Neue Corona-Varianten in den USA aufgetaucht

  25 Februar 2021    Gelesen: 296
Neue Corona-Varianten in den USA aufgetaucht

In den USA sind unabhängig voneinander zwei neue Varianten des Coronavirus aufgetaucht - eine in New York, die andere in Kalifornien. Beide breiten sich regional zuletzt stark aus. Und es sind zum Teil wohlbekannte Mutationen, die Anlass zur Sorge geben.

Bisher sind es weltweit drei Varianten von Sars-CoV-2, welche Forscher weltweit im Blick behalten: jene aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Doch auch in den massiv von der Pandemie betroffenen USA stoßen Forscher auf neue veränderte Viren, die sich regional ausbreiten. So tauchen sowohl in New York City als auch in Kalifornien Varianten auf, die ganz eigene Kombinationen bekannter Mutationen aufweisen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass manche davon den Erreger ansteckender und widerstandsfähiger machen.

In New York City ist erstmals im November die neue Variante B.1.526 aufgetaucht, die sich mittlerweile über das Stadtgebiet verbreitet, wie die "New York Times" berichtet. Inzwischen macht sie mehr als ein Viertel aller sequenzierten Proben aus.

Unter B.1.526 werden zwei Mutationen unter einem Namen zusammengefasst. Eine davon ist die sogenannte S477N-Mutation. Forscher nehmen an, dass sie die Bindung von Sars-CoV-2 an die Zelle leicht erhöht - das Auftauchen bei verschiedenen Varianten unabhängig voneinander wird als Hinweis gewertet, dass es sich um einen Selektionsvorteil handelt. Die S477N-Mutation war zuvor etwa bei der Variante mit dem Namen 20A.EU2 beobachtet worden, welche sich bereits vergangenes Jahr in Europa ausgebreitet hatte, ohne jedoch großes Aufsehen zu erregen. Allerdings wurde 20A.EU2 etwa in Frankreich, wo sie zwischenzeitlich besonders verbreitet war, zuletzt zunehmend von der britischen Variante B.1.1.7 verdrängt.

Alter Bekannter

Bei der anderen Mutation der New Yorker Variante handelt es sich um die ebenfalls bereits andernorts aufgetauchte E484K-Mutation, die etwa bei den Varianten aus Südafrika und Brasilien vorkommt. E484K bereitet Forschern größere Sorgen, da es Hinweise darauf gibt, dass das Virus durch diese Mutation sowohl gegen die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers als auch gegen Impfstoffe besser gewappnet ist. Es wird befürchtet, dass Varianten mit der E484K-Mutation auch Genesene erneut infizieren könnten. Das Auftreten im Großraum New York, wo es seit der großen Infektionswelle im vergangenen Frühjahr 2020 bereits viele Genesene gibt, wird auch deshalb mit Sorge beobachtet.

Zudem haben sich zuletzt in Kalifornien neue Sars-CoV-2-Varianten ausgebreitet, die Forscher vor Fragen stellen. Die im Dezember erstmals entdeckte Variante, B.1.427/B.1.429 genannt, sei ersten Erkenntnissen zufolge wahrscheinlich ansteckender als das Ausgangsvirus, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf Wissenschaftler. In Kalifornien machte sie Ende Januar bereits mehr als die Hälfte der sequenzierten Proben aus, wie das Magazin "Science" berichtet - in Proben vom vergangenen September hingegen war sie gar nicht nachzuweisen. Auch in zahlreichen anderen Ländern wurde sie bisher nachgewiesen - darunter auch einzelne Fälle in Dänemark, Finnland, Großbritannien und Frankreich, bisher jedoch nicht in Deutschland.

L452R könnte ansteckender machen

B.1.427/B.1.429 treten mit leicht unterschiedlichen Mutationen auf. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie ein Trio identischer Mutationen auf dem Spike-Protein des Coronavirus haben, welches dem Erreger den Zugang zu menschlichen Zellen ermöglicht. Besonders eine der Mutationen mit dem Namen L452R ermöglicht es Sars-CoV-2 wahrscheinlich, eine stabilere Bindung zu Wirtszellen aufzubauen, was die Infektiosität erhöhen dürfte. Keine dieser drei Spike-Mutationen kommt bei den anderen prominenten Varianten aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika vor.

Mindestens zwei wissenschaftliche Studien zur kalifornischen Variante sind bereits abgeschlossen und sollen demnächst veröffentlicht werden. Bei einer fanden Forscher Hinweise darauf, dass B.1.427/B.1.429 "ansteckender ist, eher mit schweren Erkrankungen einhergeht und zumindest teilweise resistent gegen neutralisierende Antikörper ist", wie der Virologe Charles Chiu von der University of California in San Francisco laut "Science" zusammenfasst. Sein Team hatte die Studie durchgeführt, gegen Ende der Woche sollen die Ergebnisse öffentlich gemacht werden. Allerdings betonten andere Forscher in dem Bericht den geringen Umfang der Untersuchung zu Krankheitsverläufen - es bedürfe daher noch weiterer Daten für verlässliche Aussagen.

Laut der "Los Angeles Times", welche über die Studie von Chiu und seinen Kollegen berichtete, ist noch unklar, um wie viel ansteckender als der Wildtyp B.1.427/B.1.429 tatsächlich ist. Bisherige Proben deuten jedoch auf einen Wert von 19 bis 24 Prozent hin. In Laborversuchen hatte sich laut dem Bericht jedoch gezeigt, dass allein die L452R-Mutation Sars-CoV-2 deutlich aggressiver gegenüber menschlichen Lungenzellen machte, mit einer um 40 Prozent höheren Infektiosität gegenüber herkömmlichen Varianten.

Experte: B.1.1.7 wird sich durchsetzen

Muss sich auch Europa auf eine Invasion der US-amerikanischen Varianten einstellen? Laut dem Harvard-Epidemiologen William Hanage ist die kalifornische Variante regional offenbar ansteckender, aber dennoch nicht mit der britischen Variante B.1.1.7 zu vergleichen, wie er der "New York Times" sagte. Denn während sich die britische Variante überall dort, wo sie auftrat, explosionsartig vermehrte, habe sich jene aus Kalifornien nur langsam durchgesetzt. Und angesichts der Tatsache, dass auch B.1.1.7 bereits in Kalifornien angekommen ist, glaubt Hanage, dass diese sich gegen B.1.427/B.1.429 behaupten werde.

Unklar ist jedoch, welche Rolle die New Yorker Variante B.1.526 spielen wird. Der Immunologe Michel Nussenzweig von der Rockefeller University sagte gegenüber den "New York Times", dass diese Variante ihm mehr Sorge bereite, als jene aus Kalifornien.

Quelle: ntv.de


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