Euro-Cloud-Projekt Gaia-X nimmt Form an

  03 Juni 2020    Gelesen: 433
Euro-Cloud-Projekt Gaia-X nimmt Form an

Das wachstumsstarke und zukunftsträchtige Cloud-Geschäft wird von US-Konzernen wie Amazon, Microsoft und Google dominiert. Der europäischen Politik ist das ein Dorn im Auge, ein eigenes Cloud-Projekt namens Gala-X soll Abhilfe schaffen. Gewinnerzielung steht dabei nicht im Vordergrund.

Das geplante europäische Cloud-Netzwerk Gaia-X nimmt allmählich Gestalt an. In den nächsten Wochen soll eine Gründungsorganisation in Brüssel ins Leben gerufen werden, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Dazu sollen 22 Unternehmen - jeweils zur Hälfte aus Deutschland und Frankreich - eine Absichtserklärung unterzeichnen.

Mit Gaia-X sollen IT-Dienstleistungen stärker in Europa bleiben, um hiesige Staaten und Unternehmen unabhängiger von dominanten US-Anbietern wie Amazon oder Microsoft zu machen. Daten sollen dann künftig auf Servern in Europa liegen und leichter mitgenommen werden, wenn Kunden beispielsweise von einem Internet-Netzwerk zu einem anderen wechseln wollen.

Keine Gewinnerzielungsabsicht

Die Gründungsentität soll eine Organisation nach belgischem Recht und ohne Gewinnerzielungsabsicht sein. "Die Wahl dieser Rechtsform unterstreicht das Bekenntnis zu einem transparenten europäischen Prozess, zur Offenheit und breiten Teilhabe", heißt es in einem Papier zum aktuellen Stand des Projekts. Die Gründungsentität übernimmt die Verwaltungsaufgaben des Netzwerks und soll die Zusammenarbeit international vorantreiben. Bislang sind hier vor allem Deutschland und Frankreich aktiv. Weitere Länder wie Italien sollen hinzukommen.

In die Planungen für den operativen Start, der Anfang 2021 erwartet wird, sind rund 300 Unternehmen und Organisationen aus Wissenschaft und Wirtschaft eingebunden. Als treibende Kräfte gelten SAP, die Deutsche Telekom, Siemens, Bosch und der französische IT-Dienstleister Atos. 20 Arbeitsgruppen feilen an konkreten Anwendungen, unter anderem in den Bereichen Industrie, Gesundheitswesen, Finanzen und Energie. Am Donnerstag wollen die Wirtschaftsminister von Deutschland und Frankreich, Peter Altmaier und Bruno Le Maire, erste Ergebnisse vorstellen.

Die Gründungsorganisation soll die Spielregeln für die europäische Cloud vorgeben. Gewinnorientierte Firmen sollen dann mit einem Gütesiegel für vertrauenswürdige Cloud-Anwendungen konkrete Dienstleistungen anbieten können. Es wird erwartet, dass Staaten am Anfang große Auftraggeber sein werden, um das Projekt in Schwung zu bringen.

Im boomenden Cloud-Geschäft werden seit Jahren Speicherplatz, Software und Rechenleistung über das Internet bereitgestellt. Daten gelten als zentraler Rohstoff der Zukunft - etwa beim Thema Künstliche Intelligenz oder der Datenanalyse zur Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs.

Quelle: ntv.de, bad/rts


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