Türkischer Außenminister verteidigt Nazi-Vergleiche

  11 Januar 2018    Gelesen: 451
Türkischer Außenminister verteidigt Nazi-Vergleiche
Versöhnliche Töne, aber auch harte Kritik: Der türkische Außenminister findet in einem Interview viel Lob für die Bundeskanzlerin und betont Dialogbereitschaft. Ankaras Nazi-Vergleiche aber verteidigt er.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will nach der Bildung einer neuen Bundesregierung persönlich mit Kanzlerin Angela Merkel zusammenkommen. Das kündigte Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei einem Treffen mit deutschen Journalisten in Antalya an. Zugleich wies er Kritik an Nazi-Vergleichen aus Ankara an die Adresse Deutschlands vehement zurück.

Cavusoglu sagte: "Sie haben Erdogan einen Diktator genannt, Sie haben Erdogan schwer beleidigt. Wenn Sie Erdogan und uns Diktator nennen, sollten Sie auch ähnliche Kritik von Erdogan erwarten."

"Ich respektiere Frau Merkel sehr"
Für die deutsche Bundeskanzlerin fand der Außenminister hingegen anerkennende Worte. "Ich respektiere Frau Merkel sehr", sagte Cavusoglu. "In den vergangenen fünf, sechs Jahren ist sie die einzige echte Anführerin in Europa gewesen."

Cavusoglu stellte in Aussicht, Erdogan könnte Merkel nach der Regierungsbildung in die Türkei einladen. Auch eine Reise nach Deutschland hielt er für möglich. Der türkische Staatschef habe zuletzt mehrfach mit der Kanzlerin und mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefoniert, sagte er. "Wir sollten den Dialog aufrecht erhalten."

Yücel ist kein politisch motivierter Fall
Der größte Streitpunkt in den Beziehungen ist der Fall des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel, der seit fast elf Monaten ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt – nach Überzeugung der Bundesregierung aus politischen Gründen.

Cavusoglu erklärte dazu: "Ich versichere Ihnen, Deniz Yücel ist kein politisch motivierter Fall. Was ist mein Vorteil, wenn ich Deniz Yücel inhaftiere? Was werde ich im Gegenzug bekommen? Nichts. Es vergiftet unsere Beziehungen. Gefällt mir das? Nein. Aber ich kann nicht in die Justiz eingreifen, nur um dieses Problem loszuwerden." Er verwies erneut darauf, dass Yücel nicht als Journalist akkreditiert gewesen sei. "Sein Fall hat deswegen nichts mit Journalismus, nichts mit den türkisch-deutschen Beziehungen zu tun."

Zu Forderungen nach einer Aufhebung des Ausnahmezustands in der Türkei, der kommende Woche zum sechsten Mal um drei Monate verlängert werden soll, sagte Cavusoglu: "Ich hoffe, dass wir ihn zum letzten Mal verlängern. Ich hoffe das ernsthaft." Das hänge aber von der Lage in drei Monaten ab.

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