Droht europäisches Bargeldverbot? – Wunschtraum von Regierung und Banken

  10 Januar 2019    Gelesen: 645
Droht europäisches Bargeldverbot? – Wunschtraum von Regierung und Banken

Die allmähliche Abschaffung der 500-Euro-Scheine war womöglich nur der Anfang: Gleich mehrere Fakten sprechen für eine Agenda der Zentralbanken, das Bargeld komplett abzuschaffen. Das würde vor allem der Wirtschaft und den Staatskassen zugutekommen. Der Bürger hätte das Nachsehen, ihm würde eine Enteignung drohen.

Ab April 2019 werden in Deutschland und Österreich keine neuen 500-Euro-Scheine mehr ausgegeben, in den übrigen Euro-Ländern sogar bereits ab Ende Januar. Zwar bleiben alte Scheine als Zahlungsmittel im Umlauf und sind auch unbegrenzt umtauschbar, neue Banknoten dieser Art werden dann aber nicht mehr produziert. Die Gründe für die Abschaffung sind jedoch überwiegend fadenscheinig.

Der „kriminelle“ 500er

So heißt es immer wieder seitens Banken und Sicherheitsbehörden, vor allem Millionäre und Ultra-Reiche hätten den 500er gebraucht, um Vermögen zu horten. Und natürlich Kriminelle, denn Bargeld hinterlässt keine Spuren. Ob Erpressung, Drogengeld oder Waffenhandel – der 500er wurde von den Zentralbanken verteufelt. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall: Kriminalität braucht kein Bargeld. Längst schon hat sich das organisierte Verbrechen durch digitale Währungen wie Bitcoin oder durch Offshore-Konten eine Alternative gesucht. Kriminelle Aktivitäten werden also sicher nicht enden, nur weil es keine 500-Euro-Banknoten mehr gibt.

Das Ganze passt in eine Agenda, die die Zentralbanken nicht erst seit gestern verfolgen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, hatte sich bereits 2016 als Bargeld-Skeptiker geoutet und eine Abschaffung der Barzahlung innerhalb von zehn Jahren für realistisch gehalten. Bargeld sei ineffizient, so die Aussage des Ex-Bankchefs beim damaligen Weltwirtschaftsforum in Davos. Und mit dieser Meinung steht Cryan nicht alleine da.

Studien mit Hintergedanken?

Ende 2018 wurden gleich drei Studien veröffentlicht, die eine Abschaffung des Bargelds untermauern. Es überrascht wenig, dass die Erhebungen aus dem Bankensektor in Auftrag gegeben wurden. So hat die niederländische Zentralbank in einer Studie festgestellt, dass Barzahlen die Umwelt stärker schädige und mehr klimaschädliche Gase produziere als Kartenzahlungen. Die Leiterin der Division Geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank, Katrin Assenmacher, hat laut dem „Handelsblatt“ gemeinsam mit Signe Krogstrup, einer Beraterin des Internationalen Währungsfonds, Möglichkeiten untersucht, Bargeld gegenüber Bankguthaben abwerten zu lassen, um es unattraktiver zu machen. Und die Bank von Kanada fragt sogar, ob man als Zentralbank das Bargeld vermissen sollte, wenn es verschwunden wäre.

Der Harvard-Ökonom und frühere US-Finanzminister Larry Summers schlägt die weitgehende Beseitigung von Bargeld vor, damit dieses nicht als Ausweichmöglichkeit genutzt wird, wenn die Leitzinsen der Notenbanken negativ sind. Dies ist aktuell der Fall. Denn wenn Banken diese Negativzinsen an Einlagenkunden weitergeben würden, könnten diese ihr Geld einfach abheben und als Bargeld aufbewahren.

Das Recht auf Bargeld…

Fakt ist: Die Abschaffung des Bargelds wäre nach aktueller juristischer Betrachtung sogar illegal. Bargeld ist laut EU-Vertrag und Bundesbankgesetz gesetzliches Zahlungsmittel. Wir haben also ein Recht auf Bargeld. Es ist natürlich auch nicht vorgeschrieben, dass wir unser Vermögen auf die Bank bringen. Das allerdings würde sich ändern, wenn die Banknoten verschwänden. Dann ist jeder Bürger gezwungen, sein Geld anzulegen. Die Kontrolle haben Andere, und das ist fatal.

Gerät meine Bank in Not, gibt es für mein Geld kaum eine Rettung. Abheben wäre nicht mehr möglich, stattdessen würde ich für die Schulden meiner Bank mithaften. Das Ganze nennt sich Bail-In. Ein Szenario, von dem viele Zentralbanken träumen. Die Zinsen könnten weiter massiv in den Minusbereich gedrückt werden. Diese Negativzinsen würden unser Guthaben langsam tilgen. Als Lösungen blieben dem Bürger dann zwei Wege: Geld ausgeben – dann brummt die Wirtschaft. Oder das Geld anlegen, zum Beispiel in Staatsanleihen. Beides dürfte den Finanzminister sehr freuen.

sputniknews


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