Wie finde ich das passende E-Bike?

  06 Juli 2020    Gelesen: 647
  Wie finde ich das passende E-Bike?

Der E-Bike Boom hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Das hat zur Folge, dass der Markt darauf reagiert und eine Vielzahl an elektrisch befeuerten Fahrrädern anbietet. Doch welches ist das richtige? Fünf Tipps, die die Suche nach dem richtigen Pedelec erleichtern.

Die Corona-Krise hat in Deutschland den anhaltenden E-Bike-Boom weiter beflügelt, sodass sich in manchen Fahrradläden die Pedelec-Bestände unterdessen dramatisch geleert haben. Doch statt deshalb in Torschlusspanik zu verfallen, sollten Kaufinteressenten eines neuen E-Fahrrads unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und die Kaufentscheidung anhand einer persönlichen Bedarfsanalyse sowie Fachberatung und Probefahrt treffen.

Welcher Fahrradtyp soll es sein?

Im ersten Schritt sollte jeder klären, zu welchem Zweck das E-Bike vornehmlich genutzt werden soll. Wer nüchtern seinen Bedarf einschätzt, kann, auch mithilfe des Fachhändlers, eine passende Vorauswahl treffen. Soll sich das Rad gelegentlich in der Stadt, für lange Touren, für Ausflüge ins Gelände oder für die unkomplizierte Mitnahme im Zug eignen? Auch wenn einige Modelle Eindruck schinden: Nicht für jeden empfiehlt sich das vollgefederte Mountainbike. Und nicht jeder braucht preistreibende High-End-Lösungen wie Doppel-Akku und elektrische Funkschaltung. Während einen Gelegenheitsfahrer bereits Standard-Technik glücklich machen kann, sollten Berufspendler oder Radreisende bei der Ausstattung besser auf langlebige und wartungsarme Komponenten achten.

Welcher Antrieb ist für meine Zwecke der beste?

Mit einem Marktanteil jenseits der 90 Prozent ist der Mittelmotor die dominierende Antriebsart. Dieser überzeugt mit meist formschöner Integration und optimaler Gewichtsverteilung. Auch der einfache Radausbau im Pannenfall spricht trotz des höheren Verschleiß-Niveaus an Zahnrädern und Ritzeln für diese Konstruktion. Der Markt bietet eine Vielzahl guter Lösungen verschiedener Anbieter wie Brose, Shimano, Yamaha, Bafang oder Marktführer Bosch haben hier einiges im Angebot. Letzterer gilt vielen als Symbol für Qualität, was angesichts des guten Abschneidens von Bosch-Antrieben bei einem im Frühjahr 2020 veröffentlichten Vergleichstest von Stiftung Warentest auch bestätigt wurde.

Eine interessante Alternative zum Mittel- ist der Heckmotor, der in einigen Fällen kaum größer als eine Nabenschaltung ausfällt. Der Hinterradantrieb bringt das Drehmoment direkt auf die Straße und vermittelt deshalb ein spritzigeres Fahrgefühl. Als Besonderheit bieten Heckmotoren oftmals ein Energierückgewinnungssystem und eine Motorbremse. Der Frontmotor wird von vielen als Billiglösung verschmäht. Vor allem sein Einfluss auf die Lenkung wird als negativ empfunden. Tatsächlich können auch frontgetriebene Pedelecs Spaß machen. Ein besonderer Vorteil dieser Lösung: Sie lässt sich mit jeder Art von Getriebe kombinieren.

Apropos: Bei der Wahl der Schaltung können im Fall von Pedelecs auch einfache Lösungen reichen. Man sollte sich keinesfalls vom Übersetzungswahn konventioneller Räder leiten lassen. Meist reicht eine einstellige Gangzahl, eigentlich könnte sogar ein Gang genügen, da man ja vom Motor unterstützt wird. Ein paar mehr Gänge sind vor allem in hügeligen Gegenden ratsam, denn bergauf sind kurze Übersetzungen bekanntermaßen hilfreich. Eine Nabenschaltung ist eine schöne Lösung, aber kein Muss. Gleiches gilt für den sauberen und leisen Riemenantrieb, der aber auch mehr kostet als eine pflegeintensive und schneller verschleißende Kette.

Welche Akkugröße brauche ich?

Die meisten aktuellen Akkus haben eine Kapazität von 500 Wattstunden (Wh), seit einiger Zeit werden auch Batterien mit mehr als 600 Wh angeboten. Für den Alltagseinsatz reichen 500 Wh allemal, mit einem größeren Stromspeicher erkauft man sich vor allem Komfort. Wer gern mit viel Zuladung, auf Reisen, in bergigem Gelände unterwegs oder schlicht ladefaul ist, für den sind Doppel-Akku-Systeme mit bis zu 1000 Wh oder mehr eine tolle Lösung. Umgekehrt mögen etwa Kurzstreckenpendler, die zuhause und am Arbeitsplatz laden können, auch mit einem kleineren und dadurch leichteren sowie günstigeren Akku das Passende finden. Ist eine Batterie herausnehmbar, kann man übrigens auch später noch upgraden. Wer zum Beispiel plötzlich Lust verspürt, mit dem Pedelec auf Reisen zu gehen, kann sich einen zweiten Akku für die Mitnahme in der Gepäcktasche oder im Rucksack kaufen. Je kompakter der Akku, desto einfacher ist natürlich sein Transport.

Der Besuch im Fachhandel

Mit einer realistischen Bedarfs- und Budgeteinschätzung gewappnet, ist der Fachhändler der beste Ansprechpartner für E Bike-Käufer. Er hilft bei Beratung und Einordnung der unterschiedlichen Angebote, der persönlichen Abstimmung und ermöglicht die wichtige Probefahrt. Auch den Service-Aspekt des Fachhandels sollte man nicht unterschätzen, wie Lothar Schiffner vom Koblenzer Ergonomie-Spezialisten Ergon betont: "Ein Upgrade mit ergonomischen Komponenten wie einem auf Sitzposition und Gesäßknochenabstand angepassten Sattel kann das Fahrvergnügen drastisch vergrößern." Um den Fachhändler ganz für sich beanspruchen zu können, empfiehlt es sich, im Vorfeld einen Beratungstermin zu vereinbaren.

Wichtig: die Probefahrt

Seit dem Autoquartett der Kindertage orientieren sich viele Menschen gern an technischen Daten. Das gilt auch beim E‑Bike. Hier sind es Drehmoment, Akku-Kapazität und Gewicht. Und obwohl diese Daten Aussagekraft besitzen, zählen sie bei der Kaufentscheidung vor allem zu den "weicheren" Faktoren. Viel wichtiger ist: Wie fühlt sich das Fahren mit Antriebsunterstützung an? Ist es harmonisch und natürlich oder setzt der Motorschub plötzlich und ruckartig ein? Wie leise arbeitet der Motor? Ist die Bedienung des Gesamtsystem intuitiv? Komme ich auf Anhieb damit klar? Und vor allem: Fühle ich mich auf dem Rad wohl? Antworten kann nur eine längere Probefahrt geben. Übrigens am besten unter Realbedingungen: Wer mit dem Anzug ins Büro fährt und ein E‑Bike zum Pendeln sucht, macht sich auch für die Probefahrt schick, wer oft mit Taschen unterwegs ist, bringt sie mit.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x


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