Gedenken an die Opfer

  21 Februar 2020    Gelesen: 486
  Gedenken an die Opfer

In rund 50 Städten bundesweit haben Menschen an die Opfer des mutmaßlich rechtsextremen Anschlag in Hanau erinnert und gegen Rassismus demonstriert. Bundespräsident Steinmeier rief in Hanau zu Geschlossenheit und Solidarität auf.

Steinmeier besuchte die Tatorte des Anschlags gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier. In einer Ansprache sagte Steinmeier, was geschehen sei, mache fassungslos, traurig und zornig. Nichts könne diesen brutalen Akt, diese terroristische und sinnlose Gewalttat erklären.

Er betonte, gemeinsam stehe man in der Gesellschaft zusammen Seite an Seite gegen Rassismus und Gewalt und gegen eine Sprache der Ausgrenzung und Herabwürdigung, die der Gewalt allzu häufig den Weg bereite. Solidarität und Zusammenhalt zu zeigen sei das stärkste Mittel gegen den Hass. Bouffier erklärte, in dieser Stunde spüre man, dass man nicht allein sei. Man lasse sich nicht spalten und müsse gerade in solch einer Situation zusammenstehen.

Viele Menschen am Brandenburger Tor

Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten gab es Trauerveranstaltungen. Zahlreiche Menschen kamen zu einer Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin zusammen. Zu dieser hatten Parteien, Verbände und Politiker aufgerufen.

In Hamburg sagten SPD, Grüne und die CDU ihre Wahlkampf-Abschlussveranstaltungen ab und riefen zur Teilnahme an einer Kundgebung vor dem Rathaus auf. Bundesinnenminister Seehofer ordnete Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden in Deutschland an.

Forderung nach stärkerem Kampf gegen Rechtsextremismus

UNO-Generalsekretär Guterres reagierte mit Bestürzung auf den Anschlag. In einer Mitteilung forderte er einen verstärkten Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus sowie Hass gegenüber Muslimen. Der Jüdische Weltkongress sprach von einer zunehmenden Bedrohung von Minderheiten in Deutschland. Hanau sei ein weiteres Beispiel für rechtsextreme Gewalt gegen Menschen, die „nicht zu einer langjährigen und bizarren rassistischen Sichtweise einiger deutscher Bürger“ passten.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte, zu lange sei die Gefahr durch wachsenden Rechtsextremismus verharmlost und vernachlässigt worden. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland riet Muslimen, „eigene Schutzmaßnahmen“ für sich, ihre Familien, ihre Gotteshäuser und Einrichtungen zu ergreifen. Bundesweit verurteilten viele Politiker, Parteien und Verbände die Tat, riefen zu Solidarität auf und warnten vor Fremdenfeindlichkeit und Hass.

Ermittler: Täter hatte rassistische Gesinnung

Der mutmaßliche Täter von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Frank eine zutiefst rassistische Gesinnung. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und „einer Art Manifest“ auf dessen Internetseite ergeben, erklärte Frank in Karlsruhe.

Seinen Angaben zufolge hatte der mutmaßliche Täter, ein 43-jähriger deutscher Staatsangehöriger, gestern Abend neun Personen erschossen, sowie sechs weitere verletzt. Unter ihnen waren sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige. Das Alter der Todesopfer lag zwischen 21 und 44 Jahren.

Frank sprach von einem Anschlag. Der mutmaßliche Täter sowie seine 72-jährige Mutter seien von Polizisten in seiner Wohnung tot aufgefunden worden, beide mit Schussverletzungen. Der Vater sei unverletzt. Bei den Ermittlungen solle nun herausgefunden werden, ob es Mitwisser oder Unterstützer gegeben habe.

deutschandfunk


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