Kapitän Gensheimer kämpft gegen die Krise

  13 Januar 2020    Gelesen: 420
Kapitän Gensheimer kämpft gegen die Krise

Uwe Gensheimer spielt bisher nicht die EM, die er sich vorgestellt hatte. Dabei ist unbestritten, dass er zu Außergewöhnlichem in der Lage ist. Findet der Linksaußen zu seinem Spiel und zu seiner Treffsicherheit zurück, hebt das die DHB-Auswahl auf ein anderes Niveau. Das ist dringend nötig.

Die bohrende Frage nach seinem Leistungsloch gefiel Uwe Gensheimer gar nicht. "Nee", sagte der Kapitän der deutschen Handballer kurz angebunden auf die Frage, ob es Gründe für seine ungewohnt schwachen EM-Auftritte gibt. Stattdessen blickte Gensheimer lieber nach vorn. im Spiel gegen Lettland wolle er "vorangehen und meine Leistung zeigen", sagte der 33-Jährige (ab 18.15 Uhr im ZDF und im Liveticker bei ntv.de). In der Partie geht es für das deutsche Team um den Einzug in die Hauptrunde.

Die deutsche Mannschaft braucht einen starken Kapitän. Und Gensheimer erhielt die volle Rückendeckung von Bundestrainer Christian Prokop, der die bisherigen Spiele abhakte: "Uwe hat enorme Qualitäten. So dass ich auf Deutsch gesagt - verzeihen sie den Begriff - sage: Scheiß drauf." Am Samstag hatte Gensheimer wie ein Häufchen Elend in den Katakomben der Spektrum Arena gesessen. Der Weltklasse-Linksaußen vergrub den Kopf in beiden Händen und mochte kaum aufschauen. Die unerwartet deutliche 26:33-Schlappe gegen Spanien setzte Gensheimer arg zu, wieder konnte der Anführer dem deutschen Spiel keine entscheidenden Impulse verleihen.

So ganz und gar nicht sein Turnier
Statt selbst zu glänzen musste er feststellen, dass die Spanier auf jeder Position besser waren. "Es ist jetzt nichts abgeschrieben, aber wir müssen schnell wieder die Köpfe hochkriegen, um in den nächsten Partien eine bessere Leistung zu zeigen", sagte er. Gensheimer sprach von der gesamten Mannschaft - und meinte vor allem auch sich selbst. Die EM ist bislang so ganz und gar nicht sein Turnier. Nach der Roten Karte zum Auftakt gegen die Niederlande schmorte er gegen Spanien nach blasser erster Hälfte die zweite Halbzeit auf der Bank, während EM-Debütant Patrick Zieker es auf Linksaußen nicht besser machte.

"Von der Chancenverwertung her spielt Uwe momentan nicht optimal", sagte Prokop. Auch dem Coach ist nicht entgangen. Wie schon im ersten Spiel vergab sein Leader auch am Samstag zwei Siebenmeter. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, doch aus irgendeinem Grund fehlt Gensheimer in der Nationalmannschaft momentan die Leichtigkeit. "Ich glaube nicht, dass Uwe überfordert ist. Aber er macht sich persönlich sehr viel Druck, weil er erfolgreich für die Mannschaft vorangehen möchte", urteilte der Bundestrainer: "Uwe ist ein Weltklassespieler. Er kann super Handball spielen. Da wird nicht lange nachgekartet, sondern aufs nächste Spiel geschaut."

Für den Star der Rhein-Neckar Löwen geht es bei der EM in Norwegen, Österreich und Schweden um sein vielleicht letztes großes sportliches Ziel - endlich einen Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen. Gensheimer will schließlich nicht als "Uwe, der Unvollendete", abtreten. Ob er der Mannschaft den Sprung ins Halbfinale noch zutraut? "Klar", sagte Gensheimer.

n-tv


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