelt ab. "Eine Konfrontation zwischen Washington und Teheran wäre die letzte militärische Phase der iranischen Strategie", sagt er. Es sei schwierig, das mögliche Ausmaß eines solchen Zusammenstoßes einzuschätzen. "Aber wir sind auf alles vorbereitet."

n-tv


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