Das Virus drängt zurück nach Europa

  21 September 2020    Gelesen: 223
Das Virus drängt zurück nach Europa

Die Corona-Krise tritt in eine neue Phase ein. Innerhalb weniger Monate ist die Ansteckungswelle einmal rund um den Erdball gelaufen. Jetzt verlagert sich das Infektionsgeschehen erneut: Die Pandemie beginnt, bereits schwer getroffene Staaten erneut heimzusuchen.

Der Kampf gegen das Coronavirus ist noch längst nicht ausgestanden. Weltweit bewegen sich die Fallzahlen in der Summe weiter nach oben. Regional jedoch beginnen sich Schwerpunkte der neuen Ansteckungen erneut zu verschieben. Nach China, Europa, den USA und den Schwellenländern droht die Infektionswelle, Europa ein weiteres Mal voll zu erfassen: Der Anstieg der Fallzahlen in mehreren europäischen Ländern trägt seit einigen Wochen wieder deutlich stärker zur Masse der weltweit verzeichneten Neuansteckungen bei.

In den beiden bislang am schwersten betroffenen Staaten - Brasilien und USA - entwickelt sich die Zahl der erkannten Neuinfektionen mittlerweile leicht rückläufig. In Europa jedoch - jener Weltregion, die im Frühjahr unmittelbar nach China als zweite von der Corona-Krise erfasst worden war - zeichnet sich ein ganz anderer Trend ab.

Das rapide anschwellende Fallaufkommen in Spanien, Frankreich und einer ganzen Reihe weiterer Staaten führt dazu, dass der prozentuale Anteil der europäischen Neuinfektionen an der weltweiten Gesamtzahl der täglich registrierten Fälle wieder zunimmt. Mitte Juli zum Beispiel steuerten die europäischen Fälle zeitweise deutlich weniger als zehn Prozent zur Gesamtzahl aller weltweit registrierten Corona-Infektionen bei. Dieser Anteil hat sich nach dem Sommer fast verdoppelt: Aktuell stammen knapp 20 Prozent aller täglich gemeldeten Neuinfektionen aus Europa.

Gleichzeitig hat sich der globale Anteil der bisherigen Brennpunkte Nord- und Südamerika erkennbar verringert. Angetrieben von dem starken Fallwachstum in den USA und in Brasilien wurden zum Vergleichszeitpunkt Mitte Juli fast zwei Drittel aller täglich gemeldeten Neuinfektionen auf dem amerikanischen Kontinent nachgewiesen. In der Summe waren das im Sommer knapp 80.000 Infizierte. Aktuell ist diese Zahl auf rund 54.000 zurückgegangen, was einem weltweiten Anteil von weniger als 20 Prozent entspricht.

Die große Masse der Ansteckungen wird derzeit aus Asien berichtet. Dort ist es vor allem Indien, in dessen Bevölkerung sich das Virus weiter ausbreitet. Wie schwer der indische Subkontinent betroffen ist, lässt sich dabei anhand der amtlichen Zahlen nur erahnen. Aufgrund des unzureichend entwickelten Gesundheitssystems und eingeschränkter Testkapazitäten gehen Experten davon aus, dass die Dunkelziffer unerkannter Coronavirus-Fälle in Indien sehr viel höher angesetzt werden muss als in anderen Staaten.

Noch deutlich ist die aktuelle Entwicklung in den Daten zur Sieben-Tage-Inzidenz zu erkennen, also dem regionalen Fallaufkommen, gemessen an den Neuinfektionen aus den zurückliegenden sieben Tagen je 100.000 Einwohner. Die Länder in Asien liegen hier mit einem Wert von knapp 20 weit unter dem Niveau der übrigen großen Weltregionen. Das Fallaufkommen in Nord- und Südamerika liegt im Herbst weit unter den bisherigen Höchstwerten. In Europa jedoch zeigt sich ein kontinuierlicher Aufwärtstrend.

Vollkommen offen ist noch, wie lange die Weltbevölkerung noch im Pandemie-Ausnahmezustand aushalten muss. Zwar gibt es ermutigende Signale aus der Forschung und begründete Hoffnung auf einen Impfstoff in den kommenden Monaten. Doch noch immer stehen Ärzten und Pflegekräften in den Krankenhäusern weder zuverlässige Medikamente zur Behandlung Erkrankter noch ein sicherer Schutz vor einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 zur Verfügung.

Wichtigste Waffe im Kampf gegen das Virus sind damit weiterhin grundlegende Vorkehrungen, die offenkundig dazu beitragen können, eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern: Das Abstandsgebot, die Handhygiene, das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen sowie die Vermeidung - soweit möglich - von größeren Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen.

Parallel arbeiten die Gesundheitsämter in Deutschland unter Hochdruck daran, Ansteckungsherde ausfindig zu machen, Infektionsketten zu unterbrechen und Infizierte so schnell wie möglich zu isolieren. Mit dieser Strategie ist es der Volksrepublik China - wo das Virus vor rund neun Monaten in der Millionenstadt Wuhan zum ersten Mal in Erscheinung trat - gelungen, den zeitweise katastrophalen Coronavirus-Ausbruch im Land effektiv einzudämmen und Neuansteckungen unter Kontrolle zu halten.

Quelle: ntv.de


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