Gosens berichtet aus "Geisterstadt" Bergamo

  22 März 2020    Gelesen: 980
  Gosens berichtet aus "Geisterstadt" Bergamo

Seit dem Champions-League-Duell gegen den FC Valencia, steht die Mannschaft von Atalanta Bergamo unter Quarantäne. Für den deutschen Profi Robin Gosens ist die Situation in seiner italienischen Wahlheimat nur schwer zu ertragen. "Wir leben in einer Geisterstadt", sagt der 25-Jährige.

Der deutsche Fußball-Profi Robin Gosens von Atalanta Bergamo hat ein dramatisches Bild der Lage im Norden Italiens durch die Coronavirus-Pandemie gezeichnet. "So drastisch es klingt: Aktuell leben wir in einer Geisterstadt", sagte der Außenbahnspieler im ZDF-Sportstudio. "Das ist an Traurigkeit aktuell nicht zu überbieten, was bei uns passiert, leider Gottes". 

"Ein erschütternderes Beispiel gibt es aktuell nicht, und ich glaube, dass Einzige, was wir tun können, ist appellieren, appellieren daran, dass jeder Einzelne einfach zu Hause bleiben sollte", betonte der 25-Jährige. Bergamo liegt inmitten der Krisenregion Lombardei, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen ist.

"Ich hoffe und bete, dass wir ein schreckliches Vorbild für andere Länder sein dürfen. Ich glaube, dass es eine Warnung sein sollte, sich in anderen Ländern so gut wie möglich auf so einen Zustand vorzubereiten", sagte Gosens, der bis zum Abbruch der Spielzeit in Italien mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Er selbst befinde sich derzeit weiter in häuslicher Quarantäne.

Fitnessübungen im Hinterhof als Highlight des Tages

Gosens hatte mit Atalanta beim FC Valencia das Viertelfinale der Champions League erreicht. Für den Klub war dies der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Nach fünf positiven Coronatests bei den Spaniern verkündete Bergamo am vergangenen Sonntag, dass die Mannschaft ab sofort unter Quarantäne steht.

"Wir dürfen das Haus nur verlassen, wenn wir Einkäufe erledigen müssen. Das darf dann leider auch nur noch mit Schutzmasken und Handschuhen passieren", erzählte der per Video in die Sportsendung zugeschaltete Gosens. "Ich habe nur meinen Hinterhof, wo ich meine Fitnessübungen mache und ein bisschen laufen gehe. Das ist dann mein Highlight des Tages".

Gosens beschrieb zudem, wie schnell die Coronakrise ihn und das Land getroffen habe. "Vor zehn Tagen war das noch gar nicht da. Da ist man ganz normal essen gegangen. Theoretisch hätte man sich da schon anstecken können". Ihm selbst gehe es "den Umständen entsprechend gut".

Wie es weiter geht, ist völlig offen. Die Serie A ist derzeit bis zum 2. April ausgesetzt, auch die Königsklasse ist gestoppt. "Wenn wir am 3. April wieder anfangen sollten, haben wir fünf Nachholspiele plus die Champions League", sagte Gosens über die anstehenden Fußball-Probleme. Diese stünden aber weit hinter den gesellschaftlichen zurück: "Es geht viel mehr um die Gesundheit der Menschen. Aber klar stellt man sich die Frage, wie es weitergeht."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/sid


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