Von EU über Schweiz bis China: So reagiert die Welt auf Trumps Zollwahn

  03 April 2025    Gelesen: 117
  Von EU über Schweiz bis China: So reagiert die Welt auf Trumps Zollwahn

US-PräsidentTrump kündigt in der Nacht drastische Zölle für 185 Handelspartner weltweit an. Die betroffenen Länder sind alarmiert. Großbritannien, Norwegen, Südkorea und Taiwan wollen mit den USA verhandeln. Die EU, Frankreich, Spanien und China drohen mit Gegenmaßnahmen.

US-Präsident Donald Trump schwingt die Zollkeule und zerschlägt damit ein über 75 Jahre gewachsenes Handelssystem. Vom 5. April an soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf Einfuhren in die USA gelten. Zudem kündigte die US-Regierung einen komplexen Mechanismus an, der für viele Länder höhere Zölle vorsieht. Dieser wird ab 9. April gelten. Ein Berater Trumps bezeichnete diese Länder als "schlimmste Übeltäter". Gemeint sind solche, mit denen die USA nach Auffassung der Trump-Regierung ein besonders großes Handelsdefizit haben. Zugleich kommen aus den USA Warnungen an die betroffenen Staaten, falls sie auf die neuen Zölle mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren sollten. Dies werde zu einer Eskalation führen, sagt US-Finanzminister Scott Bessent dem Sender Fox News. Indes fallen die Reaktionen der Länder unterschiedlich aus.

Diese Länder drohen Gegenmaßnahmen an:

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bezeichnet die neuen US-Zölle als schweren Schlag für die Weltwirtschaft. "Wir sind bereits dabei, das erste Paket von Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die Stahlzölle fertigzustellen", sagte sie in einer Erklärung, die in Samarkand (Usbekistan) im Vorfeld eines EU-Zentralasien-Partnerschaftsgipfels verlesen wurde. Mit den Gegenmaßnahmen wolle man die Interessen der EU und der Unternehmen innerhalb der Europäischen Union schützen, falls die Verhandlungen mit den USA scheitern sollten, so die Kommissionspräsidentin weiter. Trump hatte zuvor einen Mindestzoll von zehn Prozent auf die meisten Importwaren eingeführt - mit einem höheren Satz von 20 Prozent für Waren aus der EU.

Die Europäische Union sollte nach den Worten von EU-Ratspräsident Antonio Costa nach den neuen US-Zöllen Freihandelsabkommen mit anderen Ländern abschließen. "Wir werden mit allen unseren Partnern zusammenarbeiten und unser Handelsnetz weiter stärken und ausbauen. Jetzt ist es an der Zeit, die Abkommen mit Mercosur und Mexiko zu ratifizieren und die Verhandlungen mit Indien und anderen wichtigen Partnern entschlossen voranzutreiben", schrieb Costa in einem Beitrag auf X.

Frankreichs Premierminister François Bayrou hat die von Trump angekündigten Zölle als "Katastrophe für die Weltwirtschaft" bezeichnet. "Es bedeutet immense Schwierigkeiten für Europa", sagte Bayrou in Paris. "Ich glaube, es ist auch eine Katastrophe für die USA und für deren Bürger", fügte er hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will sich am Nachmittag in Paris mit Vertretern der besonders betroffenen Branchen treffen. Die französischen Wein- und Spirituosenhersteller rechnen mit einem Exporteinbruch in Höhe von 800 Millionen Euro.

Die französische Regierung kündigt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union in zwei Wellen Gegenmaßnahmen für die von den USA verhängten Zölle an. Die erste Antwort werde Mitte April erfolgen und sich auf die von Trump eingeführten Zölle auf Aluminium und Stahl beziehen, sagte Regierungssprecherin Sophie Primas im RTL Radio. Die zweite Antwort, wahrscheinlich Ende April, werde eine breitere Palette von Produkten und Dienstleistungen betreffen. "Wir sind bereit in diesem Handelskrieg."

Auch Spanien drängt auf Gegenmaßnahmen. Die neuen Zölle seien "unfair und ungerechtfertigt", sagt der spanische Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo in einem Interview mit dem Radiosender RNE. Seine Regierung sei bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Unternehmen und Verbraucher des Landes vor den Auswirkungen zu schützen. Die Europäische Union sei zwar bestrebt, zu verhandeln, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Sie müsse aber Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, wenn kein Verhandlungsspielraum bestehe, fordert Cuerpo.

