Kinderarbeit, Salmonellen, Abholzung: US-Firma „schlimmstes Unternehmen der Welt“

  12 Juli 2019    Gelesen: 514
  Kinderarbeit, Salmonellen, Abholzung: US-Firma „schlimmstes Unternehmen der Welt“

Internationale Konzerne wie Nestlé oder Monsanto richten international massiven Schaden an. Doch die meisten Kunden kennen nicht mal das Schlimmste: Das US-Familienunternehmen „Cargill“ hat weltweit knapp 150.000 Mitarbeiter, liefert auch an deutsche Supermärkte und fördert Umweltzerstörung, Kinderarbeit und sogar Verschleppung.

Sie kennen das Unternehmen „Cargill“ nicht? Dann geht es Ihnen wie einem Großteil der Bevölkerung. Das könnte daran liegen, dass das US-Unternehmen selbst kaum eigene Produkte in den Handel bringt, sondern zumeist als zuliefernder Hersteller agiert. Zu den größten Kunden von Cargill gehören unter anderem Nestlé, McDonalds, Burger King, Aldi, Edeka, Walmart, Kellogg’s, Danone und Unilever. Die Chancen, dass bisher also schon einmal ein Cargill-Produkt im Einkaufswagen gelandet ist, stehen mehr als günstig. Den Firmennamen selbst findet man auf den Waren allerdings nicht.

Kaum bekannt, groß im Geschäft

In den Fokus der Öffentlichkeit ist „Cargill“ erst jetzt geraten: Die Umweltschutzorganisation „Mighty Earth“ recherchiert seit Jahren weltweit zu Unternehmen, die Regenwälder roden, Arbeiter- und Menschenrechte missachten und die Umwelt verschmutzen. Dabei stellt die Organisation fest, auf den Großkonzern „Cargill“ trifft all das zu:

"Heute hat ein privat geführtes Unternehmen vielleicht mehr Macht, das Klima, das Wasser, die Ernährungssicherheit, die öffentliche Gesundheit und die Menschenrechte der Welt zu zerstören oder zu schützen als jedes andere Unternehmen in der Geschichte."

Mit diesen Worten beginnt der nun veröffentlichte Bericht der Umweltschutzorganisation. Weiter heißt es dort, Cargill sei das „schlimmste Unternehmen der Welt“.

Eine Liste des Grauens

Die Liste der Verfehlungen des US-Unternehmens ist lang und äußerst umfangreich. Als Beweise wurden Dokumente von Gerichten und Behörden, Berichte anderer Organisationen, sowie eigene Recherche-Ergebnisse von „Mighty Earth“ angeführt. So soll Cargill ein Kunde von Plantagen in Kuala Lumpur, Indonesien, Usbekistan und der Elfenbeinküste sein, auf denen Sklaven- und Kinderarbeit gängige Praxis sei. Es wird sogar der Fall genannt, in dem Kinder aus Mali an die Elfenbeinküste verschleppt worden seien, um dort auf einer Kakaoplantage zu arbeiten – bis zu 14 Stunden täglich, ohne Bezahlung, wenig Essen und unter andauernder körperlicher Gewalt.

Eigene Gesetze…

Auch versuche Cargill permanent, gesetzliche Regelungen zu umgehen. Beispielsweise wird das Unternehmen beschuldigt, sich nur durch einen Trick massiv Land in Kolumbien angeeignet zu haben. Dort gelten eigentlich Gesetze gegen die Konzentration von Land auf einen einzigen Besitzer. Cargill soll deshalb 36 Tochterunternehmen gegründet haben, um diese Gesetze zu umgehen. Insgesamt mehr als 52.000 Hektar Land konnte der Konzern so kaufen.

Weltweite Umweltzerstörung

Führend sei Cargill auch beim Thema Umweltverschmutzung. 2004 habe eine Fabrik des Unternehmens rund 250 Millionen Liter säurehaltiges Abwasser in einen Fluss geleitet. In San Francisco sei so mehrfach toxische Salzlake in ein Naturschutzgebiet gelang und dort Fische und Pflanzen getötet haben. In Südamerika sei Cargill dafür verantwortlich, dass riesige Flächen Regenwald für den Sojaanbau abgeholzt würden. In den USA ist Cargill 2005 von der Regierung und zehn Bundesstaaten wegen systematischer Verletzung der Luftreinheitsgesetze verklagt worden. Der Verbraucher ist gelegentlich sogar ganz direkt von den Verfehlungen des Konzerns betroffen: Mehrere Fälle von Salmonellen- und E.Coli-Ausbrüchen sind auf verunreinigtes Fleisch in Fast-Food-Ketten von Cargill zurückgeführt worden.

Chance vertan…

Vor der Veröffentlichung des Berichts hatte die Nichtregierungsorganisation „MightyEarth“ im Januar mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen. So sollte Cargill die Gelegenheit gegeben werden, Verantwortung zu übernehmen und Vorschläge für Verbesserungen und mehr Nachhaltigkeit zu äußern. Wenige Tage vor Veröffentlichung habe Cargill-Chef David MacLennan persönlich um Zeit gebeten, um die Empfehlungen des Berichts zu überdenken und gegebenenfalls umzusetzen. Passiert sei dann aber nichts.

Von Schokolade bis „Chicken McNuggets“

Cargill hatte zuletzt (2016) einen Jahresumsatz von rund 107 Milliarden US-Dollar, das entsprach einem reinen Netto-Gewinn von mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Minnesota wurde 1865 gegründet und ist eines der größten multinationalen Familienunternehmen weltweit. Den Produkten kann man als Verbraucher nur schwer entkommen: Cargill baut Baumwolle, Weizen, Mais, Gerste und Hirse an, stellt Futtermittel für Rinder, Schweine, Geflügel und Fische her, ebenso wie Schokolade, Chips, Fleisch- und Eierprodukte. Der US-Konzern ist ganz nebenbei auch der größte Produzent von Rinderhackfleisch und Hamburgern: Hauptkunde ist McDonalds, für den Cargill auch die beliebten „Chicken McNuggets“ herstellt. Selbst für Zusatzstoffe in Kosmetika, für Straßenbeläge, Biotreibstoffe oder Enteisungsmittel ist das Unternehmen zuständig.

Sagt es weiter…

Ob der Bericht für Cargill Konsequenzen haben wird, ist allerdings unklar. In den USA und anderen Ländern laufen ohnehin bereits Verfahren gegen den Konzern, der sich allerdings die besten Anwälte leisten kann. Wichtig sei „MightyEarth“ vor allem eine große Öffentlichkeit: Je mehr Verbraucher über die Machenschaften des Konzerns Bescheid wüssten, umso mehr könnten sie wiederum Druck auf Aldi, Edeka und Co. ausüben, damit diese Cargill aus ihrem Sortiment streichen. Eine offizielle Stellungnahme deutscher Supermärkte zu dem „Mighty Earth“-Bericht gibt es übrigens nocht nicht.

sputniknews


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