Erdogan zeigt Anti-Kurden-Video im Oval Office

  15 November 2019    Gelesen: 488
 Erdogan zeigt Anti-Kurden-Video im Oval Office

Der türkische Präsident Erdogan hat seine Zuhörer im Weißen Haus mit einem Video überrascht. Es sollte seine Sichtweise stützen, dass Kurden Terroristen seien. Senator Lindsey Graham reagierte empört.

Bei einem Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Weißen Haus kam es am Mittwoch offenbar zu einem Eklat: Um seine Ansicht zu unterstreichen, dass es sich bei der mit den USA verbündeten kurdischen YPG-Miliz um Terroristen handele, zeigte Erdogan ein Video auf einem mitgebrachten iPad.

US-Medien berichten nun, anwesende US-Senatoren der Republikaner sollen darauf irritiert reagiert haben. Ein nicht namentlich genannter Republikaner sagte CNN, der von Erdogan mitgebrachte Film sei "absurd" gewesen, und "reine Propaganda". Zuerst hatte die Webseite Axios darüber berichtet.

Das Treffen dauerte CNN zufolge 90 Minuten. Mehre anwesende US-Senatoren der Republikaner hatten davor und danach hitzig mit Erdogan diskutiert. Trump habe der Quelle zufolge eher als "Verkehrspolizist" vermittelt.

Vor allem Senator Lindsey Graham soll mit Erdogan nach der Filmvorführung verbal aneinandergeraten sein. Laut einer anonymen Quelle, die Axios zitiert, soll Graham Erdogan gefragt haben: "Soll ich zu den Kurden gehen und sie bitten, ein Video darüber zu produzieren, was ihr gemacht habt?"

Auf Axios-Nachfrage bestätigte Graham, dass es mit Erdogan zu einer Konfrontation kam. "Das türkische Narrativ, sie hätten mehr zu der Zerstörung des "Islamischen Staats" beigetragen (als die Kurden"), habe ich energisch zurückgewiesen. Und ich habe die Türkei wissen lassen, dass 10.000 Kämpfer der SDF, größtenteils Kurden, im Kampf gegen den IS gelitten haben, verletzt wurden und starben, und dass Amerika das nicht vergessen und sie nicht im Stich lassen wird."

Neben Graham wohnten CNN zufolge auch die Senatoren Jim Risch, Ted Cruz, Joni Ernst and Rick Scott dem Treffen bei. Politisch ist das Verhältnis zwischen den USA und Nato-Partner Türkei wegen der Kurdenfrage und wegen des Kaufs eines russischen Waffensystems stark belastet.

Nachdem die USA ab Anfang Oktober den Großteil ihrer Soldaten aus Nordsyrien zurückriefen, hatte die türkische Armee in Nordsyrien eine Offensive gestartet. Deren Ziel war es, kurdische Kräfte der YPG aus einem Korridor entlang der türkisch-syrischen Grenze zurückzudrängen. Die Kurden in Syrien warfen den USA, für die sie verlustreich gegen den IS gekämpft hatten, daraufhin vor, Washington habe sie im Stich gelassen.

Weiterer Streitpunkt zwischen Ankara und Washington: Die Türkei kauft von Russland das Raketenabwehrsystem S-400, ein für einen Nato-Staat außergewöhnlicher Schritt. Die USA hatten die Türkei als Reaktion darauf von der Entwicklung des neuen Kampfjets F-35 ausgeschlossen und wollen wegen Sicherheitsbedenken das Flugzeug auch nicht mehr an die Türken liefern.

Quelle : spiegel.de


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