Nobel-Stiftung investierte in Atomwaffen

  20 Oktober 2017    Gelesen: 207
Nobel-Stiftung investierte in Atomwaffen

Eine Auszeichnung für den Frieden vergeben und gleichzeitig in Atomwaffen investieren: Die Organisation "Facing Finance" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Alfred-Nobel-Stiftung und rät dem Anti-Atomwaffenbündnis Ican, das diesjährige Preisgeld auszuschlagen.

Die Berliner Nichtregierungsorganisation "Facing Finance" hat dem Anti-Atomwaffenbündnis Ican empfohlen, das Preisgeld für den diesjährigen Friedensnobelpreis nicht anzunehmen. Nach Recherchen der finanzmarktkritischen Organisation, seiner norwegischen Partnerorganisation Framtiden und des ZDF besitzt die Alfred-Nobel-Stiftung zum Teil Fonds, die an mehreren europäischen und US-amerikanischen Rüstungsfirmen beteiligt sind.

Diese seien wiederum in Atomwaffenprogramme involviert oder für die Wartung und Modernisierung von Nuklearwaffen verantwortlich, hieß es. Unter den Unternehmen, in die die Stiftung etwa über Indexfonds investiert, sind zum Beispiel Textron, Lockheed Martin und Raytheon.

"Wir finden, dass das für eine Stiftung, die den Friedensnobelpreis vergibt, ein No-Go ist. Das darf einfach nicht sein", sagte Thomas Küchenmeister, Vorstand von "Facing Finance", dem ZDF. Küchenmeister hat beobachtet, dass seit einigen Jahren immer mehr Investoren auf Anlagen in Waffen verzichten. Dazu zähle auch der größte Investor der Welt, der norwegische Pensionsfonds. "Insofern ist es umso erstaunlicher, dass das norwegische Friedensnobelpreiskomitee diesem Vorbild nicht folgt."

Investments in Waffenhersteller

Ican teilte unterdessen mit, man wolle mit der Nobelpreis-Stiftung zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihr Vermögen nicht in Atomwaffen-Hersteller investiert wird. "Wir erwarten von der Nobelpreis-Stiftung, dass auch bei der Anlage des Geldes darauf geachtet wird, dass sie dem Frieden und der Abrüstung dient. Es darf deshalb nicht in Atomwaffen investiert werden", sagte Sascha Hach, Vorstandsmitglied von Ican Deutschland.

"Facing Finance" hatte sich für seine Recherchen den Jahresbericht der Nobel-Stiftung von 2016 angeschaut. Einige der Geldanlagen in Aktien- und Hedgefonds führten dann zur indirekten Verbindung der Stiftung mit Rüstungsproduzenten. Laut des NGOs operierten die Fonds "teils massiv" mit Investments in Waffenhersteller.

"Es geht um Glaubwürdigkeit"

"Ein Friedensnobelpreis darf nicht mit Geld honoriert werden, das aus Waffengeschäften stammt", mahnte Küchenmeister. Auch der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold forderte die Nobel-Stiftung auf, ihr Kapital "ökologisch-sozialverantwortlich" anzulegen - das aktuelle Vorgehen sei "hochpeinlich".

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Niels Annen, forderte das Nobel-Komitee auf, "das Geld anders zu investieren". Das Komitee habe für den Frieden in der Welt viel Gutes bewirkt: "Nun geht es um seine Glaubwürdigkeit", sagte Annen.

Laut einer Sprecherin der Nobelpreis-Stiftung in Stockholm habe man seit der Veröffentlichung des von "Facing Finance" zitierten Jahresberichts damit begonnen, nachhaltigere Alternativen zu den von der Organisation kritisierten Fonds zu finden. Die Stiftung verfüge heute über klare Richtlinien hinsichtlich Ethik und Nachhaltigkeit, teilte sie der "FAZ" mit. Es würden keine neuen Investitionen mehr getätigt, die gegen internationale Konventionen - wie etwa gegen Streubomben - verstießen oder im Zusammenhang mit Nuklearwaffen stünden.

Quelle: n-tv.de

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