Hoeneß’ Erfolgsformel schlägt echte Liebe

  04 Auqust 2020    Gelesen: 432
  Hoeneß’ Erfolgsformel schlägt echte Liebe

Warum ist der FC Bayern seit über 50 Jahren so erfolgreich? Eine Erklärung dafür liefert Uli Hoeneß nun in einem Interview – und watscht dabei den Konkurrenten aus Dortmund kräftig ab. So hart die Wahl der Worte, so gut begründet wirkt die Attacke.

Uli Hoeneß ist zurück – und wie! In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat der Ehrenpräsident des FC Bayern München mal eben im Vorbeigehen die Erfolgsformel des Rekordmeisters ausgeplaudert – wenigstens für all die, die aufmerksam mitgelesen und verstanden haben. Denn, wer glaubt, bei den Sätzen von Hoeneß würde es sich einzig und allein um sattsam bekannte Allgemeinplätze handeln, der hat sogar Recht. Doch der langjährige Manager des Vereins von der Säbener Straße geht in seinem Gespräch mit der Zeitung, wie gewohnt offenherzig und direkt, den entscheidenden Schritt weiter.

Anhand des Gegenbeispiels Borussia Dortmund zeigt Hoeneß auf, warum es in den letzten vierzig Jahren keinen ernst- und dauerhaften Konkurrenten mehr für den FC Bayern München in Deutschland gegeben hat. Der Ansatz des Ehrenpräsidenten klingt in der Theorie recht simpel, aber wie die Erfahrung lehrt: kein anderer Fußballklub in der Bundesliga hat es in all den Jahren geschafft, das Erfolgsmodell des FC Bayern München zu kopieren. Und das hat natürlich – auch wenn er es selbst nie sagen würde – am Ende auch wieder eine ganze Menge mit Uli Hoeneß als Person selbst zu tun.

Der Klubpatron hatte in dem Interview die Transferpolitik des Konkurrenten Borussia Dortmund als "unklug" bezeichnet. Ein fast schon zu schwaches, harmloses Wort für das, was Hoeneß damit anprangerte: "Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird." Denn dahinter stecken zwei Strategien, die unterschiedlicher nicht sein können. Das Modell, das Hoeneß seit 1979 konsequent beim FC Bayern eingeführt und vorgelebt hat, kann man im Wesentlichen auf einen Punkt bringen: In dem Moment, in dem du zum FC Bayern München kommst, bist du Teil der Bayern-Familie. Zeitlebens. Oder wie es Hoeneß einmal selbst formuliert hat: "Wer beim FC Bayern war und sich seriös verhalten hat, hat auf Lebenszeit eine Carte blanche der Hilfe."

"Wir holen Spieler für Bayern München"

Auch wenn sich Uli Hoeneß nun weitgehend im Hintergrund aufhält und andere Personen beim FC Bayern München in der ersten Reihe stehen, kann man davon ausgehen, dass diese besondere Form der gelebten Menschlichkeit mittlerweile ein fester Bestandteil der häufig zitierten "DNA des Vereins" ist. Und natürlich lässt man Familienmitglieder nur ungern (wieder) gehen, insbesondere dann, wenn man sie mit dieser speziellen Absicht verpflichtet hat: "Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen."

Dass Borussia Dortmund besonders in den letzten fünf Jahren zu einem Klub geworden ist, der diese "hochtalentierten Spieler" wie Ousmane Dembélé, Jadon Sancho oder aktuell Jude Bellingham überhaupt erst verpflichten kann und konnte, ist allerdings eine Qualität, die auch Hoeneß Respekt abnötigt. Dass es dazu gekommen ist, hat wiederum wohl eine ganze Menge mit dem Rivalen des BVB aus München selbst zu tun. Denn im Jahr 2013 hatte sich wohl für einen kurzen Augenblick die Chance ergeben, dass auch die Dortmunder zu einem Verein hätten werden können, der für seine Spieler eine Station fürs Leben darstellt. Doch mit dem für viele BVB-Offizielle überraschenden und nur sehr schwer zu verdauenden Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern schloss sich dieses Fenster sehr rasch wieder.

Der offensichtlich ausgeprägte Drang der BVB-Profis den Klub als Startpunkt auf ihrem Weg in die große weite Welt zu sehen und nicht als das Ende der Welt, hat die Verantwortlichen – neben finanziellen Aspekten und Notwendigkeiten - augenscheinlich umdenken lassen. Nichts, für das sich die Dortmunder schämen müssten. Nur veränderte diese Entwicklung den Klub maßgeblich. Und als dann 2015 mit Jürgen Klopp auch noch ein wesentlicher Eckpfeiler für einen anderen BVB nach dem Schema des FC Bayern München wegfiel, blieb nur noch der alte Marketing-Claim "Echte Liebe" über. Ein Motto, das mittlerweile eine lose Hülle ohne inhaltliche Füllung ist. Aus dem BVB, der unter Klopp den Spruch mit Leben füllte, ist viel mehr das "Laufhaus" der Liga geworden. Liebe gibt es nur noch in Form von Devisen. Und genau das bestreitet BVB-Manager Michael Zorc auch gar nicht, wenn er sich gegen die "ziemlich arroganten" Äußerungen von Hoeneß versucht zu wehren: "Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken."

Wie anders ist da die Situation beim FC Bayern. Im Ganzen und vom Grundsatz her. Das, was Hoeneß da zwischen den Zeilen umschreibt, kann man mit dem Wort "Heimat" am besten einfangen. Fünf Spieler der Finalmannschaft des Champions-League-Siegs über Borussia Dortmund 2013 in London haben in München aktuell noch einen Vertrag, stehen regelmäßig im ersten Aufgebot und gewannen seitdem zusammen jedes Jahr die Meisterschaft. Eine mehr als bemerkenswerte Geschichte. Und dass die Münchner nun auch unter der neuen Führung von Präsident Herbert Hainer, von Sportvorstand Hasan Salihamidzic und von Oliver Kahn (zusammen mit Klubchef Karl-Heinz Rummenigge) den alten Leitsätzen treu bleiben will, scheinen die neusten Meldungen rund um Abwehrchef David Alaba zu bestätigen. Seine Weiterverpflichtung wäre typisch FC Bayern. Gut für die Münchener – und schlecht für den Rest der Liga.

Quelle: ntv.de


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