Polizei nimmt mutmaßlichen Verfasser fest

  04 Mai 2021    Gelesen: 1111
Polizei nimmt mutmaßlichen Verfasser fest

Im August 2018 taucht das erste rechtsextremistische Drohschreiben auf, das mit "NSU 2.0" unterzeichnet ist. Es enthält persönliche Daten, die aus Polizeicomputern stammen. Es ist der Anfang einer Serie, die jetzt womöglich ihr Ende findet: Die Polizei nimmt einen Tatverdächtigen fest.

Ein mutmaßlicher Verfasser von rechtsextremen Drohschreiben mit dem Absender "NSU 2.0" ist in Berlin bei einer Wohnungsdurchsuchung festgenommen worden. Das teilen die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Hessische Landeskriminalamt mit. Der 53-jährige erwerbslose Mann deutscher Staatsangehörigkeit stehe im dringenden Verdacht, "seit August 2018 unter dem Synonym "NSU 2.0" bundesweit eine Serie von Drohschreiben mit volksverhetzenden, beleidigenden und drohenden Inhalten verschickt zu haben". Empfänger waren überwiegend Personen des öffentlichen Lebens, vor allem aus der Medienwelt und der Politik, darunter auch Abgeordnete des Hessischen Landtags und des Bundestags.

Heikel war der Fall auch deswegen, weil der oder die Täter sich offenbar Insiderwissen der Polizei zunutze machen konnten. Der Verdächtige sei zu keinem Zeitpunkt Bediensteter einer Polizeibehörde gewesen, heißt es in der Mitteilung. Er sei bereits in der Vergangenheit wegen zahlreicher - unter anderem auch rechtsmotivierter - Straftaten rechtskräftig verurteilt worden. Die bei der Durchsuchung sichergestellten Datenträger würden nun ausgewertet, zudem werde unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, der Bedrohung sowie der Beleidigung ermittelt. Sehr aufwendige und zeitintensive gemeinsame Ermittlungsmaßnahmen der Staatsanwaltschaft und des Hessischen Landeskriminalamtes hätten letztlich zur Identifizierung des Beschuldigten geführt.

Auch Trittbrettfahrer unterwegs

Mitte März hatte der hessische Innenminister Peter Beuth von der CDU von insgesamt 133 verschickten Drohschreiben berichtet. Dabei würden die Ermittler 115 dieser Schreiben dem Tatkomplex "NSU 2.0" zurechnen. 18 Schreiben seien mutmaßlich von Trittbrettfahrern verfasst und versendet worden. Empfänger seien überwiegend Personen des öffentlichen Lebens gewesen, vor allem aus der Politik und der Medienwelt. Die 115 Schreiben hätten sich an 32 Personen und 60 Institutionen in insgesamt neun Bundesländern und in Österreich gerichtet.

Der Versand erfolgte überwiegend per E-Mail, aber auch per Fax, per SMS sowie über Internetkontaktformulare. Im Juli 2020 war der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch wegen der Affäre um die Drohmails zurückgetreten. Die Adressen der Opfer stammten aus Polizeicomputern. Die erste E-Mail erhielt 2018 die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, die im NSU-Prozess Opfer vertreten hatte. Anfang März sagte sie, sie habe mehr als ein Dutzend "NSU-2.0"-Drohschreiben erhalten. Auch in ihrem Fall waren ihre persönlichen Daten von einem Computer im 1. Polizeirevier in Frankfurt abgerufen worden. Opfer waren auch die Kabarettistin Idil Baydar und die heutige Linkspartei-Chefin Janine Wissler.

Als NSU (Nationalsozialistischen Untergrund) hatten sich die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnet, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten. Es waren acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Ihre Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 verurteilt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa


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