Wappnen will sich auch Israel. Finanzminister Bezalel Smotrich kündigt an, Ministeriumsvertreter einzuberufen, um Maßnahmen zum Schutz der israelischen Wirtschaft nach der Entscheidung von Trump zu erarbeiten. Trump hatte am Mittwoch für Israel Einfuhrgebühren in Höhe von 17 Prozent verhängt.

China fordert die USA auf, ihre neuesten Zölle unverzüglich aufzuheben und kündigt ebenfalls Gegenmaßnahmen an. "China lehnt dies entschieden ab und wird Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu schützen", so das chinesische Handelsministerium in einer Erklärung. Der Schritt der USA missachte den Interessenausgleich, der in multilateralen Handelsverhandlungen im Laufe der Jahre erreicht worden sei.

Auch Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigt Gegenmaßnahmen an. Diese würden am heutigen Donnerstag bekannt gegeben, sagt er vor einer Kabinettssitzung. "Es ist wichtig, zielgerichtet und mit Nachdruck zu handeln, und genau das werden wir tun." Dem US-Präsidialamt zufolge gilt der neue Basiszoll von zehn Prozent zwar nicht für Kanada. Allerdings bleiben die US-Zölle von 25 Prozent für viele Güter im Zusammenhang mit Drogen- und Einwanderungsfragen in Kraft.

Diese Länder suchen das Gespräch:

Großbritannien hatte bisher auf eine Verhandlungslösung mit den USA gehofft und befürchtet nun die Folgen der US-Zölle. Die Aufschläge würden wirtschaftliche Auswirkungen haben, sagte Premierminister Keir Starmer. Er werde weiterhin mit Washington verhandeln. "Wir werden für den besten Deal für Großbritannien kämpfen", kündigte er an. Sein Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds hob hervor, Großbritannien sei immerhin besser gestellt als die EU. Dennoch nennt Reynolds die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Einfuhrzölle "eine Bedrohung" für sein Land. "Alles, was das globale Handelssystem stört, ist eine Bedrohung für Großbritannien", sagte Reynolds gegenüber Times Radio.

Die Regierung der Schweiz will "in kommenden Kontakten mit den US-Behörden allfällige Missverständnisse ausräumen und sich für eine Lösung einsetzen". Gegenmaßnahmen seien aber nicht vorgesehen, weil sich dadurch Importe aus den USA verteuern würden.

Norwegen setzt bei den von den USA erlassenen Einfuhrzöllen auf Verhandlungen. "Die Amerikaner sagen, es gibt hier Verhandlungsspielraum, und wir werden diesen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln nutzen", erklärt Ministerpräsident Jonas Gahr Störe gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK.

Trump hat auch gegen Südkorea Gegenzölle von 25 Prozent verhängt. Der amtierende südkoreanische Präsident Han Duck-soo bat den Industrieminister, den Inhalt der Zölle zu analysieren und aktiv mit Washington zu verhandeln, um die Auswirkungen der US-Zölle zu minimieren. Zudem ordnet Han Sofortmaßnahmen zur Unterstützung von betroffenen Unternehmen an. "Da der globale Handelskrieg zur Realität geworden ist, muss die Regierung all ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Handelskrise zu überwinden", sagte Han nach Angaben des Ministeriums bei einem Treffen mit dem Finanzminister und anderen Spitzenbeamten. Die Regierung plane, bis nächste Woche Notfallmaßnahmen zur Unterstützung der Automobilindustrie anzukündigen, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Han Duck Soo.

Auch Taiwans Regierung will mit der US-Regierung über die erhobenen Zölle sprechen. Taiwanische Produkte werden mit einem Zoll von 32 Prozent belegt, ausgenommen sind Halbleiter. Die taiwanische Regierung erklärt, sie bedauere die "unangemessenen" US-Zölle, werde sich um eine Klärung bemühen und die Gespräche mit Washington fortsetzen, um sicherzustellen, dass die Interessen Taiwans geschützt werden.

Quelle: ntv.de, gut/rts/dpa/AFP


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