Zahl der Patienten steigt sprunghaft an - auf 201

  20 Januar 2020    Gelesen: 607
Zahl der Patienten steigt sprunghaft an - auf 201

In China breitet sich eine neuartige Lungenkrankheit rasant aus: Die Zahl der bestätigten Fälle hat sich offiziellen Angaben zufolge mehr als verdreifacht. Zudem gibt es inzwischen drei Todesopfer.

Nach dem Ausbruch der rätselhaften Lungenkrankheit in China ist die Zahl der bestätigten Fälle sprunghaft gestiegen: auf 201. Bis Sonntag waren erst 62 Fälle offiziell bestätigt worden. Zudem starb ein weiterer Patient, wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Stadt Wuhan am Montag berichtete. Damit gebe es nun insgesamt drei Todesfälle.

Erstmals wurden auch Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus an anderen Orten in China entdeckt: Im Bezirk Daxing in Peking testeten zwei Patienten positiv auf das neue Coronavirus, in Shenzhen in Südchina einer. Alle drei waren vorher in Wuhan gewesen. Der Großteil der Infektionen konzentrierte sich mit 198 Fällen weiter auf die 11-Millionen-Metropole. Von den Patienten dort sind 35 schwer erkrankt und neun in einem kritischen Zustand, wie die Gesundheitsbehörde berichtete.

Britische Forscher gehen von 1700 Infizierten aus
Forscher am britischen Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College London gehen davon aus, dass die Ausbreitung der Krankheit sehr viel größer ist als bisher bekannt: Sie schätzen die Zahl der Infizierten auf mehr als 1700.

Zudem warnen Experten vor einer möglichen Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch. Chinas Gesundheitskommission mahnte in Peking zur Vorsicht, weil der Ursprung des neuen Typs von Coronavirus noch nicht gefunden sei. Auch sei nicht sicher, wie sich Menschen ansteckten: "Die Übertragung wird noch nicht völlig verstanden." Trotzdem hielten Experten den Ausbruch für "kontrollierbar".

Es wird vermutet, dass das neuartige Virus aus der Tierwelt kommt. Die anfänglichen Infektionen wurden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch wilde Tiere verkauft wurden. Coronaviren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen - allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu.
Auch das Sars-Virus, dem der neue Erreger ähnlich ist, stammte vermutlich aus der Tierwelt. Sars steht für "Severe Acute Respiratory Syndrome", also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Bei der Sars-Pandemie waren 2002/2003 von China ausgehend weltweit rund 8000 Menschen an der Lungenseuche erkrankt. Knapp 800 Personen starben. Damals war der Ausbruch anfangs vertuscht worden, was eine schnelle Reaktion verhindert und die Verbreitung zunächst begünstigt hatte.

Vor gut einer Woche hatten Experten die Gensequenz des neuen Virus entschlüsselt, was die Tests bei Patienten mit Lungenentzündungen unbekannter Ursache erleichtert. Auch im Ausland gibt es bereits Fälle. In Thailand sind zwei Infektionen und in Japan ein Fall bei Reisenden aus Wuhan bestätigt worden. Die drei Patienten hatten aber nicht den Tiermarkt besucht, wo der Ursprung vermutet wird. Das ließ Experten vor einer Übertragung von Mensch zu Mensch warnen. Am Montagmorgen meldeten auch die Behörden in Südkorea eine Infektion: Betroffen sei eine 35 Jahre alte Frau aus China, die am Sonntag von Wuhan aus nach Südkorea geflogen sei. Sie habe unter Fieber, Atemproblemen und anderen Krankheitssymptomen gelitten, teilten die Koreanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mit. Schließlich sei bei ihr das Coronavirus nachgewiesen worden.

Die Weltgesundheitsorganisation hat bisher keine Reisewarnung für Touristen ausgesprochen. Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) riet aber Reisenden nach Wuhan, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden. "Eine begrenzte Übertragung von Mensch zu Mensch könnte vorkommen", hieß es in der Mitteilung.

spiegel


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