US-Verteidigungsminister Shanahan nach Kabul gereist

  11 Februar 2019    Gelesen: 645
US-Verteidigungsminister Shanahan nach Kabul gereist

Bei den Gesprächen der USA mit den radikalislamischen Taliban ist Afghanistans Regierung außen vor. Nun ist US-Verteidigungsminister Shanahan überraschend zum afghanischen Präsidenten gereist.

Der kommissarische US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan ist am Montagmorgen ohne Vorankündigung in die afghanische Hauptstadt Kabul gereist.

Shanahan will in Afghanistan unter anderem Staatschef Ashraf Ghani treffen. Es ist die erste Auslandsreise von Shanahan, seitdem er Anfang des Jahres den zurückgetretenen US-Verteidigungsminister Jim Mattis ersetzt hatte.

Der Afghanistan-Besuch kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung von Präsident Donald Trump Friedensgespräche mit den radikalislamischen Talibanvorantreibt. Die Taliban erkennen die afghanische Regierung nicht an und weigern sich bislang, mit ihr zu verhandeln. Sie sehen Ghanis Regierung nur als Handlanger der USA.

Die Zentralregierung kontrolliert in Afghanistan derzeit nur etwa die Hälfe des Staatsgebiets, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Regelmäßig kommt es zu schweren Anschlägen vor allem gegen die Regierungsarmee und Sicherheitskräfte.

Anfang Februar hatte ein Taliban-Kommando in Nordafghanistan drei Kontrollposten am Rande von Kundus attackiert und dabei mindestens 41 Sicherheitskräfte getötet. Bei der Attacke auf den örtlichen Provinzrat starben mehr als 30, in der benachbarten Provinz Baghlan kamen mindestens elf Polizisten ums Leben.

In Kabul wächst derzeit die Sorge, die USA könnten ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, bevor ein langfristiger Frieden mit den Islamisten erreicht ist. Trump hatte im Dezember angekündigt, er wolle rund die Hälfte der derzeit in Afghanistan stationierten 14.000 Soldaten abziehen.

Kritiker, auch aus Reihen der US-Republikaner Trumps, halten das für verfrüht. Ex-Verteidigungsminister Mattis soll auch wegen Trumps Abzugsplänen für Afghanistan und Syrien sein Amt im Dezember vorzeitig aufgegeben haben. Interimsminister Shanahan betonte nun bei seiner Ankunft in Kabul, die US-Präsenz im Land solle dem Schutz der USA dienen und die regionale Stabilität unterstützen.

Die Verhandlungen der USA mit den Taliban finden in dem Emirat Katar statt. Dort spricht der US-Delegationsleiter Zalmay Khalilzad mit den Extremisten, unter Ausschluss der afghanischen Regierung. Zuletzt hatte Khalilzad "signifikante Fortschritte" in den Verhandlungen verkündet. Er versucht, ein Ende des seit fast zwei Jahrzehnten andauernden Krieges zu erreichen. Es gebe "einen Entwurf für einen Vertragsrahmen", zitierte die "New York Times" den Sondergesandten.

Die USA wollen ihre Gespräche mit den Taliban am 25. Februar fortsetzen. Ziel ist es, nach Möglichkeit noch vor den afghanischen Präsidentschaftswahlen im Juli ein Friedensabkommen zu erreichen.


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