Nach Tesla-Bränden: Droht auch Porsche ein Feuer-Trauma?

  20 Februar 2020    Gelesen: 605
Nach Tesla-Bränden: Droht auch Porsche ein Feuer-Trauma?

In den USA brannte ein nagelneuer Porsche Taycan völlig aus. Verletzt wurde niemand, die Ursache ist unklar. Dem Sportwagen-Hersteller droht dennoch ein Imageschaden – davon kann Tesla ein Lied singen, in dessen Autos bereits Menschen lebendig verbrannten.

Ein Elektro-Sportwagen vom Typ Porsche Taycan ist in einer Garage im US-Bundesstaat Florida ausgebrannt, wie verschiedene Medien am Dienstag berichteten. Auf Twitter kursierten dazu Berichte – angeblich soll der Wagen nagelneu gewesen sein und während des Feuers nicht am Ladekabel gehangen haben. Die Brandursache ist unklar.

Gegenüber FOCUS Online bestätigte ein Porsche-Sprecher den Vorfall: "Am Sonntag, den 16.02.2020, wurde Porsche darüber informiert, dass es im US-Bundesstaat Florida zu einem brandursächlichen Schaden in einer privaten Garage gekommen war, in der sich unter anderem ein Taycan befand. Die Ursache sowie der Hergang des Vorfalles werden gegenwärtig untersucht. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu weiteren Details erst äußern können, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind", heißt es bei dem Hersteller.

Elektro-Brände: Selten, aber folgenschwer

Für Porsche ist der Vorfall alarmierend, soll der Wagen doch endlich dem Erfolg der Elektro-Marke Tesla etwas entgegen setzen. Erst kürzlich war der Taycan in einem Reichweiten-Test der US-Behörde EPA schlecht beurteilt worden, was dem Hersteller viel Häme gerade von Tesla-Fans einbrachte. Fachleute des US-Magazins "Car & Driver" bewerteten derweil in einem Real-Vergleichstest die Reichweite des Porsche deutlich besser als die US-Behörden. Dennoch kann Porsche einen Vorfall wie den in Florida gerade am wenigsten gebrauchen.
Aufnahmen einer Tiefgaragenkamera: Explosion lässt Tesla in Flammen aufgehen

Der Hersteller Tesla hat sein "Feuer-Trauma" bereits erlebt, es gab diverse Brand-Zwischenfälle - die meisten beim Model S, aber auch einige Fälle beim Model X sowie beim Model 3. In China wurde von einer Überwachungkamera ein Fall aufgezeichnet, bei dem ein Tesla Model S sich spontan entzündete. Bei einigen Unfällen, etwa in der Schweiz und in den USA, verbrannten auch die Insassen lebendig in ihren Fahrzeugen, weil das Batterie-Feuer sich extrem schnell ausbreitete. In den USA ist dies Gegenstand zweier Klagen gegen den Hersteller, weil der Konzern eine spezielle, patentierte Schutzvorrichtung zur Brandhemmung angeblich nicht in seinen Model S-Fahrzeugen eingebaut haben soll, mit denen ein "Thermal Runaway" begrenzt wird - das gefürchtete "thermische Durchgehen" der Lithium-Ionen-Zellen, bei dem sich ein Feuer in Sekundenschnelle ausbreitet.
privat In einer Patentschrift aus dem Jahr 2010 beschreibt Tesla die Gefahren eines "Thermal Runaway", eines thermischen Durchgehens von Lithium-Ionen-Akkus

Brandrisiko bei E-Autos: Akkus sind das Problem

Das Brand-Risiko bei Autos mit Lithium-Ionen-Akkus ist weltweit auf dem Radar, auch weil die Marktanteile der Stromer in einigen Regionen sehr schnell steigen. Experten streiten darüber, wie groß das Risiko ist: Unter anderem der Hersteller Tesla behauptet immer wieder, seine Autos würden viel seltener brennen als Benzinfahrzeuge. Einige Untersuchungen bestätigen das. Versicherungs-Experten der Allianz allerdings weisen darauf hin, dass das Brandrisiko immer mit dem Alter korreliere und daher bei den noch jungen Elektroautos keine aussagekräftigen Daten vorliegen würden. Daher gehen sie davon aus, dass sich das Risiko im Lauf der Zeit dem von Hybriden und Benzin- oder Dieselautos angleichen wird .

Tiefgaragen und Tunnelbrände als Herausforderung
Bei technischen Defekten - die nicht immer im Akku liegen müssen, sondern auch in simplen Kurzschlüssen oder Problemen mit der Stromleitung im Haus - bereiten vor allem geschlossene Räume wie Tiefgaragen oder Tunnel Probleme, die man so von Benzinern bisher nicht kannte.

Eine Studie des Schweizer Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, die FOCUS Online vorliegt und im Sommer 2018 erschien, beschreibt die möglichen Risiken: "Wegen der reaktiven und teils hochgiftigen Materialen bestehen bei Batteriebränden in abgeschlossenen Räumen oder unterirdischen Infrastrukturen vor allem chemische Gefahren. Die freigesetzten Schadstoffe können sich aufgrund von eingeschränkten Belüftungsmöglichkeiten in der Luft konzentrieren und überschreiten für Menschen kritische Schwellenwerte schneller als im Freien, wo die Rauchgase eher verdünnt werden. Die in solchen Räumen oftmals nicht optimalen Flucht- oder Rettungsmöglichkeiten erschweren die Situation zusätzlich und tragen zur besonderen Gefährdung bei", heißt es in der Studie. Es werden darin mehrere Brandfälle aufgeführt, die den Hersteller Tesla betreffen.

Spezielle Löschanlagen als Lösung?

Auch die Schweizer Brand-Experten betonen allerdings, dass es bei Elektroautos grundsätzlich nach bisherigen Erkenntnissen kein erhöhtes Brandrisiko im Vergleich zu anderen Antriebsarten gebe. Der Vorschlag der Experten: Um Brände etwa in Tunneln oder Garagen zu verhindern, könnten Löschanlagen installiert werden; außerdem Messgeräte, die schon vor der Entstehung eines Brandes austretende Gase oder Gasgemisch erkennen und dann die Löschsysteme aktivieren. Diese Diskussion dürfte auch in Deutschland anstehen, wo der Elektroauto-Anteil rasant steigt.

Focus.de


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