Erste Ischgl-Touristen reichen Klage ein

  23 September 2020    Gelesen: 332
Erste Ischgl-Touristen reichen Klage ein

Mitten in der laufenden Saison breitet sich im österreichischen Skiort Ischgl das Coronavirus aus. Tausende Urlauber stecken sich an - und tragen den Erreger in ihre Heimatländer weiter. Ob die Tiroler Behörden zu spät reagiert haben, soll nun die Justiz klären. Beim Landgericht Wien gehen erste Klagen ein.

Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz klagen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus im Tiroler Ski-Ort Ischgl auf Schadenersatz. Der österreichische Verbraucherschutzverein (VSV) hat beim Landesgericht Wien erste Zivilklagen gegen die Republik Österreich eingebracht, teilte die private Organisation mit. Dabei handele es sich um erste Musterprozesse und vorerst nicht um eine Sammelklage. Die Klagen seien im Namen von Einzelpersonen erfolgt. Insgesamt hätten sich mehr als 6000 Tirol-Urlauber bei dem Verein als Geschädigte gemeldet. Viele davon stammen aus Deutschland.

Der Corona-Ausbruch in Ischgl, das auch "Ibiza der Alpen" genannt wird, galt als Hotspot des Landes und trug zur Verbreitung des Virus in ganz Europa bei. Vor allem in überfüllten Après-Ski-Bars dürfte das Virus den idealen Nährboden für eine Verbreitung gefunden haben. Hunderte Österreicher und Tausende ausländische Touristen infizierten sich. Der erste Fall in Ischgl wurde am 7. März entdeckt, Tage nachdem bereits Island gewarnt hatte, dass sich Urlauber dort infiziert hätten. Die ersten Fälle in Österreich wurden Ende Februar gemeldet.

Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte schließlich am 13. März eine sofortige Quarantäne für Ischgl und das umliegende Paznaun-Tal an. Touristen durften allerdings aus den Urlaubsorten abreisen, was heftig umstritten war, weil sich das Virus damit weiter ausbreiten konnte. Die Tiroler Behörden wiesen alle Vorwürfe zurück. Man habe angesichts der damaligen Erkenntnisse über das Virus angemessen gehandelt. Nach Ansicht des Verbraucherschutzvereins hätten die Verantwortlichen allerdings zu spät reagiert und möglicherweise dem Druck des Tourismussektors nachgegeben.

Der Verbraucherschutzverein will als nächsten Schritt im kommenden Jahr versuchen, eine oder mehrere große Sammelklagen zu organisieren. "Doch bis solche Sammelklagen mit Urteilen enden, vergehen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte", sagte der Obmann des Vereins, Peter Kolba. "Wir haben daher heute einen offenen Brief an Bundeskanzler Kurz gerichtet und einen Runden Tisch für eine raschere Lösung vorgeschlagen. Das wäre im Interesse der Geschädigten, aber doch wohl auch im Interesse des Tourismus in Österreich, der dadurch unter die Ereignisse einen Schlussstrich ziehen könnte."

Quelle: ntv.de, jug/rts


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