So gefährlich ist Ammoniumnitrat

  05 Auqust 2020    Gelesen: 372
  So gefährlich ist Ammoniumnitrat

2750 Tonnen Ammoniumnitrat detonieren und legen den Hafen von Beirut in Schutt und Asche. Dass die gefährliche Chemikalie offenbar ungesichert untergebracht war, ist extrem ungewöhnlich. Die Substanz ist immer wieder für große Unglücke verantwortlich, wird aber auch bei Anschlägen eingesetzt.

Nach den verheerenden Explosionen mit mindestens 100 Toten und Tausenden Verletzten in Beirut geht die Suche nach der Ursache weiter. Laut libanesischen Behörden waren 2750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert, die seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht waren. Weshalb die Substanz explodierte, ist völlig unklar. Ammoniumnitrat ist ein starkes Oxidationsmittel, das zur Herstellung von Düngemittel, aber auch von Sprengsätzen verwendet wird.

Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. Auf Videos der Explosionen in Beirut sei zunächst schwarzer, dann roter Rauch zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste - ob diese kleine Explosion ein Unfall war oder beabsichtigt, weiß ich nicht", sagt Oxley.

Normalerweise wird die Chemikalie unter sehr strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen. Das geruchlose Salz war in den vergangenen Jahrzehnten für zahlreiche Explosionen verantwortlich - bei Unfällen und Anschlägen.

Auslöser des Dramas von Oppau

So wurden 1921 bei einem Unfall in einer Chemiefabrik des deutschen Unternehmens BASF in Oppau 561 Menschen getötet. 1947 explodierten im Hafen von Texas City zwei mit Ammoniumnitrat beladene Frachter, dabei starben bis zu 600 Menschen, Tausende wurden verletzt.

Der Attentäter des Anschlags in Oklahoma City 1995 mit 168 Toten verwendete beim Bau der Bombe zwei Tonnen der Substanz. Ebenso wie der Rechtsextreme Anders Behring Breivik bei der Herstellung einer Autobombe für seinen Amoklauf 2011 in Norwegen. In einer Chemiefabrik in Toulouse kamen bei der Explosion von rund 300 Tonnen Ammoniumnitrat 2001 insgesamt 31 Menschen ums Leben. Auch bei einer Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas starben im Jahr 2013 insgesamt 15 Menschen.

Trotz der Gefahren ist Ammoniumnitrat laut Oxley in der Landwirtschaft und für Sprengungen in der Bauindustrie unverzichtbar. "Ohne Sprengstoff wäre die moderne Welt nicht möglich, und ohne Ammoniumnitrat-Dünger könnten wir die heutige Bevölkerung nicht ernähren", sagt sie. "Wir brauchen Ammoniumnitrat - wir müssen nur genau darauf achten, was wir damit machen."

Quelle: ntv.de, tno/AFP


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