Es läuft nicht bei der Deutschen Bank

  11 Januar 2018    Gelesen: 401
Es läuft nicht bei der Deutschen Bank
An den Börsen geht es kräftig aufwärts. Die Aktie der Deutschen Bank ist dagegen billiger als vor einem Jahr. Damit dürfte der Druck auf die Konzernführung zunehmen.
Böse Zungen könnten behaupten, dass die Deutsche Bank vor einigen Tagen ihre Anleger doppelt verwirrt hat. Denn das dritte Jahr infolge warnte das Institut die Investoren, dass unter dem Strich ein Verlust für das Geschäftsjahr zu verzeichnen ist. Im Fachjargon heißt dies "Gewinnwarnung". Bei der Deutschen Bank wäre es mittlerweile allerdings eher überraschend, wenn sie die Anleger auf einen Gewinn vorbereiten müsste.

Seit Aufsichtsratsboss Paul Achleitner am Ruder ist und Chef John Cryan die Geschäfte führt, ist es nicht so richtig gut geworden. Gegen die Konkurrenz in Europa und den USA wirkt die Bank wie der FC Köln gegen Dortmund oder Bayern.

Man muss sich dies einmal vorstellen: Die Aktienmärkte international brennen seit Jahren ein Feuerwerk ab, auch Übernahmen laufen immer besser, die Institute in den USA kommen brillant - jene in Spanien oder Italien zumindest ordentlich - voran. Doch die Deutsche Bank erwirtschaftet drei Jahre infolge einen Verlust. Auch die neue Strategie von Vorstandschef Cryan bringt bislang wenig Erfolg. Der Druck auf ihn und Aufsichtsratschef Paul Achleitner wächst zusehends.

In Zahlen ausgedrückt: Die Aktie notiert um 5 Prozent unter dem Stand von vor einem Jahr, während es am Aktienmarkt steil nach oben geht. Investoren quittieren so die anhaltend schwache Geschäftsentwicklung des hiesigen Branchenprimus. So waren wegen der sehr niedrigen Volatilität an den Märkten die Erträge aus dem Handelsgeschäft mit Anleihen, Währungen und Aktien im vierten Quartal um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Damit verliert die Deutsche Bank weiter Marktanteile, nachdem die Konkurrenten JP Morgan und Bank of America einen Rückgang um jeweils 15 Prozent angekündigt haben

Die enttäuschenden Ergebnisse machen deutlich, dass der erneute Strategieschwenk, den Vorstandschef Cryan im März vergangenen Jahres eingeleitet hatte, weiterhin nicht funktioniert. Der Brite war nach dem Ausscheiden von Jürgen Fitschen im Mai 2016 zum alleinigen Chef des Unternehmens aufgestiegen. Nachdem Cryan anderthalb Jahre mit der Strategie seiner Vorgänger herumlaviert hatte, entschied sich das Management-Team im Frühjahr 2017 die Postbank entgegen den ursprünglichen Planungen nicht zu verkaufen. Sie verblieb stattdessen im Konzern und wurde mit dem deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft zusammengelegt.

Hohe Abhängigkeit vom Investmentbanking

Als zweite wichtige Säule neben dem Privatkundengeschäft wurde zudem eine Unternehmens- und Investmentbank geschaffen. Die zwischenzeitliche Trennung in eine Sparte zur Unternehmensfinanzierung und -beratung sowie eine weitere für das Kapitalmarktgeschäft wurde rückgängig gemacht. Zudem soll ein Teil der Vermögensverwaltung inklusive der Fonds-Tochter DWS in diesem Jahr an die Börse gebracht werden. Trotz dieses Strategieschwenks ist das Geldhaus aber weiterhin stark abhängig vom Handelsgeschäft und damit vom Investmentbanking.

Da das Handelsgeschäft bei möglicherweise anhaltend niedriger Volatilität schwach bleiben dürfte, fragen sich viele Investoren, wie Cryan den Konzern auf Wachstumskurs bringen kann. Laut den Schätzungen der Analysten sollen die Erträge im Jahr 2017 um knapp zehn Prozent auf 27,4 Mrd. Euro sinken. In den ersten drei Quartalen waren sie um zehn Prozent auf 20,7 Mrd. gefallen. Dabei waren die Erträge bereits im Gesamtjahr 2016 um 10,5 Prozent zurückgegangen.

Trotz des aktuell guten Börsenumfelds und des zwischenzeitlichen Kursanstiegs tut sich die Deutsche Bank aber weiterhin schwer, viele der im Herbst 2016 verloren gegangenen Kunden zurückzugewinnen. Dabei dürfte vor allem das sehr hohe Engagement der Deutschen Bank im Derivate-Bereich eine wichtige Rolle spielen. Ende 2016 belief es sich auf herbe 42,9 Billionen Euro.

Die enttäuschenden Ergebnisse der Deutschen Bank werfen nicht nur ein schlechtes Licht auf Cryan, sondern auch auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der Ende Mai 2012 den Job übernommen hatte. Er ist für das Führungspersonal verantwortlich und hat in den vergangenen Jahren jedem Strategieschwenk des jeweiligen Vorstands-Teams zugestimmt. Zur Einordnung: Während die Aktie der Deutschen Bank um 38 Prozent unter dem damaligen Kurs notiert, ist jene von JPMorgan um mehr als 230 Prozent auf neue Rekordhochs nach oben geschossen, bei der UBS steht ein Plus von 70 Prozent zu Buche.

Ende 2014 hatte der Aufsichtsratschef eine Strategiedebatte angestoßen, als deren Ergebnis die Postbank abgegeben und das Investmentbanking deutlich verkleinert werden sollten. Weil die Pläne fehlschlugen, trat der damalige Co-Vorstandschef Anshu Jain im Juni 2015 zurück. Sein Kollege Jürgen Fitschen nahm elf Monate später seinen Hut. Das Duo wollte mit Achleitners Segen die Bank als globalen Wettbewerber zu Instituten wie JP Morgan, HSBC und der Bank of America positionieren. Davon ist die Deutsche Bank aber weiter entfernt denn je. Unter Cryan gibt es ebenfalls kaum Fortschritte. Dennoch ist Achleiter bei der Hauptversammlung am 18. Mai 2017 mit 93,5 Prozent wiedergewählt worden. Bei anhaltend schwacher Geschäftsentwicklung dürfte allerdings der Druck auf ihn zunehmen, einen Nachfolger für Cryan zu suchen.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch, aber eher für die Investmentbanker als für die Investoren. Die Boni für 2017 sollen nach der drastischen Kürzung im Vorjahr steigen, und dies hat einen einfachen Grund: Die Konkurrenz macht anständige Geschäfte, und gute Mitarbeiter der Deutschen Bank könnten ohne finanzielle Motivationsspritze rasch zur Konkurrenz abwandern.

Quelle: n-tv.de

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